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Simmern, Hunsrück-Museum: Maler an Konflikten seiner Zeit zerrieben

Simmern Zeichnungen in der Hunsrücker Zeitung von Maria Schell und Curd Jürgens bei den Schinderhannes-Dreharbeiten führten Wilfried Theiß vom Ströher-Freundeskreis vor Jahren auf die Spur von Jupp Hosp, in Simmern eher als Gastwirt denn als Maler bekannt.

Das Hunsrück-Museum ehrt den weithin unbekannten Künstler zu dessen 100. Geburtstag mit einer großen Werkschau. Den Festvortrag hielt der Freiburger Prof. Wilfried Post. Sein Befund: Hosp hatte das Zeug zum bedeutenden Maler. Doch die Nazi-Diktatur zerriss den Künstler innerlich.

1933, das Jahr der nationalsozialistischen Machtergreifung: Seit dem 15. März weht über der Düsseldorfer Kunstakademie die Hakenkreuzfahne. Dozenten wie Paul Klee fliehen ins Ausland. Ein Akademie-Modell, ein Mulatte, erschlagen; Hunderte von Studenten verhaftet, verhört, misshandelt, eingeschüchtert. Unter ihnen Jupp Hosp, ein 25-Jähriger aus Simmern.

Dessen junges Werk, in vielem den Expressionisten verpflichtet, hat seinen Lehrern an der Akademie bereits Anlass zu großen Hoffnungen gegeben. Paul Klee äußert sich nahezu enthusiastisch über die vielversprechenden Anfänge Hosps. Und der damalige Akademiedirektor schreibt den zunächst an den Zukunftsaussichten ihres Sohns zweifelnden Eltern im Hunsrück, dass ihr Sohn mit prächtiger Überzeugtheit an sein Künstlertum glaube.

Das fand der Freiburger Professor und Festredner der Vernissage der Hosp-Ausstellung im Hunsrück-Museum, Wilfried Post, bei seinen umfangreichen Recherchen heraus. Auf seiner Spurensuche stößt Post unverhofft auf ein Bild, dessen Schicksal einiges verrät über die inneren Pressionen, unter denen der Künstler nach dem gewaltsamen Einbruch der ästhetischen Barbarei der Nazis in die zuvor autonome Kunstwelt der Düsseldorfer Akademie gelitten haben muss: Hosp "versteckt" das Porträt des von den Nazis erschlagenen Mulatten auf der Rückseite eines übermalten Gemäldes.

Kunstwissenschaftler Post lässt das Bildnis des "Jungen Mulatten" aufwendig restaurieren. Es kann als Schlüsselwerk für die Brüche und Widersprüche im künstlerischen Werdegang des Simmerners und als d i e Entdeckung überhaupt in der Simmerner Ausstellung gelten. Nach der Machtergreifung der Nazis bleibt Hosp zunächst zu Hause auf den Hunsrückhöhen, hält sich im Allgäu auf, kehrt aber nach seinem Rückzug an die Münchener Akademie zurück, wo er einst seine Studien begann - eine tragische, eine fatale Entscheidung nennt Wilfried Post das. Hosp konzentriert sich auf Landschaftsmalerei. Trauriger Schlusspunkt für einen, der in frühen Jahren mit einer freien, libertären Linken sympathisiert und Karl Oelbermann von den Nerother Wandervögeln zum Freund gewinnt: 1937 tritt Hosp in die Nazipartei ein. Der Druck muss groß gewesen sein. Die engsten Freunde sind in Lebensgefahr. Robert Oelbermann, Karls Zwillingsbruder, wird 1937 verhaftet und vier Jahre später im KZ Dachau ermordet. Nach 1945 wird Jupp Hosp von der Spruchkammer als "Mitläufer" eingestuft.

Dabei hatten die Lehr- und Wanderjahre des aus nicht unvermögendem Hause der seit dem 18. Jahrhundert in Simmern ansässigen Gastwirts-Dynastie Stammenden so verheißungsvoll begonnen: Mit 20 bricht er auf zu seinen Studienreisen, er "hat sich die Welt erobern wollen" (Post), reist nach Paris, ein absolutes Muss für einen lernbegierigen Künstler, taucht dort in die Szene ein. Hosp lernt einflussreiche Freunde kennen, malt seine ausdrucksstarken, farbbetonten Frauenporträts, fährt nach Bern, Mailand, Venedig.

In diesen Bildnissen wird der Einfluss des damals vielbeachteten Expressionisten Heinrich Nauen deutlich. Hosp besucht dessen Düsseldorfer Meisterklasse. Später zieht es ihn nach Berlin, Ungarn. Und immer wieder absorbiert der junge Mann Neues, schließt in seinen Bildern, wie in der Werkschau zu betrachten, auf zur Sehweise der Neuen Sachlichkeit Max Beckmanns ("Der Zeppelin") und öffnet sich dem poetischen Stil von Paul Klee ("Die Träumenden", "Mädchen mit Herz"). Beckmann und Klee übrigens wurden von den braunen Machthabern als Schöpfer "Entarteter Kunst" verfemt.

In den Nachkriegsjahren verbirgt sich der Maler Jupp (Johann Josef mit Taufnamen) Hosp hinter dem kauzigen Wirt, den er in seiner Gaststätte, dem "Pfälzer Hof", gibt. Das Publikum kennt von ihm nur die Hunsrück-Malerei, Stadtansichten und Landschaften zumal. Doch dann, wenn man ein Bild aus dem Nachlass des in Hatzenport Verstorbenen genauer betrachtet, blitzt es in dem alternden Künstler auf wie in jungen Tagen: Expressives Gelb durchflutet das 1972 entstandene "Selbstporträt mit Hannelore".

Jetzt gilt es, den authentischen Jupp Hosp zu entdecken. Die große Retrospektive im Hunsrück-Museum ist der große Schritt dazu.

Ernst-Peter Strauch

Bis 16. November zu sehen im Hunsrück-Museum, Simmerner Schloss, geöffnet dienstags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung, Tel. 06761/7009.

RZO