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 Das Thema des Tages 

Vermutlich Deutsche unter Madrid-Opfern

Madrid Todes­flug LH 2554: Eine Familie aus Bayern gehört mit großer Wahr­schein­lich­keit zu den 153 Opfern der Kata­stro­phe von Madrid.

Ein Spre­cher der Luft­hansa bestätigte am Don­ners­tag, dass das Ehepaar und seine beiden Söhne aus Pullach bei München auf der Pas­sagier­liste der abgestürzten Spanair-Maschine standen. Jedoch sei noch nicht mit letzter Sicher­heit geklärt, ob die Deut­schen auch an Bord waren. Ein Spre­cher des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte: «Wir haben Hin­weise von den zuständigen spa­nischen Behörden, dass sich vier Deut­sche unter den Tode­sop­fern befin­den. Diese Angaben stehen unter dem Vor­behalt der endgültigen Iden­tifi­zie­rung der Opfer.»

Später hieß es, die spanische Regie­rung habe die Zahl der deut­schen Opfer mit fünf bezif­fert. Sie teilte mit, bei dem Unglück seien wenigs­tens 14 Men­schen gestor­ben, die nicht aus Spanien stamm­ten. Dazu gehörten fünf Deut­sche. Außerdem seien unter den Toten zwei Fran­zosen sowie jeweils ein Pas­sagier aus Italien, der Türkei, Bul­garien, Bra­silien, Mau­reta­nien, Gambia und Indo­nesien.

Die spa­nische Regie­rung ordnete eine dreitägige Trauer für die Opfer des Flug­zeu­gunglücks an. An der Unglücks­stelle auf dem Flug­hafen Barajas nahm eine Exper­ten­kom­mis­sion die Unter­suchun­gen zur Abstur­zur­sache auf. Am Tag nach der Tragödie war weiter unklar, wie es zur schlimms­ten Kata­stro­phe in der spa­nischen Luft­fahrt seit 25 Jahren kommen konnte.

Die spanische Behörde für Zivil­luft­fahrt äußerte die Ver­mutung, dass das Aus­ein­ander­flie­gen eines Trieb­werks den Absturz ausgelöst haben könnte. Von dem defek­ten Trieb­werk könnten sich Teile gelöst haben, die «wie Geschosse» umher­geflo­gen seien, sagte ein Spre­cher. Dadurch könnten das Ruder und das andere Trieb­werk beschädigt worden sein und die Piloten die Kon­trolle über das Flug­zeug ver­loren haben.

Viele der nur 19 Men­schen, die aus der völlig zerstörten bren­nen­den Maschine vom Typ MD-82 geret­tet wurden, kämpften am Don­ners­tag in Madri­der Kli­niken weiter ums Über­leben. Mehrere von ihnen werden in Spe­zial­abtei­lun­gen für schwere Brand­ver­let­zun­gen behan­delt.

Nach Medienberichten galt es als weit­gehend gesi­chert, dass ein Trieb­werk der zwei­strah­ligen Unglücks­maschine in Brand geraten oder gar explo­diert war. Zahl­rei­che Exper­ten wiesen jedoch darauf hin, dass dies nicht allein die Ursache der Kata­stro­phe gewesen sein könne. Die Maschine hatte nach Gran Canaria fliegen sollen, war aber nach dem Start nur etwa 50 Meter abge­hoben, in ein aus­getrock­netes Flus­stal gestürzt und in Flammen auf­gegan­gen.

Die spa­nische Ver­kehrs­minis­terin Mag­dalena Alvarez bestätigte, dass der Pilot vor dem Unglück wegen «tech­nischer Pro­bleme» einen Start abge­bro­chen hatte. Sie ließ jedoch unklar, worin die Pro­bleme bestan­den. Nach Überprüfung der Maschine gaben Tech­niker das Flug­zeug zum Start frei. Spanair teilte mit, die Piloten hätten eine «Über­hit­zung in der Luft­zufuhr» fest­gestellt. Dieser Defekt sei von den Tech­nikern behoben worden.

Die Zeitung «El País» berichtete unter Beru­fung auf vier ver­schie­denen Quellen, der Pilot habe den ersten Start wegen eines Trieb­werk­scha­dens abge­bro­chen. Mit Unter­suchungs­ergeb­nis­sen sei erst «in meh­reren Wochen oder Monaten» zu rechnen, teilte das Ver­kehrs­minis­terium mit. Mehrere erfah­rene Piloten wiesen darauf hin, dass die Maschine auch nur mit einem Trieb­werk hätte starten können.

Die Toten wurden in einer Mes­sehalle auf­gebahrt. Die stell­ver­tre­tende Minis­terpräsiden­tin María Teresa Fernández de la Vega sagte am Don­ners­tag, bislang seien 39 Tote iden­tifi­ziert. Davon seien 15 zur Bei­set­zung frei­gege­ben worden. Bis zum Abend sollte die Identität von 20 wei­teren Leichen mit Hilfe der Fin­ger­abdrücke fest­gestellt werden. Bei den übrigen 94 Toten sei eine Iden­tifi­zie­rung nur mit Hilfe von DNA-Ana­lysen möglich. Viele Leichen sind bis zur Unkennt­lich­keit ver­kohlt. Unter den Toten sind auch 20 Kinder und Jugend­liche. Die Regie­rung beschloss nach Angaben der Vize­regie­rungs­che­fin die Ein­rich­tung eines Büros, das den Angehörigen der Opfern Hilfe leisten soll.

König Juan Carlos und Königin Sofía spen­deten den Angehörigen der Toten in der Mes­sehalle Trost. Papst Bene­dikt XVI. äußerte sich zutiefst betrof­fen über die Flug­zeug­kata­stro­phe und wünschte den Über­leben­den eine rasche und vollständige Gene­sung. Aus Deutsch­land über­mit­tel­ten Bun­despräsident Horst Köhler und Luft­hansa- Vor­stands­vor­sit­zen­der Wolf­gang May­rhu­ber den Hin­ter­blie­benen der Opfer ihr Beileid.

Die Ver­kehrs­minis­terin wies Pres­sebe­richte zurück, wonach bei der Kata­stro­phe auch die finan­zielle Misere von Spanair eine Rolle gespielt haben könnte. Die Gesell­schaft habe alle Sicher­heits-Checks an ihren Maschi­nen ord­nungs­gemäß vor­neh­men lassen. Dem­gegenüber berich­tete die Zeitung «El Mundo», bei Spanair hätten chao­tische Verhältnisse geherrscht. «Die Flug­linie befand sich in einem Zustand des Ver­falls», schrieb das Madri­der Blatt. «Die Piloten mussten auf­grund von Per­sonal­man­gel zuwei­len die Auf­gaben von Tech­nikern mit­erle­digen.»

Die Flug­schrei­ber des verunglückten Flug­zeugs vom Typ McDon­nell Douglas MD-82 wurden wenige Stunden nach dem Unglück sicher­gestellt und einem Ermitt­lungs­rich­ter über­geben. Von ihrer Aus­wer­tung seien ent­schei­dende Aufschlüsse zu erwar­ten, sagte die Minis­terin.

Auf dem Madri­der Flug­hafen Barajas hatte sich der Flug­ver­kehr am Don­ners­tag wieder weit­gehend nor­mali­siert. Um 13.29 Uhr star­tete mit leich­ter Verspätung auch Flug JK 5022/LH 2554 - der Flug, der am Vortag zur Todes­falle wurde - nach Gran Canaria.

dpa-infocom