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Sessel zur Röhrenhose: 80er Jahre sind Wohntrend

Frank­furt/Main Röhren­hosen, Bal­leri­nas, Leg­gings und über­lange Hemd­blu­sen: Was der Mode recht ist, ist beim Ein­rich­ten mit kleiner zeit­licher Verzögerung billig. Und so halten die 80er Jahre derzeit wieder Einzug in die Wohnung.

Auf der einen Seite feiern sie mit viel Schwarz, Weiß, Chrom und Glas ein kom­mer­ziel­les Come­back. Auf der anderen Seite zeigen sie mit Beton, unbe­han­del­tem Holz und Metall ihren rauen Cha­rak­ter.

«Wir sind aus den 1990er Jahren sehr glattes Design gewohnt. Jetzt kommt die Rolle rückwärts», so der Archi­tekt und Desi­gner Volker Albus auf einer Ver­anstal­tung der Messe Frank­furt. Impro­visa­torisch, rüde, einfach - so cha­rak­teri­siert der Pro­fes­sor für Pro­dukt­design an der Hoch­schule für Gestal­tung in Karls­ruhe das Ori­ginal-80er-Design. Wobei das nur für Deutsch­land gelte. Denn während hier­zulande «bas­tel­hafte» Ein­zelstücke typisch waren, liebten es die Fran­zosen in dieser Zeit elegant und die Ita­lie­ner mit ihrer von Ettore Sott­sass gegründeten Memphis-Bewe­gung extrem bunt.

«Die 80er Jahre sind stil­geschicht­lich sehr gemischt gewesen», erin­nert sich Ursula Geis­mann vom Verband der Deut­schen Möbel­indus­trie (VDM) in Bad Honnef zurück. Diese Viel­falt zeigt sich auch bei der aktu­ellen Welle - wobei sich die natio­nalen Unter­schiede beim Design weit­gehend auf­geho­ben haben.

Vor allem der Eindruck des Unperfekten , irgend­wie Selbst­gebas­tel­ten scheint derzeit die Desi­gner welt­weit zu fas­zinie­ren. Der US-Ame­rika­ner Stephen Burks zum Bei­spiel entwarf für das ita­lie­nische Unter­neh­men Cap­pel­lini eine ganze Reihe von Recy­cling-Möbeln - ange­fan­gen von Stühlen und Tischen aus wie­der­ver­wer­teten Zeit­schrif­ten bis hin zu Vasen und Schalen aus altem Glas. Und der Desi­gner Mas­simi­liano Adami über­zieht für seinen Cap­pel­lini-Entwurf «Sharpei» einen Holz­stuhl mit ver­knit­ter­tem Baum­woll­stoff, was stark an eine Alt­klei­der­samm­lung erin­nert.

Als «Punk» bezeich­net der Niederländer Richard Hutten seine hand­gefer­tigte Möbel­kol­lek­tion «Layers»: Bücher werden bei ihm zu einem Tisch gesta­pelt. Und einen sonst von Archi­tek­ten zum Modell­bau benutz­ten Kunst­stoff­schaum ver­wen­det er für ein grob gezim­mer­tes Regal. Das niederländische Design-Kol­lek­tiv «Droog» setzt eben­falls auf Alt­papier für eine Anrichte, aber auch auf Holz und Beton.

Letzteres zählt laut Volker Albus zu den typi­schen Mate­ria­lien der 80er Jahre. Keine allzu große Über­raschung also, dass sich auch der heutige Design-Nach­wuchs mit Beton aus­ein­ander­setzt. «Simply con­crete» heißt etwa ein Projekt an der Hoch­schule für Kunst und Design in Halle. Ein Semes­ter lang beschäftigten sich 14 Stu­den­ten mit dem Mate­rial und schufen ganz unter­schied­liche Objekte vom Bett über einen Schreib­tisch bis zum Wasch­tisch. Dabei zeigen sie, dass Beton kei­nes­wegs grau und trist sein muss, wenn er zum Bei­spiel mit bunt lackier­tem Stahl kom­biniert wird.

Wobei Buntes nach wie vor die Domäne der Ita­lie­ner ist. Von einer «stärkeren Ver­spielt­heit mit den ent­spre­chen­den Farben» spricht etwa Brit Dieck­voss von der Fach­zeit­schrift «Möbel­kul­tur». Ob aus Kunst­stoff oder aus Leder, kräftiges Rot, Blau, Gelb und Grün setzen neue Ein­rich­tungs­akzente - so etwa der «Vertigo Table» von Moroso oder die von einer Sanduhr inspi­rier­ten «Buddy»-Bei­stell­tische vom Her­stel­ler Molteni.

Nur eine Farbe ist vielen Designern aller­dings nicht genug. Selbst im geho­benen Bereich wird gerne wild kom­biniert, etwa bei der Kommode «Pae­saggi ita­liani» von Edra. Gele­gent­lich wirkt das Ergeb­nis so, als seien auf dem Floh­markt gefun­dene Ein­zelstücke zusam­men­gefügt worden - wie beim «sistema»-Regal von Cap­pel­lini zum Bei­spiel.

«Daneben ist aber auch viel Gold und Glanz oder eben Schwarz und Weiß zu sehen», sagt Brit Dieck­voss. «So viel Edel­stahl und so viele Schwarz-Weiß-Kom­bina­tio­nen habe ich schon lange nicht mehr gesehen», beschreibt auch Geis­mann ihre Eindrücke von der Mailänder Möbel­messe.

Damit meldet sich die dezente Variante der 80er Jahre zurück. Typisch dafür sind Sofas mit gerad­lini­gem Stahl­gestell und weichen Kissen wie beim Unter­neh­men MDF aus Italien. Avant­gar­dis­tischer ist das «Skin»-Sofa von Molteni, bei dem geritz­tes Leder in schwarz oder weiß auf einen Stahl­rah­men gespannt ist.

Warum gerade jetzt so viele Krea­tive auf den Zug in die jüngste Ver­gan­gen­heit auf­sprin­gen - darüber sind sich die Exper­ten nicht einig. «Früher war alles ein­facher und klarer. Dieses Lebens­gefühl will man auch mit den Möbeln zurückholen», sieht Ursula Geis­mann als einen Aspekt. Gleich­zei­tig gebe es einen Wunsch nach Wer­tig­keit. Brit Dieck­voss beur­teilt das Revival wesent­lich nüchter­ner: «Die 50er und 60er Jahre sind einfach schon rauf und runter neuin­ter­pre­tiert worden - jetzt sind eben die 80er Jahre dran.»

Infor­matio­nen des Ver­bands der Deut­schen Möbel­indus­trie (VDM): www.wohn­infor­mation.de

Projekt «Simply con­crete» an der Hoch­schule für Kunst und Design in Halle: www.simply-con­crete.de

Online-Angebot der Fach­zeit­schrift «Möbel­kul­tur»: www.moebel­kul­tur.de Von Sandra Cantz­ler, dpa

dpa-infocom


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