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«Cloverfield»: Horrorfilm-Experiment auf DVD

Hamburg «Cloverfield» ist mal ein ganz anderer Katastrophenfilm.

Ein gigantisches Monster überfällt New York - und wir erleben das nur über die verwackelten Aufnahmen einer Amateurvideokamera - den ganzen Film lang.

Was ein gewagtes Experiment im Reality-Kino ist, kann zugleich zu einer harten Probe für die Zuschauer werden. Alle kennen von Familienfesten oder Urlaubsvideos diese wirren, wild herumtanzenden Bilder. Fast 90 Minuten davon haben manchen US-Zuschauer den Inhalt seines Magens wiedersehen lassen, einige Kinos brachten Schilder an, die vor Übelkeit und Kopfschmerzen warnen. Realismus hat eben seinen Preis.

Die Geschichte fängt an mit einer ganz gewöhnlichen Party junger Leute. Rob geht für einen neuen Job nach Japan. Seine Freunde machen eine Feier, einer soll mit der Videokamera Abschiedsgrüße filmen. Man muss also erst 20 Minuten Party-Bilder überstehen, bis der erste dumpfe Knall kommt, dann eine Explosion, dann fallen Wolkenkratzer und der Kopf der Freiheitsstatue schlägt in der Straße neben dem Haus ein. Es folgt ein atemloser Lauf durch Manhattan mit der Videokamera, mit allen Elementen, die zu einem Monster-Film dazugehören, beobachtet mit der Kamera eines Augenzeugen.

Aber stopp, der Ansatz kommt einem doch irgendwie bekannt vor. 1999, das unglaubliche Phänomen des «Blair Witch Project»: Vier Studenten, die im Wald Hexenlegenden nachgehen wollen, verschwinden spurlos, der Film ist angeblich ihr später gefundenes Videoband. Obwohl manche «Blair-Witch»-Szenen den Unterhaltungswert eines «Big-Brother»- Außentermins hatten, spielte der Film allein in den USA bombastische 140 Millionen Dollar ein - bei Produktionskosten von lächerlichen 60 000. Der Schlüssel war eine ausgeklügelte Marketing-Kampagne, die leichtgläubigere Zeitgenossen denken ließ, dass sie ein echtes Videoband sehen.

Den «Cloverfield»-Machern waren die Parallelen bewusst. «Es ist wie Godzilla trifft Blair Witch Project», beschreibt Produzent J.J. Abrams, der Mann hinter den TV-Serien «Alias» und «LOST», selbst seinen Film. Und bringt auch gleich das zweite unvermeidliche Stichwort ins Spiel. Er habe bei dem Film viel über die «YouTube-isierung» des Lebens nachgedacht: Auf der populären Video-Plattform im Internet könne man Videos praktisch zu jedem Ereignis finden. Web-Video boomt und Studien sagen voraus, dass bald ein Viertel der konsumierten Unterhaltung von den Internet-Nutzern selbst erstellt werden wird. «Cloverfield» bringt den Trend zur Vollendung.

Der Film mit kaum bekannten Schauspielern (sie sollen ja auch wie Jedermann aussehen) kostete 25 Millionen Dollar - fast alles davon ging für Spezialeffekte drauf. Schon am ersten Wochenende spielte «Cloverfield» fast das Doppelte ein. Das Geheimnis: Eine geschickte Werbe-Kampagne, die das Interesse anheizte. Über keinen anderen neuen Film war in den USA in den vergangenen Monaten so viel gerätselt worden. Erst gab es im Sommer die ersten Kinotrailer mit dem Kopf der Freiheitsstatue - und dabei wurde nicht einmal der Filmtitel genannt, nur der Starttermin im Januar. Dann sickerte durch, dahinter stecke J.J. Abrams, was die Fans von «LOST» aufhorchen ließ. Dann wurden Profile der Filmfiguren im Online-Netzwerk MySpace entdeckt, im Internet kamen immer mehr Spekulationen auf. Details blieben rar, die Spannung wuchs. Bei erster Gelegenheit rannten die Leute ins Kino - zum zweiten Wochenende brachen die Einnahmen und zwei Drittel ein.

Bei den Dreharbeiten stellte man fest, dass es manchmal schwieriger ist, eine Amateuraufnahme nachzuahmen, als einen «ehrlichen» Kinofilm zu filmen, sagt Abrams. Wegen der langen Zeiträume ohne Schnitt mussten die Szenen und die augenscheinlich chaotischen Kamerabewegungen genau choreographiert werden. Und mit dem abgeschlagenen Kopf der Freiheitsstatue beglich Abrams eine Rechnung aus seiner Kindheit. Einst habe ihn das Filmplakat zu John Carpenters Film «Die Klapperschlange» (Original: «Escape From New York») fasziniert, auf dem der Kopf inmitten einer New Yorker Straße lag. «Ich war aber total enttäuscht darüber, dass das Bild im Film nie auftauchte.»

www.paramount.de Von Andrej Sokolow, dpa

dpa-infocom