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"Goethe": Massiver Protest gegen Umbau

Mittelrhein Die Köln-Düsseldorfer hat entschieden: Die "Goethe", der legendäre letzte Dampfer auf dem Rhein, soll im Anschluss an diese Saison auf einen dieselhydraulischen Antrieb umgerüstet werden.

Der Riss im gusseisernen Motorblock des Schiffs soll nicht mehr repariert werden, und eine neue Dampfmaschine soll"s auch nicht geben. Doch damit wollen sich zahlreiche Dampferfreunde nicht abfinden. Sie sprechen von einer "technischen Todsünde" und mobilisieren zu Protesten.

Der Widerstand gegen die Entscheidung der Köln-Düsseldorfer (KD), den Schaufelraddampfer "Goethe" im kommenden Winter umzubauen und auf einen dieselhydraulischen Antrieb umzurüsten, wächst. Mit einem großen Protest am kommenden Wochenende will ein Aktionsbündnis aus vielen Dampfer- und Technikfreunden die breite Öffentlichkeit auf die Entscheidung der KD aufmerksam machen und die Rheinschifffahrtsgesellschaft im letzten Moment doch noch zu einem Umdenken bewegen.

"Es wurden 10 000 Flugblätter gedruckt und darüber hinaus Ansteckplaketten mit dem Appell produziert, die ,Goethe‘ nicht ihres Herzens zu berauben", berichtet Ewald Hackenbruch, einer der Organisatoren der großen Protestaktion. Das Mitglied des Deutschen Dampfbootvereins, der den Protest unterstützt, ergänzt: "Wir werden sie zuerst am Samstag um 9 Uhr beim Ablegen der ,Goethe‘ am Koblenzer Steiger und anschließend linksrheinisch an jedem Haltepunkt des Schiffes auf dem Weg nach Rüdesheim verteilen. Am Sonntag wird die Aktion dann wiederholt."

Hilfe bekommt die Gruppe um den Xantener Hackenbruch am rechten Rheinufer vom Rüdesheimer Helmut Strothjohann. Er ist der Besitzer des Dampfboots "Vaporosa", das die "Goethe" in Rüdesheim umkreisen soll. An Bord hat das Boot Plakate, die auf die "geplante technische Todsünde der Köln-Düsseldorfer hinweisen", wie die Protestler sagen. Ohne Not, so lautet ihr Vorwurf in Richtung KD, werde eine der Hauptattraktionen im Mittelrheintal in ihrer Substanz zerstört.

"Eine solche Umrüstung ist ein barbarischer Akt, der zur Zerstörung eines technischen Kulturgutes ersten Ranges führen würde", macht auch Hermann Layher, der Chef der Technikmuseen Sinsheim und Speyer, seinem Unmut in einem öffentlichen Brief an die Rheinschifffahrtsgesellschaft Luft. In einer Umrüstung sieht Layher, der als Museumschef rund 2000 Museumsmitglieder vertritt, auch eine Gefahr für den Tourismus im Mittelrheintal. Auch deshalb bittet er in seinem Schreiben darum, die "Goethe" im Originalzustand weiterfahren zu lassen.

Aus wirtschaftlicher Sicht sei das jedoch keinesfalls zu verantworten, bekräftigt KD-Vorstand Norbert Schmitz die Entscheidung für die Umrüstung. "Ein Dampfschiff ist natürlich schöner, auch ich kann die Sorge um die ,Goethe‘ verstehen. Deshalb haben wir uns die Entscheidung auch alles andere als leicht gemacht", betont Schmitz und fügt hinzu: "Eine Reparatur des Motorblocks wäre auch möglich, sie würde sich aber nicht mehr rechnen." Wieso das der Fall ist, erklärt der Vorstand wie folgt: "Eine Reparatur würde 400 000 Euro kosten. Dann hätten wir aber immer noch die Gefahr, dass die alte Maschine bei dem Dauerbetrieb des Schiffs zwischen Koblenz und Rüdesheim irgendwann ihren Geist aufgibt." Eine neue Dampfmaschine würde laut Norbert Schmitz 2,5 Millionen Euro kosten und sei "demnach einfach viel zu teuer und unwirtschaftlich". Zumal die KD gemäß der neuen Rheinschiffuntersuchungsordnung ohnehin gefordert sei, den größten Seitenraddampfer der Welt bis spätestens zum Jahr 2015 umzurüsten.

Auch weil die "Goethe" dann mit zwei unabhängig arbeitenden Maschinen angetrieben werden müsse, um im Notfall manövrierfähig zu sein, wolle die KD das Schiff bereits jetzt auf einen dieselhydraulischen Antrieb aus Schweden umrüsten. Für den Umbau wird nach Angaben des Vorstands etwa eine Million Euro fällig. Schmitz: "Die kompakten Motoren werden auf den Schaufelrädern aufgebracht, die dann individuell beweglich sein werden. Das Schiff ist dann wesentlich flexibler." Die KD habe sich dieses System bei zwei Schiffen auf dem Ammersee in Oberbayern angeschaut und sei von den Vorteilen überzeugt, betont Schmitz. Außerdem, so der Vorstand weiter, würden mit dem neuen Antrieb 300 000 Liter Diesel im Jahr gespart. Bei den steigenden Kraftstoffpreisen "ist das natürlich ebenfalls ein Grund für die jetzige Umrüstung".

Argumente, die die Protestler so nicht zählen lassen wollen. "Die hohen Treibstoffkosten ließen sich durch eine klimaneutrale Pelletfeuerung reduzieren", erklärt zum Beispiel Manfred Treber aus Bischofsheim, der ebenfalls gegen den Umbau mobil macht. Und bei der Rheinschiffuntersuchungsordnung, betont Ewald Hackenbruch, "ließe sich sicher eine Ausnahmeregelung erwirken".

Immerhin: Egal, ob der Protest gehört wird oder nicht, steht bereits fest, dass der Radantrieb auf alle Fälle bestehen bleibt und es das prägnante Tuten auch weiter geben wird. Vorstand Schmitz: "Wir suchen nach einer Möglichkeit, die Pfeife auch in Zukunft mit Dampf zu speisen."

Der alte Motor soll übrigens erhalten werden - wenn auch nicht in einem Museum. Schmitz: "Wir werden den Antrieb weder verkaufen noch ausstellen." Der Dieselmotor werde bei der KD eingelagert und könnte theoretisch auch wieder genutzt werden. "Natürlich nicht im Dauereinsatz wie jetzt bei der ,Goethe‘, aber eine Nutzung in einem Schiff, das hin und wieder zu einer Sonderfahrt aufbricht, wäre denkbar", so Schmitz. (Sebastian Eiden)

Soll die "Goethe" umgerüstet werden, oder ist das eine "Todsünde"? Schreiben Sie uns ihre Meinung. Erzählen Sie uns aber auch ihr schönstes Erlebnis rund um die "Goethe". Oder schicken Sie uns einfach Ihre besten Bilder des letzten legendären Dampfers auf dem Rhein. Wir veröffentlichen die besten Einsendungen in einer Bildergalerie im Internet sowie in unserer Zeitung.

E-Mail: Meine.Meinung@Rhein-Zeitung.net

Fax: 0261/892-122

Postadresse: Rhein-Zeitung, 56055 Koblenz

Sie können auch online über die "Goethe" diskutieren - in unserem Forum www.rhein-zeitung.de/phorum .

RZO