IVWPixel Zählpixel
kalaydo.de kalaydo.de Jobs Auto kaufen Immobilien Kleinanzeigen Bei kalaydo.de inserieren In der Rhein-Zeitung und ihren Heimatblättern inserieren Zeitungsanzeige aufgeben kalaydo.de
RSS  |  Kontakt
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt
 Das Thema des Tages 

Analyse: Zurück bleibt ein Sarg

Kabul/Berlin Es ist immer eine Schock­welle, die die Nach­richt vom Tod eines Bun­des­wehr­sol­daten in Afgha­nis­tan in der Heimat auslöst.

Streitkräfte, Regie­rung, Bun­des­tags­par­teien zeigen sich tief erschüttert und trauern mit den Angehörigen.

Kurz flammt die Debatte über den Kurs in der deut­schen Afgha­nis­tan-Politik und den Einsatz der Bun­des­wehr auf. Die Befürworter betonen, dass die Mission fortgeführt wird. Die Kri­tiker ver­lan­gen den Abzug der Sol­daten. Der Einsatz-Alltag geht weiter. Die betrof­fene Familie aber bekommt einen Sarg zurück. Für sie ist nichts mehr, wie es vorher war.

Seit Beginn des Bun­des­wehr­ein­sat­zes 2002 sind nun ins­gesamt 28 deut­sche Sol­daten der inter­natio­nalen Afgha­nis­tan-Schutz­truppe ISAF getötet worden. Die französische Armee verlor allein am 18. August bei einem Angriff auf einen Militärkonvoi 10 Sol­daten. Laut Hilfs­orga­nisa­tio­nen wurden bei Kämpfen und Anschlägen in Afgha­nis­tan allein in diesem Jahr bereits mehr als 3000 Men­schen, dar­unter rund 1000 Zivi­lis­ten getötet. Sterben in Afgha­nis­tan gehört zum bit­teren Alltag.

Vom Anschlag bis zur Bestätigung durch den Ver­tei­digungs­minis­ter ver­gehen in der Regel nur Stunden. Obers­tes Gebot der Bun­des­wehr ist, zuerst die Angehörigen zu infor­mie­ren. So auch am Mitt­woch, als die Streitkräfte zunächst die Hin­ter­blie­benen des Haupt­feld­webels der Saar­land­bri­gade und die Fami­lien der Ver­wun­deten errei­chen wollten. Sie sollen es persönlich und nicht durch die Medien erfah­ren. Das gebie­tet der Anstand vor den Betrof­fenen und der Schutz der Fami­lien der rund 3500 anderen in Afgha­nis­tan ein­gesetz­ten deut­schen Sol­daten. Denn sie sollen sicher sein können, dass sie es vor der Nach­richt im Radio wüssten, wenn ihre Liebs­ten unter den Opfern wären.

Vor knapp fünf Jahren kamen die ersten Bun­des­wehr­sol­daten ins nordaf­gha­nische Kundus. Damals führten noch die USA das dortige zivil-militärische Wie­der­auf­bau­team (PRT). US-Oberst Fre­derick Tawes sagte vor der Ankunft der Deut­schen: «Die Sicher­heits­lage (in Kundus) ist wahr­schein­lich die beste in ganz Afgha­nis­tan.» Das hat sich dra­matisch geändert. Zwar ist der Norden immer noch ruhiger als der umkämpfte Süden des Landes, aber beson­ders in der Region Kundus hat sich die Lage ver­schlech­tert.

Drastisch vor Augen geführt wurde das der deut­schen Bevölkerung spätestens im Mai 2007, als ein Selbst­mord­attentäter drei Bun­des­wehr­sol­daten und acht Zivi­lis­ten in Kundus-Stadt mit in den Tod riss. Die afgha­nische Regie­rung warnte, die Taliban wollten ihren vor allem im Süden und Osten toben­den Auf­stand auf den Westen und Norden aus­deh­nen. In Kundus - während des Taliban-Regimes die Hoch­burg der Got­tes­krie­ger im Norden - fällt den Rebel­len das leich­ter als andern­orts in der Region. Dort leben etliche Pasch­tunen, die sonst vor allem im Süden und Osten zu finden sind, vor langer Zeit aber in den Norden umsie­del­ten. Viele Angehörige der Min­der­heit dort gelten bis heute als benach­tei­ligt.

Aus den Pasch­tunen rekru­tie­ren sich die Taliban, in ihrer eigenen Volks­gruppe fallen ein­sickernde Rebel­len kaum auf. Im Distrikt Char­dara, in dem es am Mitt­woch zu dem Anschlag kam, stellen Pasch­tunen die Mehr­heit der Bevölkerung. Der Distrikt gilt als einer der gefährlichs­ten in der Provinz. Bereits im März waren in Char­dara drei deut­sche Sol­daten bei einem Anschlag ver­letzt worden, die Taliban bekann­ten sich zu der Tat.

Die Aufständischen übernahmen auch die Verant­wor­tung für einen Anschlag im Nach­bar­dis­trikt Baghlan Markasi vor drei Wochen. Drei deut­sche Sol­daten waren ver­letzt worden, zwei davon schweb­ten tage­lang in Lebens­gefahr. Sicher­heits­exper­ten warnten im ver­gan­genen Winter, den Taliban sei es gelun­gen, mit ihren Anschlägen in Kundus eine neue Front zu eröffnen.

Dass das Enga­gement der Bun­des­wehr, das viele Deut­sche als eine Frie­dens­mis­sion ver­stan­den, im Norden zuneh­mend zum Kampfein­satz wird, zeigte sich erst vor einer Woche: Im nord­ostaf­gha­nischen Feisa­bad töteten deut­sche Sol­daten nach eigenen Angaben einen Angrei­fer. Offi­ziel­len Erkennt­nis­sen zufolge war es das erste Mal, dass die Bun­des­wehr in Afgha­nis­tan einen Men­schen erschoss. von Can Merey und Kris­tina Dunz, dpa

dpa-infocom

Sie benötigen Flash Player 9, um den RZ-Video-Player ansehen zu können.
Regioticker

Umfrage

Reisen per Flieger - ist das noch sicher?

rz lexikon
Eventkalender
klasse intermedial
Blog aus Beijing zu den Olympischen Spiele 2008
Blog lesen