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 Das Thema des Tages 

Spanair-Unglück: Nur wenige hatten einen Schutzengel

Madrid Er wurde nur drei Monate alt. Im kirch­lichen Sinne hatte der Kleine nicht einmal einen Namen.

Er hatte mit seinen Eltern und einem Onkel die Großeltern in Nord­spa­nien besucht.

Mit der Spanair-Maschine JK 5022 wollte die Familie nach Gran Canaria fliegen, um das Baby dort im Hei­mat­ort der Mutter taufen zu lassen. Der Junge, die Eltern im Alter von 20 und 23 Jahren und der 19-jährige Onkel, starben beim Madri­der Flug­zeu­gunglück im Flam­men­meer.

Ein anderes Paar von den Kanaren hatte mehr Glück. Héctor und seine Part­nerin ret­teten ihr Leben, weil sie drei Minuten zu spät kamen. Sie hatten, wie Héctor berich­tete, nach ihrem Urlaub mit der Spanair zurück nach Gran Canaria fliegen wollen. Wegen ihrer Verspätung ließ das Per­sonal sie nicht mehr in die Maschine.

Einen ähnlichen Schutzengel schien José Andrés gehabt zu haben. Der 26-Jährige hatte kurz ent­schlos­sen nach Gran Canaria fliegen wollen, um seine Freun­din zu besu­chen. «Am Schal­ter sagte man mir, dass nur noch Plätze in der Ersten Klasse frei waren», berich­tete er der Zeitung «El Mundo». «Der Preis war jedoch doppelt so hoch wie für die Tou­ris­ten­klasse. Da habe ich ver­zich­tet und mich für einen späteren Flug ent­schlos­sen. Nun fühle ich mich wie neu­gebo­ren und werde in der Kirche für all die Opfer beten.»

Bei dem Unglück auf dem Flug­hafen Madrid-Barajas, dem schwers­ten in der spa­nischen Luft­fahrt seit fast 25 Jahren, starben 153 Men­schen. 19 Insas­sen der Maschine über­leb­ten schwer ver­letzt. Die Toten wurden in einer Halle auf dem Mes­segelände auf­gebahrt, die zu einem rie­sigen Lei­chen­schau­haus umfunk­tio­niert wurde. So war man auch schon vor gut vier Jahren ver­fah­ren, als bei den Ter­ror­anschlägen auf mehrere Madri­der Pend­lerzüge 191 Men­schen getötet worden waren.

In einer Nebenhalle versammelten sich die Angehörigen der Toten. Sie wurden von Ärzten auf­geru­fen, um Leichen von Ver­wand­ten zu iden­tifi­zie­ren. Jeder Familie wurde dabei ein Psy­cho­loge zur Seite gestellt. «Unsere Aufgabe besteht zuerst darin, dafür zu sorgen, dass sich die Angehörigen in ihrer Trauer nicht allein­gelas­sen fühlen», erläuterte die Psy­cho­login Ana María Calvo vom Roten Kreuz. «Wir können den Schmerz kaum mindern, aber können dazu bei­tra­gen, dass er nicht noch größer wird.»

Auch König Juan Carlos, Königin Sofía und Minis­terpräsident José Luis Rodríguez Zapa­tero spen­deten den Angehörigen der Opfer Trost. Bei den meisten Toten war eine Iden­tifi­zie­rung zunächst nicht möglich, weil viele Leichen zur Unkennt­lich­keit ver­brannt waren. Zur Fest­stel­lung der Identität mussten DNA-Ana­lysen ange­fer­tigt werden.

Ligia Palomino hatte Glück, dass sie nicht unter den Toten war. Die 41-jährige Kolum­bia­nerin, die in Madrid selbst als Notärztin beschäftigt ist, hatte in der Unglücks­maschine geses­sen und wurde von ihren eigenen Kol­legen lebend gebor­gen. Sie war beim Absturz aus der aus­ein­ander­bre­chen­den Maschine ins Freie geschleu­dert worden. «Als ich den Kopf hob, sah ich lauter Leichen um mich herum», berich­tete sie nach Angaben der Zeitung «El País» ihrer Schwes­ter im Kran­ken­haus. «Aus dem Wrack des Flug­zeugs schlug mir eine unge­heure Hitze ent­gegen.»

Dass die Ärztin aus dem Flug­zeug hin­aus­geschleu­dert wurde, dürfte ihr das Leben geret­tet haben. «Aus dem Innern des Wracks haben wir keine Leben­den gebor­gen», berich­tete ein Mit­glied der Ret­tungs­mann­schaf­ten. Der Mann gehörte zu einem der ersten Ber­gungs­trupps, die nach dem Unglück an der Absturz­stelle ein­tra­fen. «Wir haben ver­brannte Leichen von Kindern und Erwach­senen sowie abge­trennte Gliedmaßen auf­gesam­melt und abtrans­por­tiert», berich­tete er laut «El Mundo». Von Hubert Kahl, dpa

dpa-infocom