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Analyse: Eiszeit zwischen Telekom und ver.di

Bonn Bei der Deutschen Telekom bahnt sich ein neuer Konflikt zwischen Konzernführung und der Gewerkschaft ver.di an: Der Bonner Konzern will die Zahl seiner Callcenter rigoros zusammenstreichen und zudem weitere Mitarbeiter in den konzerneigenen Niedriglohnbereich T-Service verlagern.

Für ver.di ein «Skandal», wie der zuständige Gewerkschaftsvertreter Ado Wilhelm sagt. «Wir werden nun alle möglichen Maßnahmen prüfen, das kann auch ein neuer Arbeitskampf sein.» Er erinnert damit an den Streik des vergangenen Jahres, mit dem die Telekom-Mitarbeiter die Verlagerung von 50 000 Beschäftigten nach T-Service zu verhindern versuchten. Auch wenn der Protest erfolglos blieb - das Unternehmen war für Wochen gelähmt.

Seit dem Streik herrscht eine Eiszeit zwischen den Arbeitnehmervertretern der Telekom und der Führung um Vorstandschef René Obermann. «Man setzt sich zwar an einen Tisch, allerdings ist das Vertrauen nachhaltig gestört», sagt ein Vertreter der Arbeitnehmer. Das war nicht immer so: Lange Zeit fand die beiden Fraktionen oft auf dem kurzen Dienstweg Kompromisse, um den Abbau von Arbeitsplätzen sozialverträglich zu stemmen. Dies scheint heute nicht mehr möglich. Nach der Streichung von über 120 000 Stellen ist der Spielraum eng geworden - verblieben sind viele unkündbare Beamte.

Für die Konzernführung ist der Personalumbau aber nicht abgeschlossen: Es gebe weiteren Bedarf, sagt Dietmar Welslau, Personalchef der Festnetzsparte T-Home. Die Telekom will daher rund zwei Drittel ihrer Callcenter dichtmachen - nur 24 bleiben erhalten. Geplant ist auch die Verlagerung von weiteren 6000 Technikern in T- Service - dort müssen sie länger arbeiten für weniger Geld. «Ein Skandal», kritisiert auch ver.di-Bundesvorstand Lothar Schröder. Schröder ist zugleich Vize-Aufsichtsrat der Telekom und damit der ranghöchste Gegenspieler von Obermann und Personalvorstand Thomas Sattelberger. Ihn zürnt, dass die Konzernführung ihn nicht frühzeitig in die Pläne eingeweiht hat. Er habe aus der Presse vom Umfang der Einschnitte erfahren, sagt er.

Für den Konzern ist der Umbau unvermeidlich, beteuert Welslau. «Es gibt keine Alternative.» Hintergrund sind die Personalkosten, die um bis zu zwei Milliarden Euro über dem Niveau von vergleichbaren Wettbewerbern wie France Télécom und Telefónica liegen. «Obermann und Sattelberger drücken daher aufs Tempo - mit den Callcentern wird daher nicht Schluss sein», sagt ein Konzerninsider. Mittelfristig würden wohl nur weniger als 100 000 Arbeitsplätze in Deutschland verbleiben - jede dritte Stelle wäre damit gefährdet.

Offiziell äußert das Unternehmen sich nicht dazu. Kein Wunder, denn jedes neue Abbauprogramm wird von massiven Protesten begleitet. Auch das Streichkonzert bei den Callcentern wird nicht ohne Resonanz bleiben. Bürgermeister mehrerer betroffener Kommunen meldeten sich bereits zu Wort: Uli Hess (CDU), Stadtoberhaupt von Meschede, spricht von einer «Entscheidung aus Profitgier». Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen beklagt in einem persönlichen Brief an Obermann den drohenden Verlust von Arbeitsplätzen. Einige Kommunen planen nun, ihre Kräfte zu bündeln, um die Schließung von Standorten zu verhindern. Sie sprechen auch davon, Verträge mit der Telekom zu kündigen.

Bei der Telekom stoßen sie mit ihrem Protest auf taube Ohren. Die Frage ist, ob der Konzern diese Linie durchziehen kann. Im kommenden Jahr ist Bundestagswahl - die Telekom könnte mit ihrem Umbauprogramm dann zwischen die Fronten der Politik geraten. ver.di weiß dies und setzt daher auf öffentliche Proteste. «Wir werden versuchen, die unausgegorenen Pläne der Telekom zu Fall zu bringen», sagt ver.di- Vertreter Wilhelm. Von Martin Murphy, dpa

dpa-infocom


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