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Bauern golfen mit dem Holzschuh - Erste Meisterschaft

Südlohn «Golf ist mehr was für Spießer», findet Peter Weenink.

Heute steht der Niederländer deswegen auf dem Gelände von Bauer Heinrich Wehling im münsterländischen Südlohn.

Zwischen Mais und Kühen sind es vor allem die acht Fähnchen und Löcher, die die beiden interessieren. Gemeinsam mit Karin Otto-Höper vom örtlichen Tourismusverein organisieren sie die ersten offenen Deutschen Meisterschaften (21. September) im Bauerngolf.

Eine Sportart, die 1999 nach Angaben von Weenink aus einer Stammtisch-Idee und seinem Frust über die teuren Golfclubs entstanden ist. Auf den gepflegten Grüns der Clubs durften nur Mitglieder mit Platzreife spielen. Seitdem hat Bauerngolf einen Siegeszug angetreten. «Ich wollte günstiger Golf spielen können und habe einen eigenen Platz angelegt», erzählt er. Ausreichend Fläche hatte er zur Verfügung, nur die kleinen Golfbälle gingen im hohen Weidegras verloren.

Da es viel Zeit kostet, ein richtiges «Green» anzulegen und zu pflegen, musste eine Alternative her: größere Bälle. Diese haben etwa Handballformat und die passenden Schläger sind Holzschuhe, Klompen, am Stiel. Die dazugehörigen Löcher, die «Holes», sind im Boden eingelassene Eimer. Kraft ist für das Spielen mindestens genauso wichtig wie technisches Geschick, sagt der Fachmann. Die Holzschuhe haben eine flache und eine abgerundete Seite, die stark die Flugrichtung beeinflussen.

Was in Weeninks Heimatdorf provisorisch anfing, hat sich in den Niederlanden zu einer professionellen Sportart entwickelt: Eine eigene Firma sorgt für die Herstellung der Schläger und Bälle, der Name Bauerngolf ist geschützt und neben mehr als 100 Plätzen und mehr als 500 000 Spielern gibt es im Osten Hollands bereits eine eigene Bauerngolf-Liga.

Als Heinrich Wehling, der schon seit mehreren Jahren ein Mais- Labyrinth betreibt, nach einer Attraktion für Erwachsene suchte, stieß er auf die ungewöhnliche Sportart. Davon angetan legte er seinen eigenen Bauerngolfplatz, den ersten in Deutschland, an. Auf knapp 50 000 Quadratmetern können Besucher jetzt den aus acht Löchern bestehenden Parcours abspielen. Dabei wird in zwei Mannschaften gegeneinander gespielt.

Erfahrene Golfer hätten dabei zwar einen kleinen Vorteil, weil sie die Technik beherrschten, doch Weenink räumt auch lachend ein: «Die sind meist so perfektionistisch, dass sie an den anderen Gegebenheiten scheitern.» Damit meint er vor allem das Gras. Je länger es ist, desto schwieriger werde es, den Ball zielsicher zu schlagen. Auf seinem Hof laufen deshalb Kühe als natürliche Rasenmäher zwischen den Golfern herum. Mit einem nagelscherengestutzten Green darf also keiner am Hof Wehling rechnen.

Dennoch kommen viele Gäste gern zum Bauerngolf. «Es macht einfach viel Spaß und ist unterhaltsam», sagt Wehling. Und auch für Weenink, der sich selbst als Erfinder der Sportart bezeichnet, liegen die Vorteile auf der Hand: «Es ist an der frischen Luft, tut gut und ist gesund. Außerdem ist es günstiger als klassisches Golf, und die Bauern können den Platz gleich doppelt als Futterwiese und Spielfläche nutzen.»

Von der Idee, die ersten deutschen Bauerngolf-Meisterschaften auf dem Hof stattfinden zu lassen, war nicht nur Wehling sofort begeistert, wie Karin Otto-Höper erzählt: «Auch Südlohns Verwaltung war sofort Feuer und Flamme.» Die Mitarbeiter treten auch selbst mit einer Mannschaft an. Insgesamt können 40 Teams mit vier Personen ab 13 Jahren teilnehmen. «Sonst wird es zu voll und dauert zu lange», meint Wehling. Unter den wachsamen Augen extra ausgebildeter Schiedsrichter spielen dann Firmenteams und Hobby-Vereine gegeneinander. Gekürt wird der Gewinner mit dem «Goldenen Klompen» und 500 Euro Preisgeld.

Diskussionen gibt es noch über die Besetzung des Wettkampfgerichtes. Zwar leiten Wehling und Weenink die Meisterschaft, doch wer in Streitfällen zwischen den Teams schlichten soll, ist bislang unklar - denn die beiden würden gern selbst mitspielen. Dass es zu Ärger kommen kann, weiß Bauerngolfer Weenink aus Erfahrung: «Eigentlich ist das ein fairer Sport mit mehr Spaß als Anstrengung. Aber wenn es was zu gewinnen gibt, gehen einige Spieler schon sehr weit.»

Bis zum Termin, dem 21. September, gibt es noch viel für die Organisatoren zu tun: Die Sponsoren bekommen ihre eigenen Wimpel an den Holes, zwei weitere werden angelegt, auf einem Ackerstück muss Gras gesät werden und auch ein Plan B für Regen ist derzeit noch in Arbeit.

Infos zum Bauerngolf: www.bauern-golf.de Von Marco Krefting, dpa

dpa-infocom