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Maastricht vereint das Beste aus Europa

Maas­tricht In Maas­tricht gibt es keine Tul­pen­fel­der, keine Windmühlen und keine Kanäle.

Wer Holland pur sucht, ist hier fehl am Platze. Aber die südlichste Großstadt der Nie­der­lande lohnt aus einem ganz anderen Grund einen Besuch.

Denn sie ist eine Stadt auf der Naht­stelle europäischer Kul­turen. Der Geburts­ort des Euro vereint französische Küche, rhei­nischen Froh­sinn und bur­gun­dische Lebens­art. Maas­tricht liegt als Enklave zwi­schen Deutsch­land und Belgien. Es ist 20 Minuten von Aachen und eine gute Stunde von Köln ent­fernt, aber auch nur 20 Minuten von Lüttich in Belgien, wo Französisch gespro­chen wird, und gut ein­ein­halb Stunden von Brüssel. In der Stadt herrsch­ten mal Deut­sche, mal Fran­zosen, mal Spanier, und alle hin­ter­ließen Spuren. Mit dem Rhein­land ver­bin­det die Maas­trich­ter zum Bei­spiel der gleiche Sings­ang im Dialekt. Hin­weis­schil­der der Uni­ver­sität wie­derum sind nur auf Eng­lisch, denn fast die Hälfte der 12 000 Stu­den­ten kommt nicht aus den Nie­der­lan­den.

«Für Niederländer ist Maas­tricht schon Ausland», sagt Ste­pha­nie Hame­leers vom Frem­den­ver­kehrsbüro. Und das liegt nicht nur an der hügeligen Umge­bung. «Maas­tricht ist bur­gun­disch» - das bedeu­tet zum Bei­spiel, dass die Ein­woh­ner deut­lich mehr wert auf gute Klei­dung legen als die für ihr Under­state­ment bekann­ten Cal­vinis­ten im Norden.

Die Restaurant-Szene ist so vielfältig, dass Maas­tricht als kuli­nari­sche Haupt­stadt der Nie­der­lande gilt. Die Preise sind ent­spre­chend gesal­zen, aber es muss ja nicht unbe­dingt ein Ster­nekoch sein. Die besten Pommes frites etwa gibt es bei «Friture Reitz» am Markt, leicht zu erken­nen an der langen War­teschlange.

Mit dem EU-Vertrag von Maas­tricht wurde die Stadt 1992 auf einen Schlag welt­bekannt, was viele inter­natio­nale Insti­tute, Unter­neh­men und Orga­nisa­tio­nen anlockte. Auch als Kon­ferenz- und Mes­sestadt hat Maas­tricht einen großen Auf­schwung erlebt. Die «Euro­pean Fine Art Fair/TEFAF» etwa ist eine der bedeu­tends­ten Kunst­mes­sen der Welt.

Maastrichts größter Trumpf ist sein Alt­bau­bestand mit Tau­sen­den denk­mal­geschützten Gebäuden, deren Archi­tek­tur teil­weise mehr an Frank­reich als an Holland erin­nert. Auch heißt es von Maas­tricht, es gebe für jeden Sonntag des Jahres eine andere Kirche. Manche dient inzwi­schen nicht mehr als Got­tes­haus: Die goti­sche Kruis­heren­kerk etwa wurde zu einem Luxus­hotel mit Glasauf­zug im Kir­chen­schiff und rotem Plüsch im Altar­raum. Eine Kirche in der Bon­nefan­ten­straat dient der Uni­ver­sität als Hörsaal. Und die 800 Jahre alte Domi­nika­ner­kir­che ist zu einer Buch­hand­lung gewor­den, die von der bri­tischen Zeitung «The Guar­dian» zur schönsten der Welt aus­geru­fen wurde.

Typisch für Maas­tricht sind die hohen Satteldächer: Sie rühren daher, dass früher jeder Bürger ver­pflich­tet war, Vorräte für eine mehr­mona­tige Bela­gerung im Haus zu haben. Zu den wich­tigs­ten Attrak­tio­nen der Stadt gehört außerdem eine Besich­tigung des unter­irdi­schen Gänge­laby­rinths, durch das sich die Ein­woh­ner während einer Bela­gerung dem Feind nähern und ihn über­raschen konnten. Die Führungen durch die Kase­mat­ten mit Kup­pel­gewölben, Pul­ver­kam­mern und bom­ben­siche­ren Ver­ste­cken gibt es aller­dings nur auf Niederländisch.

Das Rathaus von 1665 auf dem Marktplatz besteht aus zwei völlig iden­tischen Hälften. Die geschwun­gene Haupt­treppe führt links in den her­zog­lich-bra­ban­tischen - sprich niederländi­schen - Trakt und rechts in den fürst­bischöflich-lüttichen, womit die französisch­spra­chige Ein­fluss­sphäre zu ihrem Recht kommt. Den Turm baute ein Deut­scher, Flamen lie­fer­ten Wand­tep­piche, Ita­lie­ner den Deckens­tuck, Fran­zosen das Mobi­liar - Maas­tricht war sich seiner Grenz­lage immer bewusst.

Freitags ist das Rathaus umgeben mit Marktständen. Gerade dann sind viele Deut­sche und Belgier in der Stadt. Auch sams­tags bummeln viele Besu­cher aus Aachen, Köln oder dem Ruhr­gebiet durch die dann fast über­volle Innen­stadt. Bei Son­nen­schein sitzt alles draußen, etwa auf dem Vri­jthof, einem alten Platz über einem römischen Gräberfeld. Ihn domi­nie­ren der 70 Meter hohe Turm der Johan­nis­kir­che und die älteste niederländische Kirche, die Sankt-Ser­vatius-Basi­lika. Maas­tricht ist noch immer sehr katho­lisch: In der Lieb­frau­enba­silika werden jede Woche 10 000 Kerzen angezündet. Und es ist auch eine Kar­nevals­hoch­burg - wie in Köln spricht man vom «Vas­telao­vend».

Am Ende wird sich mancher Besucher sagen, dass Europa nach dem Maas­trich­ter Vertrag auch das Maas­trich­ter Modell über­neh­men könnte: überall das Gute her­auspi­cken und so die beste aller Welten schaf­fen.

Infor­matio­nen: Niederländi­sches Büro für Tou­ris­mus, Post­fach 27 05 80, 50511 Köln; Telefon: 0221/925 71 70; VVV Maas­tricht, Kleine Straat 1, NL-6211 ED Maas­tricht; Telefon von Deutsch­land: 0031/43/325 21 21.

Frem­den­ver­kehrs­amt Maas­tricht: www.vvv­maas­tricht.nl

Niederländi­sches Büro für Tou­ris­mus: www.nie­der­lande.de Von Chri­stoph Dries­sen, dpa

dpa-infocom