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Erste «Heuler» Niedersachsens wieder in Freiheit

Norden/Norderney - Sandbank statt Kunststoffbecken: Nach rund drei Monaten mühevoller Aufzucht in der Seehundstation Norddeich sind die ersten drei «Heuler» dieser Saison am Mittwoch zurück in die Freiheit gelangt.

Zwei Boote brachten «Jakob», «Emil» und «Eddy» an die Ostseite der Nordseeinsel Juist. Die Fahrt über hatte das Trio in geflochtenen Weidenkörben ausgeharrt. Im flachen Wasser vor Juist angekommen, hievten drei Mitarbeiter der Station die knapp 30 Kilogramm schweren Tiere über Bord.

«Jakob», «Emil» und «Eddy» wurden aus ihren Kisten in einen kreisrunden Zaun gesetzt, den Tierpfleger Tim Fetting (28) auf ein Kommando hin entfernte. In der Brandung schaute einer von ihnen noch einmal zurück. Dann verschwanden die Tiere in den Wogen. Nicht weit hinter ihnen streckten ihre ersten in Freiheit lebenden Artgenossen die Köpfe aus dem Wasser - ganz so, als beobachteten sie das Spektakel.

Rund 500 Kilogramm Fisch haben «Jakob», «Emil» und «Eddy» während ihrer Zeit in der Aufzuchtstation vertilgt. Nun können sie von ihrem Speck erst einmal zehren. Um reichlich Beute zu machen, haben Seehunde im Lauf der Evolution beste Voraussetzungen entwickelt. Die Tiere können nach Angaben des Biologen Armin Maywald in ihrem Blut dreimal so viel Sauerstoff aufnehmen wie der Mensch. Beobachtungen hatten ergeben, dass ein Seehund 18 Stunden am Stück auf Jagd war und dabei an der Oberfläche nie länger als vier Minuten verschnaufte.

Ein wahres Wunder sind die Schnauzhaare der Seehunde. Sie können die Wasserwirbel schwimmender Fische ertasten. Experte Maywald berichtet, dass Seehunde einem Fisch noch nachspüren können, auch wenn dessen Spur schon drei Minuten alt ist. 180 Meter Verfolgung seien für Seehunde kein Problem, hatten Forscher an der Ruhr- Universität in Bochum herausgefunden. So erkläre es sich sogar, dass erblindete Seehunde wohlgenährt bleiben und sich weiter paaren.

«Die Chancen stehen gut, dass die drei überleben. Die Aufzucht hat die Instinkte der Tiere nicht beeinträchtigt. Seehunde sind Individualtiere, sie haben keine feste Sozialstruktur», sagte Peter Lienau, Geschäftsführer der Seehundstation. Dennoch müssen die drei jungen Tiere, die im Frühsommer verlassen von ihren Müttern an Stränden oder auf Sandbänken entdeckt worden waren, sich nun erst an einen für sie ungewohnten Lebensraum gewöhnen. «Den Konkurrenzdruck beim Fressen hatten sie zum Schluss auch beim Füttern in unserer Station. Sie haben gelernt, schnell zu sein», sagte Lienau. Der Großteil der jährlich zwischen 30 und 60 aufgepäppelten «Heuler» überlebe zurück in der Freiheit. Das bewiesen Transponderchips.

dpa-infocom