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Olympia und Politik am Fahrradstand

Peking - In einer kleinen Straße neben dem Pekinger Arbeiterstadion, wo die Olympia-Fußballer spielen, steht ein mobiler Blechschuppen auf Rädern, mit den chinesischen Zeichen «Fahrrad» und «Reparatur». Es ist das Geschäft von Herr Li Guobao.

Aber es ist mehr als das: Es ist ein Treffpunkt für die Nachbarschaft - einer von den vielen kleinen Plätzen, an denen sich das tägliche Leben in der 17-Millionen-Metropole abspielt und trotz Olympia weiterläuft. «Zehn Jahre bin ich schon hier und daran ändert Olympia auch nichts.»

Während Herr Li sich mit einem Schraubenzieher an einem alten Fahrrad zu schaffen macht, schauen ihn einige ältere Herren über die Schulter. «Das ist unser Hobby. Wir sitzen jeden Tag hier und quatschen», sagt einer, der sich nur als alteingesessenen Pekinger vorstellt. Während Olympia gibt es viel zu bequatschen. «Die Spiele in Peking sind ein einmaliges Erlebnis», sagt der Pekinger. Die drei anderen Herren nicken zustimmend.

«Aber die Regierung hat so viel Geld dafür ausgegeben», entgegnet Herr Sun. Die Millionen hätten auch für Anderes benutzt werden können. Herr Li blickt kurz von seinem Fahrrad auf, sagt dann aber doch nichts und arbeitet weiter. «Die Spiele sind aber toll», wirft der Pekinger ein. Außerdem habe sich so viel verändert. Zum Beispiel sei die Luft viel besser geworden.

Stumm arbeitet Herr Li an dem Fahrrad weiter. Er kenne viele Leute in der Gegend, aber über Politik wolle er nicht reden. Er hört lieber nur zu und freut sich über die Gesellschaft. Jeden Morgen um halb acht beginnt er seine Arbeit. Nach zwölf Stunden ist Schluss. Schließlich müsse er seine Frau und seine beiden Kinder versorgen. Zwei Kinder? In China? Ja, sagt er Sun auf die Nachfrage. Er komme ursprünglich vom Land und da nehme man das mit der Ein-Kind-Politik nicht so genau.

«Ich kann mich nicht beklagen», sagt Herr Sun. Der 35-Jährige kam vor zehn Jahren aus der Provinz Henan nach Peking. Und seit dem repariert er Fahrräder. Immer an derselben Stelle. «Am Ende des Monates bleiben 1700 Yuan (168 Euro) für mich und meine Familie», sagt er. Da sei die Miete und das Bier am Abend aber schon abgezogen, verrät er dann. Eigentlich seien es sogar 3000 Yuan (296 Euro).

Unterdessen diskutieren die älteren Herren weiter über die große Politik: «Ja, unser Präsident Hu Jintao macht wirklich einen guten Job», sagt Sun. Sein Vorgänger Jiang Zemin sei hingegen nicht gut gewesen, findet der 56-Jährige. «Der hat doch nie was gegen die Korruption getan», empört sich der Rentner Sun selbstbewusst über den ehemaligen Staats- und Parteichef. «China hätte die Olympischen Spiele auch ohne ihn bekommen», sagt er dann. Wieder erntet er zustimmendes Nicken von den anderen Herren.

«Wir diskutieren nicht, wir reden nur», sagt Sun dann mit kräftiger Stimme. Und er habe die Freiheit über alles zu sprechen. «China ist ein freies Land», sagt er und blickt seinen Gesprächspartnern in die Gesichter. «Jedenfalls solange man nicht die Partei in Frage stellt», sagt der 56-Jährige und beginnt zu lachen. Grinsend schwingt er sich auf sein Fahrrad und verabschiedet sich. Er habe noch etwas zu erledigen. Morgen sei er aber wieder da, am Fahrradladen von Herrn Li. Von Stephan Scheuer, dpa

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