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Rauchverbot lässt Stinker in Discos auffallen

Düsseldorf Ein gutes Deo kann in deutschen Diskotheken neuerdings wichtiger sein als der richtige Hüftschwung.

Denn seit sich mit dem Rauchverbot in Lokalen der Qualm aus den Clubs verzogen hat, offenbaren sich zum Teil markerschütternde Gerüche.

«Seit dem Rauchverbot stinkt es ekelhaft nach Schweiß und auch nach verschüttetem Bier in meiner Stamm-Disco. Das war früher nicht so», klagt zum Beispiel die Kölner Nachtschwärmerin Annika Schuler (27).

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA), dem Diskothekenbesitzer angeschlossen sind, bestätigt die unerwarteten Nebenwirkungen des Rauchverbots. «Aber es ist die Frage, ob wir solche Zustände wie in Versailles bekommen», sagt der Sprecher von DEHOGA NRW, Thorsten Hellwig, in Anspielung an den französischen Adel, der vor Jahrhunderten dafür bekannt war, sich kaum zu waschen.

«Im Laufe des Abends riechen einzelne Gäste», heißt es aus dem Düsseldorfer «Monkey's Club». Auch bei der Konkurrenz, dem «3001», zieht hin und wieder ein unangenehmes Lüftchen durch die tanzende Menge. «Das kann auf jeden Fall schon mal passieren», bestätigt Betriebsleiter Fabian Veldmann. Doch das Mief-Problem halte sich in Grenzen, schieben Verantwortliche aus beiden Clubs schnell hinterher.

Beide Clubs wollen die üble Luft loswerden. Sie beraten im Zuge des Rauchverbots über eine Beduftung ihrer Tanzflächen. Vielleicht «etwas Frisches» mit Menthol, überlegt «Monkey's Club»-Geschäftsführerin Martina Kump über die Duftnote. Vanille-Zauberbäumchen wie für das Raucherauto oder blumige «Las-Vegas-Düfte» kommen auch im «3001» nicht in Frage; der Duft sollte «neutralisierend» sein, so Veldmann.

Der Markt mit Duftstoffen boomt. Raumdüfte seien «interessante Renditebringer», heißt es beim Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel IKW. Vom zweistelligen Wachstum «dank neuer Produkte und des damit einhergehenden Marketings» ist beim IKW die Rede.

Doch von einer durch das Rauchverbot gestiegenen Nachfrage nach Beduftungssystemen für Diskotheken merken Duftdesigner zurzeit nichts. «Noch nichts», prophezeit seiner Branche der Geschäftsführer von Scentcommunication, Robert Mueller-Gruenow. Aber in anderen Ländern, wie Großbritannien sei das schon gang und gäbe. Nur muss es subtil geschehen: «Einem gut beduftetem Raum, merke ich nicht an, dass er beduftet ist», sagt der Geschäftsführer von Maxxscent, Claus Runge, der Unternehmen zur verkaufsfördernden Duftnote berät.

In dem nicht wahrnehmbaren Luftverbesserer sieht allerdings der Deutsche Allergie- und Asthmabund ein Problem. «Die Bereitschaft über eine Beduftung Auskunft zu geben, ist nicht immer vorhanden», sagt Verbandschemikerin Silvia Pleschka. «Die Disco-Betreiber sind sich nicht darüber im Klaren, dass sie bestimmte sensible Personen gesundheitlichen Gefahren aussetzen», warnt die Chemikerin. Über die Verträglichkeit von Duftstoffen gebe es zudem keine Langzeitstudien. Gerade für Asthmatiker sei die Beduftung katastrophal.

Von Ärger dieser Art haben die Verantwortlichen der Düsseldorfer Disco «Nachtresidenz» bisher nichts gehört. Seit zwei Jahren zischt hier mit den Tröpfchen aus der Nebelmaschine ein neutrales Aroma über die tanzende Meute. «Keine einzige Beschwerde» habe es wegen der Duftstoffe gegeben, bestätigt Betriebsleiter Tom Rameil. Die Flüssigkeit sollte zunächst dem Zigarettenqualm seinen beißenden Geruch entziehen, jetzt helfen die unsichtbaren Substanzen in der Nachtresidenz aber auch gegen Schweiß und Co. «Wir haben keine Probleme mit unangenehmen Gerüchen», sagt Rameil.

Doch das Multitalent Duft überzeugt nicht alle Diskothekenbetreiber. «Duftstoffe? Da ist keine Notwendigkeit», sagt der Mitinhaber der Düsseldorfer Location «Les Halles», Michael Kuchenbecker. Auch die Kosten für eine Duftanlage dürften manche Betreiber zurückschrecken lassen. Eine Belüftungsanlage mit Duftstoffen kostet laut Maxxscent für eine Fläche von rund 2000 Quadratmetern rund 5000 Euro. Im Grunde helfe seit dem Rauchverbot nur eines, weiß der Geschäftsführer des Düsseldorfer Clubs «Stahlwerk», Stefan Prill: «Die Körperhygiene wird wichtiger.» Von Kristina Kiauka, dpa

dpa-infocom