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Musik

Neues Lambchop-Album als Beilage

Berlin (dpa) ­ Wer Country mit erzkonservativer Cowboy-Musik für Provinzler gleichsetzt, hat Lambchop noch nicht gehört.

Die Band um den Sänger und Songschreiber Kurt Wagner stammt zwar aus Nashville im US-Staat Tennessee, wo diese uramerikanische Musik quasi am Fließband als glattes Radiofutter produziert wird.

Mit einer Mixtur aus Country, Folk , Rock und ganz viel Soul setzt sich Lambchop (zu deutsch: Lammkotelett) jedoch so weit wie möglich vom Klischee ab. Das neue Album «OH (Ohio)» vereint die in 15 Jahren gewachsenen Qualitäten der Band aufs Eleganteste. Bei der Vermarktung geht das Berliner Label City Slang nun unorthodoxe, nicht unumstrittene Wege.

Nach dem depressiven Übergangswerk «Damaged», mit dem Wagner vor zwei Jahren Krankheit und Sinnkrisen teilweise recht dissonant verarbeitete, sind auf «Ohio» wieder die sensiblen Mitternachts- Balladen zu hören, die auch einem Frank Sinatra zur Ehre gereicht hätten. Wagner bettet seinen sonoren Bariton-Sprechgesang auf sanfte Streicher und gedämpfte Trompeten. Überwiegend akustische Gitarren, Besenschlagzeug und ein Nachtclub-Klavier runden das gediegene Klangbild ab ­ eine zartbittere Country-Lounge-Musik auf Top-Niveau.

Musik, die von ganz vielen Menschen gehört werden sollte, findet Christof Ellinghaus, der Chef von City Slang. Seit 14 Jahren veröffentlicht sein Indie-Label Lambchop-Platten. «Ohio» ist das insgesamt zehnte Album der Band, «und Kurt Wagner wird dieses Jahr 50», zählt Ellinghaus im dpa-Gespräch mehrere Gründe für eine Jubiläumsaktion auf. Zusammen mit dem «Rolling Stone» fand der agile Musikmanager einen ungewöhnlichen Weg, die neue Lambchop-CD über den Kenner-Kreis hinaus zu verbreiten: Das Album inklusive Plastikhülle und Booklet liegt der Oktober-Ausgabe des Magazins bei, dessen Preis sich dennoch nur geringfügig um 1,40 Euro erhöht.

Ellinghaus hat die bis zu 15-köpfige Band in den 90er Jahren noch als «rumpelndes Feierabendorchester in einem Keller von Nashville» kennengelernt und seitdem ein sehr emotionales Verhältnis zu Lambchop aufgebaut. Hinzu kommt, dass er sich auch nach fast 20 Jahren im Geschäft nicht nur als Kaufmann, sondern weiterhin als idealistischen Rock-Fan begreift. «Ich will nicht, dass diese Musik unter den Tisch fällt, denn sie ist schön, intelligent, großartig», sagt er fast trotzig. «Weil die Musikmedien einem zehnten Album einer Band eher indifferent gegenüberstehen und eine überforderte Kundschaft bei der Veröffentlichungsflut sich selbst im Fachhandel nicht mehr zurecht findet, müssen wir eben neue Wege zu den Fans finden.»

Auch «Rolling Stone»-Chefredakteur Bernd Gockel sieht seine Zeitschrift als «adäquate Plattform» für Talente wie Lambchop. Umso härter traf es Ellinghaus, dass zwei große Handelsketten die Aktion zum Anlass nahmen, die Lambchop-Tonträger aus ihren Regalen zu verbannen. So kritisiert eine Saturn-Sprecherin die Fast-Gratis- Beilage zum «Rolling Stone» als wirtschaftliche Benachteiligung: Wenn ein komplettes Album einer Indie-Band als Zugabe quasi «verschenkt» werde, sei sie «damit für uns nicht mehr zu verkaufen», denn die Zielgruppe sei ja schon bedient. Darüber hinaus, so heißt es, sei das Signal «in die Handelslandschaft und auch an den Konsumenten verheerend, signalisiert es doch den Verlust jeglicher Wertigkeit des Tonträgers an sich».

City-Slang-Manager Ellinghaus fürchtet nun, mit dem Vermarktungs- Coup seinen Lieblingskünstlern einen Bärendienst erwiesen zu haben. Denn die beiden Ketten deckten wohl rund 35 Prozent der Musik- Verkäufe in Deutschland ab, schätzt er - Umsätze, die Label und Band fehlen könnten. «Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die Idee eine gute war», sagt der Label-Chef. Aber die Kommunikation mit dem Handel sei womöglich «amateurhaft» gewesen, räumt er ein. «Aber wir sind nun mal Gewissenstäter und keine geschmeidige PR-Firma.»

www.cityslang.com

www.lambchop.net

www.rollingstone.de Von Werner Herpell, dpa

dpa-infocom