IVWPixel Zählpixel
kalaydo.de kalaydo.de Jobs Auto kaufen Immobilien Kleinanzeigen Bei kalaydo.de inserieren In der Rhein-Zeitung und ihren Heimatblättern inserieren Zeitungsanzeige aufgeben kalaydo.de
RSS  |  Kontakt
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt
Architektur

Sozialsiedlungen: Afrika als Experimentierfeld

Berlin Es war ein gigantischer Spielplatz für Architekten und Stadtplaner: In der Wüste Nordafrikas entstanden in den 50er und 60er Jahren unter französischer Kolonialherrschaft große Wohnsiedlungen und öffentliche Gebäude, die wenig später in den europäischen Großstädte nachgebaut wurden.

«In der Wüste der Moderne» heißt eine Ausstellung, die vom 29. August bis zum 26. Oktober im Berliner Haus der Kulturen der Welt die Entstehung großer Sozialsiedlungen etwa in Casablanca oder Tunis und den Export des Wohnkonzepts nach Europa nachzeichnet.

«Das koloniale Nordafrika war Laboratorium der modernen Architektur und Stadtplanung», sagt die Kuratorin Marion von Osten. Als «Testfall für die Stadt von morgen» galt die marokkanische Stadt Casablanca. Die französische Regierung hatte die Schweizer Architekten André Studer und Jean Hentsch Anfang der 50er Jahre mit dem Sidi-Othman-Projekt beauftragt. Zusammen mit Schülern von Architekturmeister Le Corbusier entwickelten sie die «Cité verticale». Aus acht mal acht Meter großen Wohneinheiten sollte eine «senkrechte Stadt» entstehen, die sie auf den Wüstensand am Rande Casablancas setzen sollten.

Die Zeit drängte: Marokko erlebte gerade den Boom der Industrialisierung - Zehntausende strömten vom armen Inland in die Städte auf der Suche nach Arbeit. Von 1936 bis 1952 verdoppelte sich die Einwohnerzahl Casablancas. Die Wohnprojekte sollten den Neuankömmlingen eine erste Behausung bieten - und vor dem Hintergrund sozialer Unruhen und der Unabhängigkeitskämpfe die Einheimischen streng von der französischen Bevölkerung trennen. Die Architekten zeichneten Pyramiden, Kästen und Zickzack-Bauten, wie sie später auch in Europa kopiert wurden. «Die europäische Moderne wäre ohne Kolonialismus nicht realisierbar gewesen», sagt von Osten.

Ähnliche Projekte entstanden auch in Algier, Oran und Tunis und dienten als Blaupause für den sozialen Wohnungsbau in Europa. Begeistert waren die Architekten vor allem von der Möglichkeit, in einem aus ihrer Sicht leeren Territorium ihre Pläne umsetzen zu können. Schon in den 40er Jahren hatte Le Corbusier mit Unterstützung des französischen Vichy-Regimes den «Plan Obus» für den Bau von Satelliten-Städten in Algier konzipiert.

Die autogerechte Stadt, die erste Tiefgarage und das größte Schwimmbad im amerikanischen Stil wurden für Französisch-Nordafrika geplant - und später etwa in den Vororten von Paris, Brüssel und Berlin nachgeahmt. Zwar hatten die europäischen Architekten sich bei ihren Entwürfen von Lebensgewohnheiten der Menschen Nordafrikas anleiten lassen. Doch bald wurden die Anlagen von ihren Bewohnern verändert und ihrem Alltagsleben angepasst. Nach der Unabhängigkeit wanderten tausende Afrikaner an die Ränder europäischer Städte aus. Sie kamen zunächst in Barackensiedlungen und später in den Wohnkomplexen unter, die sie schon aus ihrer Heimat kannten. Von Esteban Engel, dpa

dpa-infocom