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Hungern und Sucht - Schattenseiten des Sports

Münster Höher, schneller, weiter - dieser Dreiklang ist während der Olympischen Spiele häufig zu hören.

Doch auf der Schattenseite des Leistungsstrebens stehen sie: die Sportanorektiker und Sportsüchtigen.

Abgemagert, um bessere Ergebnisse zu erzielen. Isoliert, um mehr zu trainieren. Immer höher, immer schneller, immer weiter, bis Körper und Geist nicht mehr mitmachen. Ein Phänomen, das auch Birgit Mauler kennt. Die Leiterin der Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie in Münster warnt vor der Sportanorexie, dem Hungern für Höchstleistungen: «Das Essverhalten ist gestört und die Grenze zur Magersucht oft fließend.» Dennoch zähle die «Anorexia athletica» klinisch nicht zu den Essstörungen. Die Betroffenen - darunter immer mehr Hobbysportler - glauben an die Formel «weniger Gewicht gleich bessere sportliche Leistungen». Ein Trugschluss, wie Mauler betont.

Zwar bleiben die Leistungen lange sehr gut, können sich anfangs sogar verbessern. Doch wegen des extremen Trainings und zu wenig Nahrung kann es zu Magen-Darm-Beschwerden, starkem Gewichtsverlust und Wachstumsverzögerungen kommen. Grund hierfür sind den Angaben der Klinik zufolge ein schwaches Selbstwertgefühl, Leistungsdruck und falsche Ideale.

Dieser Jugend- und Schönheitswahn kann auch zur Sportsucht führen, wie Maike Tietjens erklärt. Die Sportwissenschaftlerin an der Universität Münster vergleicht die Abhängigkeit und ihre Folgen mit Rauschmitteln: «Diese Menschen können ohne Sport nicht leben. Dadurch isolieren sie sich von ihrem Umfeld.» Dies könne zu Problemen in der Familie und am Arbeitsplatz führen. Die insbesondere beim Betreiben von Ausdauersportarten gesteigerte Ausschüttung des als Glückshormons geltenden Endorphins wird als möglicher Grund angesehen. Die dadurch ausgelöste Euphorie kann zur psychischen Abhängigkeit führen.

Die Ausmaße sind laut Tietjens aber nicht bekannt, da die Sportsucht noch nicht lange wissenschaftlich untersucht würde. Zudem verlaufe die Grenze zwischen gesellschaftlich akzeptiertem Sporttreiben und einem Suchtproblem fließend, erklärt Prof. Jürgen Beckmann, Sportpsychologe an der Technischen Universität München. Er geht aber von einer steigenden Tendenz in den vergangenen 20 Jahren aus. Als wichtiges Indiz nennt er die Sport- und Fitnessstudios, die praktisch aus dem Boden gestampft worden seien. Allerdings gäbe es schon Therapien.

Die Sportanorexie bezeichnet Tietjens als Krankheit, bei der es um die Regulierung des Körpergewichts durch und für den Sport gehe. Diese sei vor allem für Sportarten bedeutsam, in denen das Körpergewicht eine entscheidende Rolle spielen kann, wie etwa Rudern und Skispringen. In den Medien war lange Zeit eine Diskussion um eine mögliche Magersucht des einstigen Skisprung-Stars Sven Hannawald geführt worden. Hannawald selbst hatte die Gerüchte stets zurückgewiesen, aber eine «Gewaltdiät» eingeräumt. Von Marco Krefting, dpa

dpa-infocom


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