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Hilfslehrer auf vier Pfoten: Hunde im Schulunterricht

Schmal­kal­den Holly und Jonas bringt so schnell nichts aus der Ruhe - nicht das Kind mit der Ratsche, nicht der Mann mit den Blech­dosen und auch nicht der Behin­derte, der ohne Vor­war­nung einen von beiden umarmen will.

Die vierjährigen Eng­lisch Setter haben ihre Prüfung bestan­den. Nun dürfen sie mit Beginn des neuen Schul­jah­res als Schul­hunde arbei­ten. Regelmäßig werden sie dann den Unter­richt am Staat­lichen Förder­zen­trum «Ludwig Bech­stein» in Schmal­kal­den besu­chen. Die Schule für Kinder mit Lern­schwie­rig­kei­ten wird damit die erste im Frei­staat sein, die die beson­dere Bega­bung von Hunden nutzt.

Bundesweit werden ausgebildete Hunde an rund 90 Schulen, vor allem an Förder­ein­rich­tun­gen, ein­gesetzt. «Mit großem Erfolg», sagt Lydia Agsten, Hunde-Leh­rerin in Nord­rhein-West­falen und Aus­bil­derin von Schul­hunde-Teams. «Intro­ver­tierte, ängst­liche Kinder treten häufiger aus ihrer Iso­lie­rung heraus, während hype­rak­tive und reiz­bare Kinder spürbar ruhiger werden». Die Tiere nehmen jedes Kind unvor­ein­genom­men an, egal ob schlech­ter Schüler, Rauf­bold oder Einzelgänger. «Die Kinder spüren, dass die Hunde keine beson­deren Erwar­tun­gen an sie haben.» Der Unter­richt werde ent­spann­ter und auf­merk­samer.

«Hunde sehen mehr als Lehrer, sie rea­gie­ren genau auf den See­len­zustand eines Men­schen», meint die Schmal­kal­dener Pädagogin Ulrike Porr­mann. Sie wird Holly und Jonas vor­aus­sicht­lich ab Mitte Sep­tem­ber mit in ihre fünfte Klasse nehmen. Aller­dings ist nicht jeder Hund für den Einsatz im Klas­sen­zim­mer geeig­net. «Knurren, schnap­pen oder gar beißen dürfen sie auf gar keinen Fall.» Die Tiere müssten es ertra­gen können, dass 20 Kinderhände nach ihnen greifen oder ein Stuhl mit lautem Knall umfällt. Seit Monaten berei­tet Porr­mann sich und ihre beiden Hunde auf die Arbeit vor.

Holly und Jonas werden künftig für täglich drei bis vier Unter­richts­stun­den die Schule besu­chen. Die meiste Zeit sollen sie einfach mit ihrer Anwe­sen­heit die Atmosphäre in der Klasse positiv beein­flus­sen, in der unter anderen ein Autist und ein Kind mit Schul- und Bin­dungsängsten lernen. Im Deutsch­unter­richt werden die Kinder später das Ver­hal­ten der Hunde beob­ach­ten und beschrei­ben. In der Mathe­stunde können die Mädchen und Jungs aus­rech­nen, wie viel Futter die Vier­bei­ner täglich brau­chen. Außerdem will Porr­mann Pap­prol­len mit Rechen­auf­gaben vor­berei­ten, die die Hunde an die Kinder ver­tei­len. Sie hofft, dass die Schüler dann moti­vier­ter sind, die Auf­gaben zu lösen.

Tiere als The­rapeu­ten wurden erst­mals vor rund 40 Jahren in den USA ein­gesetzt. Ein ame­rika­nischer Kin­derpsy­cho­the­rapeut ent­deckte, dass psy­chisch kranke Kinder viel besser ansprech­bar waren, wenn sein Hund zugegen war. Seit Ende der 1970er Jahre wird welt­weit auf dem Gebiet der Tier­gestützten The­rapie geforscht. Auch in Deutsch­land werden seit einigen Jahren Tiere wie Delfine, Pferde oder eben Hunde als Co-The­rapeu­ten ein­gesetzt.

Ihre Erfahrungen mit dem Schuleinsatz ihrer Hunde will die Schmal­kal­dener Leh­rerin später an andere wei­ter­geben. Viele Pädagogen wollen sich mit Hunden ver­suchen, sagt sie. «Sie sollten aber unbe­dingt wissen, dass dafür min­des­tens zehn Jahre Hun­deer­fah­rung und zehn Jahre Berufs­erfah­rung nötig sind.» Von Grit König, dpa

dpa-infocom


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