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Chaos bei Hochschulzulassung: ZVS lebt wieder auf

Berlin Die Hochschulen feierten das politische gewollte Siechtum der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) «als Befreiung von staatlicher Gängelung». Doch das seit vier Jahren geltende Studentenauswahlrecht der Hochschulen führte ins Chaos.

Unbesetzte Studienplätze selbst in Mangelfächern mit Numerus Clausus durch Mehrfachbewerbungen wie -Zulassungen, aufwendige Nachrückverfahren während der schon laufenden Vorlesungszeit, bürokratischer Mehraufwand für Hochschulen wie für gestresste Abiturienten. Jetzt soll ausgerechnet die ungeliebte ZVS im 35. Jahr ihres Bestehens für Abhilfe sorgen - das Comeback einer bereits totgesagten Institution.

Dabei waren die Probleme beim neuen Zulassungsrecht von Anfang an absehbar: Weder waren die Hochschulen auf die Selbstauswahl und die damit verbundenen Möglichkeiten vorbereitet, noch die Abiturienten ausreichend informiert. Fast 18 Monate - bis Dezember 2007 - rang die Kultusministerkonferenz (KMK) um den Entwurf eines neuen Staatsvertrages zur Hochschulzulassung, der jetzt noch von 16 Landesparlamenten abgesegnet werden muss. Danach soll die ZVS in Dortmund mit ihrem zentralen Computer und ihren 110 Mitarbeitern in eine «Stiftung für Hochschulzulassung» und in eine Servicestelle für Hochschulen wie für Bewerber umgewandelt werden.

Still und heimlich einigten sich im Juni KMK und Hochschulrektorenkonferenz (HRK), auf deren Drängen hin das neue Auswahlrecht so überhastet eingeführt worden war. Heute räumt die HRK selbst «chaotische Zustände» bei Studienzulassung ein. Internen Schätzungen zu Folge bleiben derzeit bundesweit fast 15 Prozent aller Studienplätze in Numerus-clausus-Studienplätzen unbesetzt.

Für Rechtsanwälte ist das ein boomender Markt. Das Bundesverfassungsgericht hat seit 1970 in 29 nahezu gleichlautenden Urteilen den Hochschulen die «erschöpfende Auslastung» ihrer Kapazitäten auferlegt - unter Berufung auf den grundgesetzlich geschützten freien Zugang zum Beruf. Der Deutsche Hochschulverband schätzt, dass pro Jahr inzwischen 20 000 der rund 350 000 Neueinschreibungen mit Hilfe von Klagen vor Verwaltungsgerichten erfolgen. Unter Abiturienten machen Hitlisten mit angeblich besonders erfolgreichen Anwälten die Runde. Kosten für den Wunschstudienplatz: ab 3000 Euro. Bei 5000 Euro Pauschalhonorar kann man oft auch eine Erfolgsgarantie aushandeln.

Früher verteilte die ZVS pro Jahr rund 300 000 Bewerber auf die 250 gefragtesten Studiengänge - quer durch Deutschland. Der Abiturient schickte die Bewerbung mit seinen Wünschen direkt an den zentralen Computer in Dortmund. Heute bewirbt er sich dagegen in den meisten Fächern unmittelbar bei der Hochschule selbst. Doch wer auf Nummer sicher gehen will, dass er auch eine Zulassung bekommt, tut dies zugleich an mehreren Orten - was die bekannten Probleme schafft. Immer mehr Fächer sind in den vergangenen Jahren aus dem zentralen ZVS-Verfahren herausgefallen. Heute verteilt die ZVS nur noch die Studienplätze in Medizin und Pharmazie, sowie in den wenigen Diplom-Studiengängen für Biologie und Psychologie, die noch nicht auf die Bachelor- und Masterabschlüsse umgestellt sind.

Ab dem Wintersemester 2009/2010 soll das wieder anders werden. Dann können sich die Abiturienten bei einem Online-Portal direkt bei der ZVS bewerben - oder auch bei der Hochschule ihrer Wahl. Diese leitet die Informationen dann automatisch an den ZVS-Computer weiter. Erteilt die Hochschule die Zulassung und stimmt der Abiturient dann zu, wird er für weitere Zulassungen an anderen Hochschulen gesperrt.

Doch bei der Sache gibt es noch ein Problem. Die Teilnahme am ZVS-Verfahren wird den Hochschulen vorerst freigestellt, weil sich die Kultusminister nicht auf ein verbindliches Verfahren einigen konnten. Der nordhrein-westfälische Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) setzt dennoch auf die Einsicht der Hochschulen, dass sie das neue ZVS-Verfahren geschlossen nutzen. Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD), verlangt dagegen bundesweit einheitliche Hochschul-Zulassungsregeln durch den Bund, was ihm die Länder bei der Föderalismusreform auch ausdrücklich zugestanden haben. Von Karl-Heinz Reith, dpa

dpa-infocom


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