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Musik

Wolfgang Wagners Verdienste werden gewürdigt

Bayreuth Mit den 97. Bayreuther Festspielen geht an diesem Donnerstag nach 57 Jahren auch die Ära von Wolfgang Wagner am Grünen Hügel zu Ende.

Regisseure und Dirigenten bekundeten am Mittwoch großen Respekt vor der Lebensleistung des Richard-Wagner-Enkels, der an diesem Samstag 89 Jahre alt wird. Wagner trug die Verantwortung für mehr als 1700 der bislang 2424 Vorstellungen bei den Festspielen, die sein Großvater 1876 aus der Taufe gehoben hatte. Seit dem frühen Tod seines Bruders Wieland im Jahr 1966 führt der dienstälteste Intendant der Welt die Festspiele allein.

Der gesundheitlich angeschlagene Patriarch tritt zum 31. August zurück. Am kommenden Montag (1. September) will der Stiftungsrat über seine Nachfolge entscheiden. Beworben haben sich Wagners Töchter Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier sowie Wieland Wagners Tochter Nike Wagner mit dem weltbekannten Kulturmanager Gérard Mortier. Nach Ende der «Parsifal»-Vorstellung am späten Donnerstagabend soll es auf der Bühne eine kleine Abschiedsfeier für Wagner geben.

Seine Nichte Nike (63), seit Jahren eine seiner schärfsten Kritikerinnen, bescheinigte ihrem Onkel im Berliner «Tagesspiegel», er habe für die Festspiele «sein Äußerstes getan». Das Blatt hatte zum Abschied Wagners mehrere prominente Zeitzeugen befragt. Wolfgang Wagner habe die fragile Institution zu einem mächtigen Unternehmen gemacht «und dadurch die Anerkennung des Bundes mit Kanzlerin, des Freistaates Bayern, der Stadt Bayreuth mit wechselnden Oberbürgermeistern, eines assistierenden Stiftungsrates, privater Geldgeber und aller Wagner-Vereine dieser Welt gewonnen», erklärte Nike Wagner. «Das kann man nur bewundern.»

«Hügel»-Dirigent Christian Thielemann sieht sich selbst als «Wolfgang Wagners letzte Neuerwerbung», von dem er «unglaublich viel» gelernt habe. «Wolfgang Wagner ist Künstler und Realist, Regisseur und Pfennigfuchser, ein genialer Handwerker, ein bedeutender Mann des Theaters.» Sein Kollege Daniel Barenboim betonte: «Ich habe 18 Jahre lang auf dem Grünen Hügel dirigiert und habe dort wahnsinnig viel gelernt.» Wolfgang Wagner sei der perfekte Intendant gewesen, auch weil er das Schöpferische in jedem Regisseur verteidigt habe.

Regisseur Christoph Schlingensief, der von 2004 bis 2007 in Bayreuth mit seiner umstrittenen «Parsifal»-Inszenierung für Furore sorgte, will Wagner «als liebenswerten Patriarchen in Erinnerung behalten, erstaunlich besessen, erstaunlich tolerant, die künstlerische Freiheit achtend bis zur Schmerzgrenze und darüber hinaus». Er sei «ein fürsorglicher und ein guter Hausvater» gewesen.

«Ring»-Regisseur Jürgen Flimm bescheinigte Wagner, den «klugen Schritt» getan zu haben, das Unternehmen Bayreuth in eine Stiftung zu überführen. Als Intendant habe Wagner mit seiner 2007 gestorbenen Ehefrau Gudrun» immer wieder versucht, «seine Sicht auf die Stücke des Opas durchzudrücken, von Konzeptionsbesprechungen bis in die Proben hinein. Davon können alle Kollegen ein Lied singen. Da waren die Grundsätze eines guten Intendanten, der den Regisseur unterstützt, außer Kraft gesetzt».

Regisseur Hans-Jürgen Syberberg, der ein spektakuläres Filmgespräch mit der 1980 gestorbenen Winifred Wagner, Wolfgangs Mutter, führte, meinte, Wolfgang Wagner sei wohl der Letzte «einer untergehenden Familiengeschichte». Nach seinem Winifred-Film habe er, Syberberg, in Bayreuth ein «passives und aktives Hausverbot total (Karten und Arbeit)» erhalten. Summa summarum aber bescheinigt Syberberg Wagner eine «fränkische Grandezza» und meint: «Seine Figur wird uns fehlen.»

Nike Wagners Mitbewerber Gérard Mortier will unterdessen für ein mögliches Engagement bei den Festspielen nicht auf die für September 2009 vereinbarte Übernahme der Leitung der City Opera in New York verzichten. «Das Bayreuther Festival sollte mit seiner Sechs-Wochen- Saison (plus Proben) nicht meine Arbeit für die New York City Opera beeinträchtigen», erklärte Mortier laut «New York Times» vom Mittwoch. «Im Gegenteil könnte es das internationale Ansehen der City Opera verstärken.»

dpa-infocom