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Die Sprache Dementer kann man lernen

Frank­furt/Main Demente Men­schen sind eine enorme Belas­tung für Pfle­gende.

Sie können sich nur noch schwer ausdrücken - und was man zu ihnen sagt, ver­ste­hen sie oft nicht.

Diese Kommunikationsdefizite haben bis­wei­len lebens­bedroh­liche Folgen. Zum Bei­spiel, wenn dem Demen­ten unter­stellt wird, er wolle nichts mehr essen, obwohl er sich nur nicht mit­tei­len kann. Pro­gramme wie «TanDem» helfen Pfle­gen­den, die «Sprache» des Demen­ten zu erler­nen.

«Es gibt keine Nah­rungs­ver­wei­gerung bei Men­schen mit einer schwe­ren Demenz», sagt Prof. Ruth Schwerdt, vom Hes­sischen Insti­tut für Pfle­gefor­schung. In einer Studie der Fach­hoch­schule Frank­furt, für die reale Szenen aus der Pflege gefilmt und aus­gewer­tet wurden, habe es kein ein­ziges Anzei­chen dafür gegeben. Was fälsch­licher­weise als Wei­gerung zu essen gedeu­tet wurde, waren aus­sch­ließlich Kom­muni­kati­ons­pro­bleme: «Die Signale, die die zu Pfle­gen­den gesen­det haben, wurden von den Pfle­gen­den nicht ver­stan­den und umge­kehrt.» Zum Bei­spiel kann ein Mensch mit Demenz einen Löffel in einer trüben Suppe womöglich nicht mehr als Ess­werk­zeug erken­nen. Der Pfle­gende hin­gegen ver­steht nicht, dass den Mund weit zu öffnen ein Aus­druck von Durst sein kann. Oder er ist mit seinen Hand­lun­gen einfach zu schnell, als dass der Demente ihm folgen kann.

«Das Essen bewusst zu verweigern , setzt ja voraus, dass ich einen Willen habe, Hand­lungs­alter­nati­ven und Kon­sequen­zen kenne und mich dann ganz bewusst ent­scheide. Aber diese Fähig­kei­ten haben schwer Demenz­kranke ja ver­lernt», erklärt Schwerdt, die selbst zehn Jahre in der Pflege gear­bei­tet hat. Dies alles gelte es zu beden­ken, bevor man eine Ernährung mittels Magen­sonde (PEG) erwäge: «Es gibt viele Möglich­kei­ten, pfle­gerisch ein­zugrei­fen, bevor man eine PEG legt. Das ist das aller­letzte Mittel und im Spätsta­dium der Demenz auch wenig hilf­reich.» Eine PEG-Sonde sei oftmals eher eine Hilfe für die Pfle­gen­den und nicht unbe­dingt für die zu Pfle­gen­den.

Der Frank­fur­ter Geron­topsych­iater Prof. Johan­nes Pantel kri­tisiert, dass Demente viel zu selten ent­spre­chende Medi­kamente, soge­nannte Anti­demen­tiva, bekom­men. In einer von ihm gelei­teten Studie zur Medi­kamen­ten­ver­gabe in Alten­hei­men waren zwar 50 Prozent der Pati­enten ver­wirrt, es bekamen aber nur durch­schnitt­lich 15 Prozent Anti­demen­tiva. Vor allem bei begin­nen­der Ver­wirrt­heit würden sie gut helfen und könnten zum Bei­spiel den Ein­tritt in ein Pfle­geheim «um min­des­tens ein Jahr» auf­schie­ben.

Den Grund für die Zurückhaltung bei der Ver­ord­nung sieht Pantel bei den Ärzten und bei den Kassen: Erstere seien oft skep­tisch, ob diese früher als unwirk­sam kri­tisier­ten Medi­kamente tatsächlich wirken. Dies haben Pantel zufolge aber viele Studien bewie­sen. Kassen seien oft zurückhal­tend wegen der hohen Kosten, wes­wegen Pantel hierin «eine ver­steckte Alters­dis­kri­minie­rung» wittert.

Pantels Kol­legin Julia Haber­stroh hat ein Trai­nings­pro­gramm für Angehörige und Pfle­gepro­fis ent­wickelt, die alters­ver­wirrte Men­schen pflegen. «TanDem» steht für Trai­ning für Angehörige von Demenz­pati­enten und ist «eine Kom­bina­tion aus exper­ten­gelei­tetem Trai­ning und Selbst­hil­fegruppe», wie die Psy­cho­login erläutert. «Es geht darum, die Kom­muni­kation mit dem demen­ten Men­schen zu ver­bes­sern.» Die Pro­bleme: Dem Kranken fehlen die Worte, wenn er etwas sagen will. Er ver­steht kom­plexe Sätze nicht mehr. Er kann keine neuen Infor­matio­nen behal­ten.

In dem Training geht es darum , die Stärken aus­zunut­zen, über die der alte Mensch noch verfügt. «Jede Infor­mation hat zwei Seiten», erklärt die Psy­cho­login: Einen Inhalts-Aspekt und ein Bezie­hungs-Aspekt. «Bei Demen­ten ist nicht die inhalt­liche Bot­schaft das Ent­schei­dende, sondern die Bot­schaft zwi­schen den Zeilen.» Und die nähmen sie so gut wahr wie Gesunde, wenn nicht besser. Dem stimmt auch Prof. Schwerdt zu: «Men­schen mit Demenz haben emo­tio­nal eine ganz feine Antenne. Sie sind emo­tio­nal oft kom­petenter als wir.»

«Demente kann man nicht anlügen», erklärt Haber­stroh: Knurrt der Pfle­gende zähne­knir­schend «Aber ich hab Dich doch lieb», hört der Demente dennoch heraus: «Du nervst.» Diese Stärken gelte es zu nutzen, um die Kom­muni­kation wieder in Gang zu bringen. Kann der Demente nicht mehr gut spre­chen, kann er aber viel­leicht etwas singen und damit seine Stim­mung ausdrücken. Auch in die Hände zu klat­schen sei oft als Gesprächs­beginn gemeint.

Immerhin ist der Umgang mit Demenz­kran­ken viel besser gewor­den als in den 80er Jahren, findet die Pro­fes­sorin vom Hes­sischen Insti­tut für Pfle­gefor­schung. Damals habe man «ganz schlimme Fehler gemacht». Man habe Men­schen mit Demenz in soge­nannte «Realitätsori­entie­rungs­trai­nings» gesteckt, in denen sie wie kleine Kinder nach­spre­chen mussten, wie alt sie sind oder welcher Tag heute ist. «Das war oft kränkend und beschämend.» Inzwi­schen habe sich eine «wertschätzende Haltung» diesen Pati­enten gegenüber durch­gesetzt, mit der ver­sucht wird, je Kom­peten­zen zu stärken, die den Demen­ten geblie­ben sind.

Hes­sisches Insti­tut für Pfle­gefor­schung: www.hessip.de Von Sandra Trauner, dpa

dpa-infocom


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