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Steiner: «Gold zuallererst für meine Frau»

Peking - Der stärkste Mann der Welt wurde bei seinem Sieg ganz schwach.

Als Gewichtheber Matthias Steiner die olympische Goldmedaille auf dem Siegerpodest entgegennahm, streckte er das Foto seiner Frau Susann empor, die vor gut einem Jahr bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war.

«Sie war auch heute bei mir. Sie begleitet mich immer. Ich hoffe, sie hat mitgekriegt, wie ich auf dem Podium stand», sagte der Superschwergewichtler aus Chemnitz. «Ich habe für alle Gold geholt: für meine Familie und Freunde, für Deutschland - und zu allererst für meine Frau.»

Wenige Minuten zuvor war der gebürtige Österreicher, der seit dem 2. Januar dieses Jahres Deutscher ist, wie ein Irrwisch über die Gewichtheber-Bühne gesprungen, hatte sich dabei seinen Heberanzug von den breiten Schultern gerissen und auf den Bundesadler auf dem darunterliegenden T-Shirt gezeigt. Sechs Tage vor seinem 26. Geburtstag schaffte Steiner, was vor ihm noch kein deutscher Superschwergewichtler vollbracht hat: Gold im olympischen Zweikampf. «Das reißt mir fast die Brust auseinander. Ich bin total stolz», jubelte Bundestrainer und Sportdirektor Frank Mantek. «Ich habe schon viel erlebt, aber das hat dem Fass den Boden ausgeschlagen.»

Steiner konnte es nicht fassen. «Ich kann's nicht erklären. Wahnsinn, einfach Wahnsinn», stammelte der 145-Kilo-Recke und wurde zur Doping-Kontrolle geführt. Mantek fiel erst seinem Athleten um den Hals und anschließend auf die Bühne, die er stürmisch küsste. Auch Michael Vesper, Chef de Mission der deutschen Athleten in Peking, kam aus dem Staunen nicht heraus: «Grandios, Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn. Das ist ein Siegertyp. Er war mit Silber nicht zufrieden.»

Vier Jahre zuvor bei den Spielen in Athen noch Siebenter mit 405 Kilogramm in der leichteren Klasse bis 105 Kilo, bewies der gelernte Installateur einen beachtlichen Qualitätssprung und unglaubliches Selbstbewusstsein. Als er mit 451 Kilogramm Silber im Zweikampf sicher hatte, ging er aufs Ganze und packte unglaubliche zehn Kilo im Stoßen drauf. Steiner: «Ich wusste, ich habe Silber sicher. Mir gefällt Gold aber besser.»

Kaum einer hatte ihm die Steigerung zugetraut. Steiner wuchtete die Last unter dem tosenden Beifall der 6000 Zuschauer in die Höhe und schob sich um ein Kilo am führenden Russen Jewgeni Tschigischew vorbei. «Immer mit zehn Kilo Vorsprung zu gewinnen, ist doch langweilig.» Tschigischew zeigte Größe. «Wir sind alle Sportsleute und deshalb kann ich damit leben, Zweiter geworden zu sein.»

Steiners Eltern verfolgten den Wettkampf auf der Tribüne. «Ich bin stolz, dass er Deutscher ist. Wenn er in Österreich geblieben wäre, hätte er in der schwächeren Gruppe starten müssen», sagte Vater Fritz mit zittriger Stimme. Seine Ehefrau schwärmte: «Er fasziniert mich: Wenn Matthias sich etwas vornimmt, dann setzt er das auch um.»

Drei Jahre hatte Steiner auf internationale Wettkämpfe verzichten müssen, weil der deutsche Pass auf sich warten ließ. Dass er als Diabetiker und beinahe Drei-Zentner-Mann nicht wie seine Nationalmannschaftskollegen in die Sportfördergruppe der Bundeswehr aufgenommen wurde, enttäuschte ihn zwar, beeinträchtigte seine sportlichen Zielstellung aber nicht. «Er hat noch nie nach Geld gefragt», berichtete Mantek.

«Ein Olympiasieg hätte unserem Team gut getan», meinte der österreichische Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka, der ein offenes Gratulationsschreiben an Steiner schickte: «Schade, dass heute nicht die rot-weiß-rote Flagge hinter Matthias Steiner aufgezogen wurde, als er die Goldmedaille überreicht bekam», bedauerte Lopatka den Nationenwechsel des neuen Olympiasiegers. Von Franko Koitzsch und Gerald Fritsche, dpa

dpa-infocom