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Migräne: Hämmernder Schmerz und quälendes Licht

Frank­furt/Main/Rostock Erst ist die blei­erne Müdigkeit da. Dann kommen die Kopf­schmer­zen.

Sie nehmen immer stärker zu, bis Sigrid Olden­dorf-Caspar sich fast über­geben muss.

Nach gut vier Stunden ist alles vorbei - und die Mit-Fünfzi­gerin aus Frank­furt weiß, dass sie für einen Monat Ruhe hat von ihrer Migräne. Ute Rudolf aus Berlin dagegen hat fast jede Woche einen Migränean­fall. Wenn es mal wieder ganz schlimm ist, liegt sie drei Tage am Stück flach.

Nach Schätzungen der Deut­schen Migräne- und Kopf­schmerz­gesell­schaft (DMKG) in Rostock leiden etwa 30 Prozent der Deut­schen an der glei­chen Krank­heit wie die beiden Frauen. Aber bei nur 10 Prozent der Bevölkerung ist sie richtig dia­gno­sti­ziert. Frauen sind dreimal häufiger betrof­fen als Männer.

In der Regel tritt der Kopfschmerz halb­sei­tig und in unre­gelmäßigen Abständen auf. Übelkeit und Licht­emp­find­lich­keit sind häufige Begleiter­schei­nun­gen der 4 bis 72 Stunden währenden Atta­cken. Chro­nisch ist die Krank­heit erst, wenn jemand fast täglich oder an mehr als 14 Tagen im Monat Anfälle bekommt. «Zwi­schen den Atta­cken schei­nen die Pati­enten völlig gesund zu sein», sagt DMKG-Gene­ral­sekretär Prof. Peter Kropp.

Häufig sind es Hor­mon­schwan­kun­gen vor oder während der Mens­trua­tion, die bei Frauen die Schmer­zat­tacken in Gang setzen. Daneben gelten vor allem Ent­span­nungs- und Erho­lungs­pha­sen nach Stress­momen­ten als Auslöser, «Trigger» genannt. Das Woche­nende, der Wechsel von Zeit­zonen oder der Urlaub seien typi­sche Zeit­punkte, sagt Gerhard Müller-Schwefe, Präsident der Deut­schen Gesell­schaft für Schmerz­the­rapie im hes­sischen Ober­ursel.

Die Ursachen für Migräne sind noch unklar. Gene­rell sei davon aus­zuge­hen, dass bestimmte Fil­ter­funk­tio­nen im Gehirn nicht richtig arbei­ten, sagt der Schmerz­spe­zia­list. Die Nerven würden mit Reizen über­flu­tet und rea­gier­ten irgend­wann mit Schmerz. So raten der in Göppingen prak­tizie­rende Müller-Schwefe wie auch sein Kollege Kropp dazu, schon in Stress­pha­sen zu ent­span­nen. Als hilf­reich hätten sich Bio­feed­back und pro­gres­sive Muskel­ent­span­nung nach Jacob­sen erwie­sen.

Betroffene müssen diese Metho­den aber erst erler­nen, um sie anwen­den zu können. Daher sollte bei jedem Migräne-Kranken an erster Stelle ein regelmäßiger Lebens­rhyth­mus stehen, sagt Kropp. «Ich emp­fehle meinen Pati­enten, immer zur glei­chen Zeit auf­zuste­hen, auch am Woche­nende.» Das sei wichtig, um den Bio­rhyth­mus im Lot zu halten. Es nütze schon, an einem freien Tag das Bett nur kurz zu ver­las­sen, sich nach ein paar Minuten wieder hin­zule­gen und dann wei­ter­zuschla­fen.

Wem das aber nicht weiter hilft , der ist wie Ute Rudolf auf Medi­kamente ange­wie­sen. Manch­mal reichen hoch dosierte, ein­fache entzündungs­hem­mende Schmerz­mit­tel - nicht öfter als zehn Mal im Monat und nicht länger als drei Tage hin­ter­ein­ander. Ansons­ten seien soge­nannte Trip­tane erste Wahl, sagt Medi­ziner Müller-Schwefe. «Sie docken an den Kern­gebie­ten im Gehirn an und blo­ckie­ren den wei­teren Ablauf.» Darüber hinaus kann regelmäßiger Sport wie Joggen helfen, die Inten­sität und Häufig­keit der Migräne zu senken.

Literatur: Sigrid Olden­dorf-Caspar: Migräne meis­tern. Hilfe zur Selbst­hilfe, pala-Verlag, ISBN: 978-3-89566-238-6, 12,80 Euro; Hans-Chri­stoph Diener: Migräne: Ein Leit­faden für Betrof­fene, Trias, ISBN: 978-3-83043-299-9, 7,95 Euro.

Deutsche Migräne- und Kopf­schmerz­gesell­schaft (DMKG): www.dmkg.de

Deut­schen Gesell­schaft für Schmerz­the­rapie: www.dgschmerz­the­rapie.de Überak­tive Hir­nareale bei Migräne Das Zen­tral­ner­ven­sys­tem lässt nor­maler­weise nur wich­tige Umge­bungs­reize durch. «Die Fähigkeit, ein­flu­tende Reize zu selek­tie­ren, ist bei Migräne-Kranken gestört», sagt Gerhard Müller-Schwefe von der Deut­schen Gesell­schaft für Schmerz­the­rapie. Als «Migräne-Gene­rator» gelte ein Areal im Hirn­stamm rund um den Tri­gemi­nus-Nerv. Es werde überak­tiv, wenn dort zu viele Infor­matio­nen zu ver­arbei­ten sind. Signale an andere Areale setzten Boten­stoffe frei, die entzündungs­auslösend wirken und dafür sorgen, dass sich das Gefäßsystem weitet. «Die Erre­gung breitet sich über das ganze Gehirn aus.» Die Folge sind hämmernde Kopf­schmer­zen. Von Nina C. Zim­mer­mann, dpa

dpa-infocom


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