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Termine/Zahlen: Medaillenspiegel

RZ-Kommentar

Sport­liche Höchst­leis­tungs­schau

Volker Boch zu Olympia in Peking


China und der Rest der Welt sind sich durch die Olym­pischen Spiele in Peking etwas näher­gekom­men. Das klingt nach einem mageren Fazit. Es ist aber ein Erfolg ange­sichts der Dis­kus­sion der ver­gan­genen Monate. Wer über die Spiele in Peking spricht, muss nicht ins Schwärmen geraten wie die hohen Herren des Inter­natio­nalen Olym­pischen Komitees. Aber ein bisschen Begeis­terung ist schon erlaubt.

Peking 2008 war eine perfekt orga­nisierte Sport­ver­anstal­tung, die hin­sicht­lich ihrer Wett­kampfstät­ten, Logistik und Sicher­heits­fra­gen optimal vor­berei­tet worden ist. Mit einem riesigen Aufgebot an Helfern war China ein freund­licher, spen­dabler und zuver­läs­siger Gastgeber. Kritiker erkannten in den Spielen eine Ins­zenie­rung, ein künst­liches Schau­spiel, das die chi­nesi­sche Realität über­decken sollte. Das ist nicht falsch, aber wohl nicht unge­wöhn­lich; jedes Aus­rich­ter­land von der­arti­gen Ver­anstal­tun­gen zeigt sein schönstes Lächeln, man denke zurück an die Fußball-WM 2006. Viele der Vorwürfe zu Themen wie Smog, Umwelt, Internet, ja sogar dem Lächeln der Chinesen kamen über einen nebulösen Zustand nie hinaus. Das einzig greifbare Manko in Peking war die Sprach­bar­riere, denn Englisch spricht in China fast niemand.

Die Spiele im Jahr 2001 an Peking vergeben zu haben, war keine falsche Ent­schei­dung. Denn die Dis­kus­sio­nen über Men­schen­rechts­fra­gen, Umwelt, Mei­nungs­frei­heit und Diktatur sind auch in China ange­kom­men. Sie haben mit dazu geführt, dass sich Peking in den olym­pischen Tagen sehr offen, sauber und modern prä­sen­tierte. Dieses Rad werden selbst die dik­tato­rischen Macht­haber nicht mehr so leicht zurück­dre­hen können.

Der Westen hat nach dem Ende der Olym­pischen Spiele nun die Aufgabe, zu kon­trol­lie­ren, was von der Wel­tof­fen­heit bleibt und wie sich China in Umwelt­fra­gen verhält. Im Zwei­fels­fall wäre es ein Leichtes, mit öko­nomi­schem Druck regu­lie­rend nach­zuhel­fen - wenn es denn gewollt ist.

Politisch hat China enormen Bedarf an Ver­bes­serun­gen, sportlich aber ist es der Welt seit diesen Spielen weit vo-raus. Dass die Chinesen den Medail­len­spie­gel anführen, wird vielfach nur mit Doping begründet. Aber ihre Über­legen­heit hat viele Gründe: Kein anderes Land hat so viele Talente, nirgendwo sonst wird so intensiv in die Sport­ent­wick­lung inves­tiert. In Deutsch­land fehlen ent­spre­chende Konzepte, statt­des­sen verlegen sich die Verbände aufs Medail­lenzählen.

Peking 2008 hat aber auch das weltweite Sport­sys­tem infrage gestellt. Immer extremere Leis­tun­gen bei immer kom­mer­ziel­leren Spielen geben Anlass dazu, dringend eine Rich­tungs­ände­rung vor­zuneh­men. Dies ist die eigent­liche Botschaft aus China: Die Olym­pischen Spiele sind längst nicht mehr ein fröh­liches Treffen der Jugend der Welt, sondern eine sport­liche Hoch­leis­tungs­schau.

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