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Ausstellungen

«Rom und die Barbaren» in Bonn

Bonn Die Büste des römischen Kaisers Mark Aurel ist aus purem 22 karätigem Gold.

Die 1,6 Kilogramm schwere Kostbarkeit, vor fast 70 Jahren in einem antiken Abwasserkanal Roms entdeckt, gehört zu den Glanzpunkten der Ausstellung «Rom und die Barbaren - Europa zur Zeit der Völkerwanderung», die bis zum 7. Dezember in der Bundeskunsthalle in Bonn zu sehen ist. Rund 1000 Exponate von knapp 70 europäischen Leihgebern haben die Ausstellungsmacher zusammengetragen.

Sie alle geben Zeugnis von der Epoche der Völkerwanderung. Der lange Marsch europäischer «Stämme» ist auch Thema der ebenfalls an diesem Freitag beginnenden Ausstellung «Die Langobarden - Das Ende der Völkerwanderung» im Rheinischen Landesmuseum Bonn.

Die Büste Mark Aurels, heute im Museum speziell bewacht, wurde zu Lebzeiten des Kaisers vermutlich den Truppen vorangetragen, wenn es in den Kampf gegen die barbarischen Völker ging. Sie sollte den Eindringlingen die Stärke, die Macht, den Reichtum Roms signalisieren. Aber gerade an diesem Reichtum wollten die Barbaren ja teilhaben. Immer öfter gab es Grenzverletzungen.

Die Markomannenkriege von 166 bis 180 gelten als die Vorboten der Zeit der Völkerwanderung. Es bilden sich größere Stammesverbände heraus, es gibt gesellschaftliche Umstrukturierungen und Siedlungsverlagerungen. Es brodelt in den Donauprovinzen, in Norditalien, auf dem südliche Balkan und im Barbaricum nördlich der mittleren Donau. Am Konflikt beteiligt waren zahlreiche Barbarengruppen bis hin zum Ostseeraum.

Was die Barbaren von ihren Beutezügen mit nach Hause brachten oder was römische Soldaten vor der Schlacht noch eilig versteckten oder zurücklassen mussten - im Haus der Geschichte ist ein spannender Querschnitt dessen zu sehen. Etwa Teile des Schatzes von Hildesheim wie die fein getriebene Silberschale mit der Büste des schlangenwürgenden Herakles oder der Helm von Deurne, der auch die Vorderseite des lesenswerten Ausstellungskatalogs schmückt.

Eine große animierte Europakarte mit Zeitleiste veranschaulicht die Wanderungsbewegungen. «Da kann man endlich mal erfahren, woher man kommt», sagt ein Besucher, der sich - schon etwas erschöpft von all den Eindrücken - auf einer Bank vor der Karte niedergelassen hat.

Ein paar Kilometer entfernt liegt der Schwerpunkt beim Thema Völkerwanderung im Rheinischen Landesmuseum auf den Langobarden. Vor allem die Kostbarkeiten aus Gräbern der Herrscher-Elite dokumentieren die hohe Kultur des seit Römertagen als Krieger gefürchteten Volksstamms. Mit rund 1000 erlesenen Exponaten schildert das Museum (bis 11. Januar 2009) von der massivgoldenen Gürtelschließe bis zum todbringenden Langschwert die acht Jahrhunderte, in denen dieses sagenumwobene germanische Volk auf der Bühne der europäischen Völkerwanderung zwischen seinen Ursprüngen im Norden und der Eroberung Norditaliens eine herausragende Rolle gespielt hat.

Römische Bronzegefäße aus langobardischer Frühzeit an der Niederelbe, eine Scheibenfibel mit stilisierten Vogelköpfen aus rotem, im fernen Sri Lanka gefundenen Almandin, oder goldschimmernde Halbmond-Ohranhänger nach byzantinischer Mode zeigen die Einflüsse auf die langobardische Lebensweise. Selbst Experten haben die vielfach «bodenfrischen» Funde aus Niederösterreich oder Ungarn noch nie zuvor gesehen, schildert Ausstellungskurator Michael Schmauder mit Stolz. Aus dem komplizierten historischen Geflecht der Epoche habe das Landesmuseum die Langobarden als geradezu exemplarischen Fall der Völkerwanderung ausgewählt, erklärt der Experte.

Gruseln lässt in einer Bonner Vitrine der treffsichere Bogen und der tödliche Krummsäbel eines Reiters der südrussischen Awaren, vor denen die Langobarden im letzten Schritt der Völkerwanderung im Mai 568 mit einem Heerwurm aus rund 100 000 Menschen nach Norditalien auswichen. Hier verschmolzen - etwa in Kunst oder Rechtsprechung - germanische Ursprünge und römische Kultur zu einer neuen Lebensart, wie «antikisierende» Architekturreste und typisch langobardische Flechtbandzier aus uralten Kirchen in der Bonner Schau deutlich machen. Als sich der Eroberer Karl der Große im Juni 774 siegreich zum «König von Franken und Langobarden» ausrufen lässt, ist die Geschichte der ehemaligen Elbgermanen zu Ende und ihre spätrömisch geprägte Kultur wird im neuen Karolingerstaat zu einem der Fundamente des heutigen Europa.

www.bundeskunsthalle.de

www.rlmb.lvr.de Von Gerd Korinthenberg und Günter Wächter, dpa

dpa-infocom