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Neutrale Berater: Schulpsychologen knapp und begehrt

Düsseldorf Lernschwäche, Stress mit den Lehrern, Mobbing in der Klasse oder ein schwieriges Elternhaus: Die Hürden, die sich vor einem Kind in seiner Schullaufbahn auftürmen, können vielfältig sein und scheinen oft unüberwindbar.

Wenn die Probleme den Beteiligten über den Kopf zu wachsen drohen, wird häufig der Rat eines Schulpsychologen gebraucht, um eine Lösung zu finden. Die Fachleute des Schulpsychologischen Dienstes Nordrhein-Westfalen kümmern sich in den Städten und Kreisen aber nicht nur um Wohl und Wehe einzelner Schüler.

Zum Aufgabengebiet gehören ebenso Fortbildung für Lehrer - etwa Projektarbeit in Schulen - und Elternberatung. Bei Suiziden oder tödlichen Unfällen von Schülern werden die Experten zur Aufarbeitung des Erlebten in die Klassen gerufen. Seit dem Amoklauf in einem Emsdettener Gymnasium im November 2006, bei dem ein Schüler wild um sich geschossen und 37 Schüler verletzt hatte, bevor er sich selbst tötete, ist die Krisenintervention bei großen Gewaltereignissen ausgebaut worden.

«Wir sind nicht Teil des Systems Schule und damit auch nicht Partei in einer Konfliktsituation, sondern neutraler Dienstleister», beschreibt Diplompsychologe Stefan Drewes seine Tätigkeit. «Das macht uns als Ansprechpartner begehrt. Außerdem haben wir strenge Schweigepflicht», zerstreut der Leiter der Schulpsychologischen Beratungsstelle in Düsseldorf Bedenken, dass vertrauliche Informationen in falsche Hände geraten könnten.

Drewes ist einer von 266 Psychologinnen und Psychologen, die in den Schulpsychologischen Beratungsstellen der nordrhein-westfälischen Städte und Kreise aktiv sind. Sie sollen rund 2,86 Millionen Schüler betreuen, die die 6688 Schulen des Landes besuchen. Beratungsanspruch haben aber auch die mehr als 170 000 Lehrerinnen und Lehrer. Konrad Großmann, Rektor eines Düsseldorfer Gymnasiums mit knapp 800 Schülern, nimmt das Angebot auch gern an: «Es ist selbstverständlich, dass wir uns professionelle Hilfe holen, bevor wir mit einem Problem in der Sackgasse landen.»

Drewes, der auch Vorsitzender der Sektion Schulpsychologie im Berufsverband Deutsche Psychologinnen und Psychologen ist, betont das krasse Missverhältnis. Rein rechnerisch sei ein Kollege für mehr als 10 000 Schüler und rund 660 Lehrer zuständig: «Wir können derzeit nur zwei Prozent der Schüler in eine Einzelfallberatung nehmen. Der Bedarf ist aber erheblich höher. Dazu kommen noch die vielen Lehrer mit Beratungsbedarf.»

Auch Renate Boese, Fachfrau für Arbeits- und Gesundheitsschutz bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft NRW, formuliert deutlich: «Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist die Zahl der Schulpsychologen ein Witz. Wenn man eine vernünftige Betreuung sicherstellen will, muss man auch Geld dafür investieren», fordert die aktive Realschullehrerin, deren Gewerkschaft rund 43 000 Lehrer in NRW vertritt.

Martin Depenbrock, Vorsitzender der Landeselternschaft der Grundschulen, findet die Zahl der professionellen Helfer ebenfalls zu knapp. «Der Druck auf Schüler, Lehrer und Eltern ist in den letzten Jahren generell gewachsen», sagt der Vater von vier Söhnen, der seit fünf Jahren in der Elternvertretung aktiv ist und sich eine gleichmäßigere Verteilung der Beratungsstellen wünscht.

Mit den teils gravierenden Änderungen im Schulalltag hat sich auch ein Wandel bei den Beratungsthemen vollzogen. Neben Klassikern wie der Lese-Rechtschreib-Schwäche und dem bis in die Beratungsstellen getragenen Disput zwischen Eltern und Lehrern um die richtige Schulform für das Kind beobachtet Drewes ganz neue Problemfelder: «Mobbing im Internet-Chat, Beleidigungen per SMS und Drohanrufe über das Handy sind keine Seltenheit mehr. Insgesamt ist das Sozialverhalten der Schüler deutlich schlechter geworden.»

Nicht nur deshalb hofft Drewes, dass durch Schaffung neuer Stellen das Verhältnis Psychologen-Schüler auf 1 zu 5000 gesenkt werden kann. So steht es in einer Empfehlung der Bund-Länder-Kommission zum Ausbau des Schulpsychologischen Dienstes. Die Empfehlung datiert aus dem Jahr 1974. Von André Kalbreier, dpa

dpa-infocom


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