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Design-Lauben statt Gartenhaus

Berlin/München Die rot-weiß-gestreifte Fassade hebt sich ab vom Ein­heits­braun der Nach­barhäuschen.

Auch das asym­metri­sche Dach und die große Fens­ter­front wollen nicht so recht in das Bild der Klein­gar­ten­anlage «Am Stein­berg» im Ber­liner Stadt­teil Rei­nicken­dorf passen.

«Gewöhnungsbedürftig» oder «Das gehört hier nicht hin» lau­teten dann auch die Kom­men­tare von skep­tischen Nach­barn, nachdem die Bau­arbei­ter den Blick auf die Desi­gner-Laube von Margrit Behncke frei­gege­ben hatten. Mitt­ler­weile hat sich die Auf­regung aller­dings gelegt. «Jetzt sagen mir viele, wie schön sie den Anblick finden», erzählt die Ber­line­rin.

In den Klein­gar­ten­kolo­nien Deutsch­lands tut sich was. Lange Zeit galten sie als Inbe­griff von spießiger Gleichförmig­keit, jetzt ent­wickeln sie sich zur Spiel­wiese expe­rimen­tier­freu­diger Archi­tek­ten. «Im Schre­ber­gar­ten ist Design gefragt», sagt der Archi­tekt Frank Schönert, der das Gartenhäuschen von Margrit Behncke zusam­men mit seiner Part­nerin Nanni Grau ent­wor­fen hat. Anlass war ein Auftrag des ehe­mali­gen Präsiden­ten der Ber­liner Kleingärtner, Jürgen Hurth. «Mit ungewöhnli­chen Lauben wollte er eine neue, junge Kli­entel anspre­chen.»

Schönert und Grau entwarfen daraufhin Lauben mit dem Namen «CaLa» (Chamäleon­laube), «DuLa» (Durch­laube) oder «MiLa» (Mini-Laube). Sie zeich­nen sich aus durch knal­lige Farben, helle, großzügige Innenräume sowie große Fens­ter­fron­ten, die sich mittels Schie­betüren zum Garten hin öffnen lassen. «Genau das Gegen­teil zu den Stan­dard­lau­ben, die viel zu dunkel sind und keinen Kontakt zum Garten haben», berich­tet Schönert.

So etwa war es bei Margrit Behn­ckes altem Gartenhäuschen. «Das war klein, beengt und muffig. Ich habe mich darin fast nie auf­gehal­ten», erin­nert sie sich. Jetzt sitzt die Ber­line­rin auf einem Sofa in ihrer neuen, 16 Qua­drat­meter großen Laube, blickt durch die weit auf­gescho­bene Ter­ras­sentür auf die Apfel- und Pflau­menbäume in ihrem Garten und schwärmt: «Wenn es draußen regnet und ich drinnen sitze, habe ich trotz­dem das Gefühl, halb draußen zu sitzen.»

Etwa 30 Lauben, die zwischen 12 000 und 25 000 Euro kosten, haben die Archi­tek­ten Schönert und Grau mitt­ler­weile bauen lassen, allein die Hälfte steht in Berlin. Abneh­mer seien meist junge Fami­lien. «Für sie ist die Gar­ten­laube ein Zuf­luchts­ort in der Stadt. Ein grünes Fleck­chen Sehn­sucht», sagt Archi­tekt Schönert.

Diese Ent­wick­lung sieht auch Thomas Wagner vom Bun­des­ver­band Deut­scher Gar­ten­freunde. «Seit etwa vier Jahren gibt es eine Renaissance der Klein­gar­ten­anla­gen», berich­tet er. Zwar liege der Alters­durch­schnitt in deut­schen Klein­gar­ten­anla­gen immer noch bei 60 Jahren. 45 Prozent aller Neu­ver­pach­tun­gen der ver­gan­genen fünf Jahre seien aller­dings an junge Fami­lien mit Kindern, an die «jungen Urbanen», gegan­gen. «Sie leben in einer schi­cken Stadt­woh­nung. Das grüne Wohn­zim­mer pachten sie sich dazu.»

Ihre Vorstellungen vom grünen Glück unter­schei­den sich dabei erheb­lich von denen der tra­ditio­nel­len Kleingärtner jen­seits der 50. «Sie inter­essie­ren sich zwar auch für Obst und Gemüse, als Alter­native zum Treib­haus­gemüse aus dem Super­markt.» Der Garten sei für sie aller­dings vor allem ein Ort der Ruhe, Gelas­sen­heit und Krea­tivität. «Ihre Idee: der edel gestal­tete Well­ness-Garten.» Die braune Blockhütte aus dem Baumarkt passe da nicht ins Konzept. «Sie wollen knal­lige Farben und helle Räume.»

Wie zum Bei­spiel Bri­gitte Sowa aus München. Für die 44-jährige Rechts­anwalt­gehil­fin waren Kleingärten lange Zeit «spießig» und «was für alte Leute». Doch als die Hobbygärtnerin auf der Bun­des­gar­ten­schau 2005 die bunten Design-Lauben eines Stu­den­ten-Pro­jek­tes sah, war sie begeis­tert. Gegen den hef­tigen Protest ihrer Familie kaufte sie einen dieser futu­ris­tischen «Wohn-Würfel» - und pach­tete den dazugehörigen Garten mit dazu. Seitdem radelt sie regelmäßig am Woche­nende in die Klein­gar­ten­kolo­nie «SO 05» im Münchener Südosten, erntet Radies­chen und Tomaten und hält ihre Gemüse- und Blu­men­beete unkraut­frei. Immer öfter beglei­tet wird sie dabei übrigens von ihrem Mann und den beiden Töchtern. Die Trips ins eigene Grün finden die mitt­ler­weile «total super».

Webseite der Archi­tek­ten: www.huet­ten­und­palaeste.de Von Silke Katen­kamp, dpa

dpa-infocom


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