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Mit dem Schlittenhunden Berlin erkunden

Berlin/Zepernick «Paco rechts! Paco links!» - geschickt dirigiert Daniel Hurst den Leithund seines 28-beinigen Gespanns quer über den Potsdamer Platz in Berlin.

Vor den Augen etlicher Schaulustiger starten die Schlittenhunde an einem Sommertag mit Rollwagen und einer indonesischen Touristin an Bord zu einer Stadtrundfahrt. Seit drei Jahren bietet Daniel Hurst aus Zepernick (Barnim) diese außergewöhnlichen Touren durch Berlin und das Umland an - je nach Wetterlage mit Rollwagen oder Schlitten. Mit seinem Gefährt hebt er sich von Droschken-, Bus-, Velotaxi oder Elektroroller-Fahrten ab, mit denen Touristen ebenfalls die Stadt erkunden können.

Bei Rentnern - der älteste Fahrgast war 80 Jahre alt - seien die Fahrten mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von zehn Stundenkilometern ebenso beliebt wie bei jungen Leuten, sagt der 39-jährige Hurst, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat, nachdem er seine Stelle als Altenpfleger verloren hatte. Der Potsdamer Platz ist für ihn sowohl Ausgangspunkt für Touren als auch Ort für Werbezwecke. Nur zur Zeit der Weihnachtsmärkte ist das Gespann vor dem Schloss Charlottenburg anzutreffen.

Um sich mit dem Schlittenhunde-Taxi nicht durch den Großstadtdschungel kämpfen zu müssen, führt Hurst seine Fahrgäste am liebsten durch den Tiergarten und zeigt ihnen Siegessäule, Brandenburger Tor und Kanzleramt. Im Neuen See lässt Hurst die Hunde außerdem gern zur Erfrischung baden. «Wer ins Hotel zum Zoo oder zum Alex gefahren werden will, den bringen wir auch dort hin», sagt der Musher, wie die Gespannlenker in Fachkreisen genannt werden.

Ein bis zwei Stunden dauern die Touren , die es im Sommer nur morgens und abends gibt. Bei über 25 Grad Celsius lässt Hurst die Schlittenhunde - Huskies und Malamuten - nicht mehr laufen. Während sie an warmen Tagen 20 bis 30 Kilometer pro Tag zurücklegen, können es im Winter gut 150 Kilometer. Der gebürtige Berliner bietet auch im Naturpark Barnim Touren mit seinem Hundegespann an, die dann schon mal einen Tag dauern können. Außerdem ist er in Alten- und Pflegeheimen mit seinen Schützlingen anzutreffen, wo sie für Therapiezwecke eingesetzt werden.

Touristiker sehen das Hunde-Taxi als Bereicherung. So nennt es Christian Tänzler von der Berliner Tourismus Marketing GmbH ein «skurriles Nischenprodukt in der breiten Angebotspalette für Berlin-Touristen». Auch Tierschützer haben keine Bedenken. «Solange die Hunde nicht überfordert sind und sich die Pfoten nicht wund laufen, ist dagegen nichts einzuwenden», sagt die Sprecherin des Berliner Tierschutzvereins, Evemarie König.

Mit seiner Begeisterung für die laufhungrigen und leistungsstarken Hunde, die er seit zwölf Jahre hält, ist Hurst bei weitem nicht allein. 23 Musher-Familien mit mehr als 100 Hunden trafen sich kürzlich zu den 2. Schlittenhundetagen im Wildpark Schorfheide in Groß Schönebeck (Barnim).

In Berlin und Brandenburg gibt es nach Angaben von Wolf-Dieter Polz, Präsident des Sportvereins Reinrassiger Schlittenhunde Deutschland, etwa 25 Teams mit 200 Schlittenhunden, die auch an Rennen teilnehmen. Die nächste Großveranstaltung ist am 1. und 2. November geplant. Dann findet in Großbeeren (Teltow-Fläming) als Saisonauftakt der erste Lauf zu den Norddeutschen Meisterschaften statt. Daniel Hurst jedoch fährt mit seinen Hunden keine Rennen. Sein Hunde-Taxi sei aber deutschlandweit einmalig und ein guter Werbeträger für den Schlittenhundesport, meint Polz.

Hurst, Besitzer von elf Hunden , der es mit seinem Gespann schon bis in den Ural geschafft hat, träumt indes von einer noch weiteren Tour: «Gern würde ich einmal von Berlin nach Sibirien und über die Beringstraße nach Alaska fahren.»

Schlittenhundesportverein: www.schlittenhunderennen.de Von Anja Sokolow, dpa

dpa-infocom