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Ostserbien erwacht aus dem Dornröschenschlaf

Negotin In Ostserbien, direkt an der Grenze zu Bulgarien und Rumänien, ist seit Jahrhunderten Wein angebaut worden.

Doch ein halbes Jahrhundert Kommunismus und eineinhalb Jahrzehnte Bürgerkriege auf dem Gebiet von Ex-Jugoslawien haben Spuren hinterlassen.

Sie verwandelten die einst blühende Region in eine touristische und kulinarische Wüste. Jetzt soll das Gebiet im Dreiländereck zu neuem Leben erweckt werden. Gerechnet wird mit dem Besuch von Weinliebhabern, Touristen auf dem nahen Donauradweg und archäologisch Interessierten.

Die deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) hat Entwicklungshilfe geleistet und vor zwei Jahren erstmals eine Winzervereinigung in der Kreisstadt Negotin ins Leben gerufen. Die rund 20 Mitglieder wollen inzwischen fast vergessene alteingesessene Rebsorten wiederbeleben, sagt ihr Präsident Zoran Stevanovic im Winzerdorf Rogljevo. Er selbst hat in den vergangenen fünf bis sechs Jahren den elterlichen Betrieb auf Vordermann gebracht, erzählt er.

Die Weinbauern bewirtschaften vergleichsweise kleine Flächen von zwei bis vier Hektar. «Wir mussten von null anfangen», erzählt Stevanovic. Die Straßen waren ebenso in miserablem Zustand wie die Familienbetriebe. Denn in kommunistischen Zeiten war die Weinabfüllung zum Verkauf verboten - nur für den Eigenbedarf durfte produziert werden. Auf der anderen Seite wurden die Bauern dazu gezwungen, ihre Trauben zu Spottpreisen an die örtliche Genossenschaft zu verkaufen. Das lohnte sich nicht mehr, und die Weingärten verrotteten. Jetzt füllt Stevanovic wieder rund 15 000 Liter Wein jährlich in Flaschen ab, die er im Inland verkauft.

Rogljevo verfügt über einige Kellergassen, die zum größten Teil verfallen sind. Zahlreiche Besitzer versuchen, die alten Weinhäuser wieder Stück für Stück herzurichten - in der Hoffnung, dass in Zukunft Touristen hier übernachten. In der Ortschaft Rajac gibt es 330 Wohnhäuser und die gleiche Zahl von Weinhäusern, die hier Pivnice genannt werden. Sie stammen meist aus dem 19. Jahrhundert und sind inzwischen zum größeren Teil von den Besitzern renoviert worden.

«In Rajac steht alles im Zeichen von Wein», beschreibt der örtliche Weinführer Petar Paunovic die Lage. «Hier trinken selbst Schwangere und Stillende. Den ersten kleinen Rausch haben wir schon im Vorschulalter.» Ein Liter täglich sei die übliche Ration pro Person, erzählt er. Vormittags heiße das Verhältnis von Wein zu Wasser 2:1, am Nachmittag bei der Feldarbeit sei es dann umgekehrt. In den Weinhäusern wird aber nicht nur das Genussmittel aufbewahrt - einige sind auch zu einfachen touristischen Schlafstätten ausgebaut.

Der zugewachsene und teilweise verwilderte Friedhof in Rajac birgt Grabstelen, wie sie sonst weit und breit nirgendwo zu sehen sind. Auch wenn die Farben verblasst sind, zeugen sie doch vom Reichtum einer vergangenen Epoche. Denn als im 19. Jahrhundert die Reblaus in Westeuropa wütete und großflächig die Weinberge ruinierte, kamen die große Stunde und das große Geschäft dieser Weinregion. Drei Millionen Liter Wein wurden jährlich nach Westeuropa exportiert. An der Qualität gab es auch für die verwöhnten Gaumen der Franzosen, Spanier und Italiener nichts auszusetzen.

Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Jetzt muss die Region mit kleinen mühsamen Schritten zurück ins Leben befördert werden. Dazu gehört, dass etliche Familien hübsche kleine Hotels oder Pensionen eröffnet haben, die eine Übernachtung in angenehmer Atmosphäre ermöglichen. Doch nach wie vor verirrt sich kaum ein ausländischer Gast hierher, obwohl die Gegend mit landschaftlichen Reizen punktet, vor allem mit dem Donautal. Über fast 100 Kilometer zwängt sich der mächtige Strom hier durch das enge Tal mit nur 200 Metern Breite. Der Fluss ist hier sage und schreibe bis zu 90 Meter tief.

Wenn allerdings am Ausgang der Schlucht bei dem Ort Prahovo im Sommer Niedrigwasser herrscht, gibt die Donau ein zweifelhaftes Erbe aus dem Zweiten Weltkrieg preis: die Reste von Teilen der deutschen Kriegsflotte, die hier auf dem Rückzug zerstört wurden. Noch heute stellen die Wracks gefährliche Hindernisse für die vielen Kreuzfahrtschiffe dar, die auf dem Weg von Passau ins Donaudelta unterwegs sind. Weiter südlich lockt noch die in Westeuropa wenig bekannte antike Ausgrabungsstätte Gamzigrad nahe der Stadt Zajecar. Der spätantike römische Kaiserpalast wartet in großen Teilen immer noch auf seine Ausgrabung - auch hier aber fehlt das Geld.

Touristen-Informationen über Serbien (Englisch) www.serbia.travel

Ausgrabungsstätte Gamzigrad auf der UNESCO-Website (Englisch): http://whc.unesco.org/en/list/1253 Von Thomas Brey, dpa

dpa-infocom