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Strampelnd zum Strand: Teneriffa per Mountainbike

La Laguna Manche Urlauber sind geschockt, wenn sie zum ersten Mal auf Teneriffa landen.

Sie sehen Autobahnen, Hotelsilos und Betonburgen voller Apartments, dazwischen Bananenplantagen, die von grauen Mauern eingefasst und mit Plastikfolie abgedeckt sind.

Doch der erste Eindruck trügt. Wer auf Erkundungstour geht, findet ein anderes Teneriffa, eine Insel, die Besucher glücklich macht. Dieses Teneriffa liegt abseits der Touristenorte Playa de las Américas, Los Cristianos und Puerto de la Cruz. Entdeckt wird es am besten zu Fuß - oder per Mountainbike. Denn die Aussichten, die Radler in der Vulkan- und Berglandschaft gewinnen, sind großartig.

Auch der Deutsche Ralf Petrovskis hat das erkannt und sich als Dienstleister rund um das Mountainbiken selbstständig gemacht. Eine seiner Touren führt in das Vulkangebiet «Arenas Negras» im Westen der Insel. Vom Parkplatz am Bergdorf San José de los Llanos aus kämpfen sich die Radler zunächst eine endlos erscheinende Steigung bergauf, erst durch Kiefernwald, dann durch pechschwarze Felder aus Schlacke, Asche und Lavagrus. Dazwischen leuchtet das zarte Grün junger Kiefern, die sich ihren Lebensraum nach und nach erobern.

Der schöne Kontrast lenkt für einige Minuten von der hammerharten Bergfahrt ab. «Wir müssen gut 500 Höhenmeter überwinden», sagt Ralf Petrovskis, und nicht die geringste Anstrengung ist in seiner Stimme zu hören. Es gilt also, den inneren Schweinehund zu überwinden. Zum Glück ist es nicht zu warm, die Bergluft in 1100 Metern Höhe wirkt erfrischend und kühl. Die Kette arbeitet sich geräuschlos über die Ritzel, langsam und stetig wird die Steigung bezwungen.

Hinter einer Kuppe tut sich dann plötzlich die ebenmäßige Silhouette des Vulkans Negra auf. Für einen Moment gibt sich der Berg die Ehre und ist in voller Pracht zu sehen, dann stürmen wieder Wolken heran und verhüllen ihn in ein waberndes Grau. Weiter geht es über einen einfach zu befahrenden Höhenweg, der bei schönem Wetter ein Traum-Panorama bieten soll. «Dann sind von hier sogar die Nachbarinseln La Gomera und La Palma zu sehen», sagt Petrovskis und weist in den blaugrauen Dunst, der über dem Atlantik schwebt.

Bei dem kleinen Vulkan Chinyero , der im November 1909 als letzter aller Feuerberge auf Teneriffa ausbrach und zehn Tage lang Asche und Lava spuckte, endet der anstrengende Teil der Bike-Tour. Hier ist Schluss mit dem Hoch- und Herunterschalten, stattdessen sausen die Radler nur noch bergab über Stock, Stein und Schotterpisten - und es ist beruhigend, dass die Bikes mit Scheibenbremsen ausgestattet sind.

Für Mountainbiker und Freeride-Fans hat Teneriffa aber noch andere Herausforderungen zu bieten. Auf «Singletrails» lässt sich sogar das wilde Anaga-Gebirge im Nordosten bewältigen. Dabei nutzen die Biker meist alte Maultierpfade, die das zerklüftete Bergland durchziehen. Die Touren sind anspruchsvoll und anstrengend: Über steile Wege mit engen Kehren, Steinstufen, Wurzelpassagen, kleinen Absätze und Sprüngen geht es in einsame Schluchten. Viele der tief eingekerbten Anaga-Täler laufen zum Atlantik hin aus, unten warten feine Lavastrände auf die durchschwitzten Besucher. Der Kontrast zwischen dem pechschwarzen Sand und der weißen Gischt der heranrollenden See fasziniert, und das Bad in den Wellen ist prickelnd und erfrischend.

Jugendliche Biker, die noch mehr Abenteuer suchen, werden seit kurzem im «Bike-Park Tenerife» nordwestlich von La Laguna bedient. Der frühere spanische Triathlon-Meister Zeno Zrenner Plaut legte dort auf dem Gelände einer Finca in den Bergen mehrere Downhill-Pisten mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen an. Ein kleiner Lastwagen bringt die Mutigen mit ihren Rädern zum Startpunkt. Dann düsen die Biker auf der blauen, roten oder schwarzen Piste bergab - quer durch den Wald auf schmalen Wegen mit eingebauten Hindernissen, Steilkurven, Schikanen und Sprungrampen. Manchmal ist die Trasse dramatisch steil, manchmal geht es knapp an riesigen Kakteenbüschen vorbei. Manche Bäume sind abgepolstert, an den Hängen wurden Fangnetze installiert, und alle Biker tragen Integralhelm, Knieschutz sowie Handschuhe.

Zeno Zrenner Plaut ist eigentlich Rettungshubschrauber-Pilot. Er besitzt neben seinem spanischen auch einen deutschen Pass und ist dabei, sich mit seinem Bike-Park zu verwirklichen, wie er sagt. Er selbst kurvt auch noch gerne mit dem Mountainbike umher, doch auf der schwarzen Piste sehen ihn seine Gäste eher selten. «Ich bin schon 30», sagt er, «da lasse ich die Sechs-Meter-Sprünge lieber aus.»

Informationen: Spanisches Fremdenverkehrsamt, Myliusstraße 14, 60323 Frankfurt; Telefon: 069/72 50 38, Broschüren-Telefon: 06123/991 34.

Website der spanischen Fremdenverkehrsämter: www.spain.info/de

Reiseinformationen über Teneriffa: www.webtenerife.de

Infos zum «Bike-Park»: www.bikeparktenerife.com Von Georg Alexander, dpa

dpa-infocom