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Schnaken lieben den Klimawandel

Mainz Schnaken können laue Sommernächte komplett verderben.

Nicht auszudenken, was los wäre, wenn alle fünf Billiarden Larven am Oberrhein tatsächlich schlüpfen würden.

Die Schnakenjäger am Oberrhein schlagen Alarm. Noch nie hatten sie mit so vielen Mückenlarven zu kämpfen wie in den vergangenen drei Jahren. Bis zu fünf Billiarden Larven liegen jedes Jahr am Rheinufer - bekämpft werden sie von der "KABS" (Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage). Dreimal so viele Larven wie in den 80er- Jahren meldet die KABS. Eine "ungewöhnlich hohe Zahl von Hochwasserwellen" hat KABS-Direktor Norbert Becker beobachtet. Zwölfmal ist der Rhein in diesem Jahr über die Ufer getreten. Für Becker steht fest, dass sich das verschlimmern wird: "Die Klimaveränderung ist im Rhein-Main-Gebiet angekommen." Das Hochwasser komme von schmelzendem Schnee aus der Schweiz.

Die KABS fordert nun mehr Geld von den Kommunen gegen Mückenlarven. Denn alle Kommunen, die KABS-Mitglieder sind, müssen eine Umlage bezahlen, gestaffelt nach Größe der Stadt. Für Mainz sind das jährlich rund 50 000 Euro. Gerade setzte die KABS eine Sonderumlage fest - Mainz hat in diesem Jahr rund 85 000 Euro bezahlt, wie die städtische Pressestelle der MRZ mitteilte. Auf Dauer sieht der KABS-Direktor nur eine Lösung: "Wir müssen die Umlage erhöhen oder das jährlich über eine Sonderumlage regeln", sagte er. Der Etat beträgt 2,7 Millionen, doch der Bedarf sei auf 3,4 Millionen Euro gestiegen.

Kann sich Mainz deutliche Mehrkosten leisten? "Man wird sicher über die Höhe der Umlage reden müssen, aber wir bleiben dabei", sagte Stadtsprecher Ralf Peterhanwahr der MRZ. Mückenbekämpfung sei eine "Investition in die Lebensqualität". Siebenmal rückten die 300 KABS-Mitarbeiter in diesem Jahr zwischen März und September aus. Vor allem in der Mombacher Aue und im Oppenheimer Wäldchen finden die Stechtiere ideale Brutbedingungen. Bis zu 100 000 Eier haben auf einem Quadratmeter Platz. In Wohngebieten ist Mückenbekämpfung Sache der Privatleute - in den Rathäusern gibt es kostenlose Tabletten für die Regentonnen gegen die Hausmücke.

Die KABS erwischt 99 Prozent der Larven - doch das eine Prozent reicht aus, um neue Quälgeister zu produzieren: "Mücken sind clever", sagt Direktor Becker. Ein Weibchen legt 200 Eier pro Brut. Und schon ein Stich für eine "Blutmahlzeit" macht es so satt, dass es diesen Schwung Eier legen kann. Angezogen wird es von Atem- und Schweißgerüchen - COx- und Aminosäure-Ausdünstungen weisen den Weg zum frischen Blut.

Der NABU Rheinland-Pfalz sieht die These vom Klimawandel als Mückenbeschleuniger kritisch. "Die Larvenbestände schwanken, das muss keine Folge des Klimawandels sein", sagt Naturschutzreferent Holger Buschmann. Hochwasser als Folge des Klimawandels trete vor allem im Winter auf, wenn die Mücken nicht brüten. Doch der NABU befürchtet noch etwas anderes: Milde Temperaturen locken Tigermücke oder Malariamücke an, die Krankheiten übertragen können. "Davon geht eine große Gefahr aus", sagt Buschmann. (Anna Kröning)

RZO