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Schule für Hochbegabte: Unterricht auf Höchstniveau

Schwäbisch Gmünd (dpa) - Vorsichtig und leise kichernd stülpen rund 15 Neuntklässler Kondome über vor ihnen liegende Bananen.

Auf Englisch erklärt einer der Schüler, wie die Jungen und Mädchen die Präservative richtig benutzen.

Es ist eine ganze normale Biologiestunde zum Thema Aufklärung an einem Gymnasium. Einziger Unterschied: Die Schüler dieser neunten Klasse sind hochbegabt und haben einen Intelligenzquotienten von mindestens 130. Dennoch müssen auch sie Alltägliches lernen. Denn: «Hochbegabte Kinder sind zuallererst einmal Kinder», erklärt die Leiterin des Landesgymnasiums für Hochbegabte in Schwäbisch Gmünd (LGH), Annette Baronin von Manteuffel.

Das LGH ist eine Versuchsschule in Baden-Württemberg. «Wir sind da, um herauszufinden, wie Hochbegabte am besten gefördert werden können», sagt von Manteuffel. Die 35 Lehrer und zwei Psychologen entwickeln Konzepte, mit denen andere Schulen arbeiten können. In Schwäbisch Gmünd im Osten des Bundeslandes lernen die rund 200 Hochbegabten den gleichen Unterrichtsstoff wie alle anderen Schüler in Baden-Württemberg - nur in einer kürzeren Zeit.

«Der Unterricht ist auf einem ganz anderen Niveau», sagt von Manteuffel. Der stellvertretender Schulleiter, Thomas Schödel, fügt hinzu: «Übungen sind zum Beispiel etwas, was Hochbegabte wenig herausfordert.» Sie müssten geschickt verpackt werden und dürften kein stupides Wiederholen sein.

Deswegen lehnt von Manteuffel auch bislang eine sogenannte Einheitsschule, in der Schüler von der Einschulung bis zur 10. Klasse eine gemeinsame Schule besuchen sollen, ab. «Eine Einheitsschule, in der jeder Schüler das Seine bekommt und auch Minderheiten Gleichgesinnte finden, ist wunderbar.» Bis dahin müsse aber eben erforscht werden, welche Förderung diese Minderheiten brauchen.

Die LGH-Lehrer müssen vor allem fachlich kompetent sein. Wer nur aus Verlegenheit Lehrer geworden sei, habe in Schwäbisch Gmünd keine Chance, sagt von Manteuffel. Auch Flexibilität sei wichtig. «Wir haben viele Kinder, die außerhalb der Norm sind. Da müssen Lehrer auch außerhalb der Norm denken.»

Der Biologielehrer Ulf Kuschl ist seit der Gründung des LGH im Jahr 2004 dabei. «Man muss sich bewusst sein, dass es Situationen gibt, auf die man nicht vorbereitet ist», erklärt er das Unterrichten von Hochbegabten. «Man darf aber keine Panik haben. Man muss nicht immer alles besser wissen.» Außerdem erklärt die 15-jährige Erika: «Hochbegabt sein hat nichts mit Wissen zu tun.»

Die jüngsten Kinder sind gerade einmal zehn Jahre alt, wenn sie ans LGH kommen. Im nächsten Schuljahr wird eine Elfjährige in die zehnte Klasse aufgenommen. Alle treiben die gleichen Gründe nach Schwäbisch Gmünd: Sie leiden an ihren alten Schulen unter sozialer Isolation und Unterforderung. «Hochbegabt sein ist nach wie vor etwas Befremdliches», sagt Schödel.

«Das sind schon Schicksale, die da kommen», erklärt die Schulleiterin. Jungen fielen häufig auf, weil sie unruhig seien und stören. Mädchen hingegen seien innerlich angespannt und verschlechtern ihre eigenen Ergebnisse. Ein Hochbegabter muss daher nicht unbedingt ein Einser-Schüler sein.

Bevor die Schüler an der staatlichen Schule aufgenommen werden, müssen sie ein Motivationsschreiben verfassen. Danach werden sie zu einem Projektwochenende eingeladen, denn die zukünftigen LGH-Schüler müssen auch teamfähig sein; alle Schüler der Schule leben im dazugehörigen Internat und erfahren hier oft das erste Mal ein Gemeinschaftsleben. Der erste Abiturjahrgang machte im vergangenen Jahr den Abschluss - mit einem Notendurchschnitt von 1,5. Am LGH sei es schwer, gute Noten zu bekommen, sagt von Manteuffel. «Wo man mit vielen Guten zusammen ist, ist ein Guter unterlegen.»

Weitere Infos zum Landesgymnasium für Hochbegabte: www.lgh-gmuend.de Von Berit Schmit, dpa

dpa-infocom


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