IVWPixel Zählpixel
kalaydo.de kalaydo.de Jobs Auto kaufen Immobilien Kleinanzeigen Bei kalaydo.de inserieren In der Rhein-Zeitung und ihren Heimatblättern inserieren Zeitungsanzeige aufgeben kalaydo.de
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt
Musik

Paul McCartney in Israel gefeiert

Tel Aviv Erst ließ Sir Paul seine Fans fast eine halbe Stunde lang warten, und dann zeigte er mit Hingabe, was sie in mehr als vier Jahrzehnten seit dem Auftrittsverbot der Beatles verpasst haben.

Paul McCartney rockte Israel. Und wie bei einer langen Karaoke-Nacht sangen die mehr als 45 000 im Jarkon Park von Tel Aviv bei Beatles-Klassikern wie «Hey Jude» und «Let It Be» oder den Wings- Hits «Jet» oder «Mrs. Vandebilt» mit.

«Israel loves U Paul» (Israel liebt dich, Paul) steht auf einem Banner. Als der 66-Jährige dann seine Charmeoffensive startet und in Hebräisch parliert, ist die Menge wie aus dem Häuschen. Sie feiert «Macca», wie Pauls Spitzname lautet, wie einen Ehrenbürger: «Macca, der Makkabäer».

«Vielen Dank, dass Ihr in dieser wunderbaren Nacht gekommen seid und mit mir die Botschaft von Frieden und Liebe teilt», sagt McCartney unter tosendem Beifall. Da hat er die Hälfte seiner über 30 Songs bereits gespielt und das Jackett ausgezogen. Sir Paul gibt an diesem Abend alles - auf dem Bass, der Gitarre, der Ukulele, dem Klavier und vor dem Mikrofon. Auf dem mit Blumen bestickten rosafarbenen Hemd zeichnen sich erste Schweißflecken ab. Und dann glitzert da am Hosenträger ein Button, der wie eine Blumenblüte aussieht. Was ist denn das?

Es ist das Erkennungszeichen der Bewegung OneVoice, die sich für die Beendigung des palästinensisch-israelischen Konflikts und eine Zwei-Staaten-Lösung einsetzt. Sir Paul hat junge Mitglieder vor dem Konzert getroffen. Als Homage an den bei einem Attentat getöteten Ex- Band-Kollegen John Lennon spielt McCartney dann «Give Peace A Chance». Als Zehntausende einstimmen und im Takt klatschen, feuert er sie an: «Ihr wollt es. Gebt dem Frieden eine Chance».

Die israelische Presse feierte das «Friendship First»-Konzert schon vorab als größtes Musikereignis in der Geschichte Israels. Tatsächlich ist es so, dass viele Künstler aus der A-Liga wegen Sicherheitsbedenken einen Bogen um Israel machen. Und dann forderten auch noch Palästinensergruppen von McCartney eine Absage des Konzerts, weil Israel Besatzungsmacht ist. Militante Islamisten drohten ihm mit dem Tod, wenn er im Rahmen der Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Staatsgründung Israels auftreten sollte. Nach britischen Medienberichten sollen bis zu 5000 Sicherheitskräfte den Ex-Beatle beschützt haben.

McCartney ließ sich von den Polterreden wenig beeindrucken. Er setzte auf politische Korrektheit. «Schalom Tel Aviv, und ein gesundes neues Jahr», begrüßte Paul die Israelis, für die am kommenden Dienstag das Jahr 5769 nach dem hebräischen Kalender anbricht. Und dann fügte er das arabische «Ahlan» (Willkommen) hinzu. Während seiner knapp mehr als 48 Stunden in Israel besuchte er mit Freundin Nancy Shevell ein palästinensisches Musikkonservatorium in Beit Sohur. Einen Abstecher nach Ramallah sagte der Ex-Beatle nach Angaben der «Jerusalem Post» ab, weil dort Demonstranten warteten.

Von all den Widrigkeiten ist beim Konzert nichts zu spüren. Sir Paul zeigt sich in bester Laune: «Ich habe das Gefühl, wir haben eine wunderbare Zeit zusammen», sagt er. Dann treibt er Späße mit dem Publikum und lässt beim Refrain von «Hey Jude» nur Frauen singen. Später greift Paul zur Ukulele und intoniert eine Spezialfassung von «Something». Bei der Homage an den toten vierten Beatle, George Harrison, fließen im Publikum erste Tränen.

Zwei Stunden und zehn Minuten begeistert der Ex-Beatle. Er gibt sechs Zugaben mit Klassikern wie «Yesterday» und «Lady Madonna», bevor dann bei «The End» wirklich Schluss ist. «Wir werden uns wiedersehen», verspricht er. Die Fans sind hin und weg - die meisten könnten Pauls Enkel sein. Der 17 Jahre alte Jonan hat die ganze Zeit mitgetanzt: «Fantastisch, klasse, beeindruckend», sagt er. Die Beatles-Platten hat er von seinen Eltern. Und Rosy sagt: «Ich bin mit den Liedern aufgewachsen. Schade, dass sie nicht schon vorher kommen durften.» 44 Jahre nach dem Auftrittsverbot haben sich alle wieder lieb.

dpa-infocom