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Integrierte Gesamtschule: Ein Exot behauptet sich

Mannheim Der typische 70er Jahre Bau wirkt nicht besonders einladend. Derzeit schon gar nicht. Baugerüste an grauem Beton.

Und doch wirkt die Atmosphäre freundlich, fast fröhlich. «Hallo Herr Diehl. Morgen, Herr Diehl», erschallt es immer wieder.

Die Schüler grüßen ihren Direktor. Es wirkt ehrlich gemeint, ungezwungen. Es sind Szenen an der Integrierten Gesamtschule Mannheim-Herzogenried (IGMH). Die Schule ist ein Exot. Drei Gesamtschulen gibt es in Baden-Württemberg. Die anderen beiden sind die Internationale Gesamtschule Heidelberg (IGH) und die Staudinger- Gesamtschule in Freiburg. Alleine an den Namen der Schulen, erst recht aber durch ihre Standorte wird deutlich, dass die Schule in Mannheim anders ist.

Mannheim, die Arbeiterstadt, der Schmelztiegel, Zuhause für rund 160 Nationen. Da meint Integrierte Gesamtschule etwas anderes, da hat sie andere Aufgaben. «Als die Schule öffnete, wollte die damalige Mannheimer SPD-Spitze etwas für die sozialschwächeren Gegenden tun», sagt IGMH-Direktor Gerhard Diehl. Damals entstanden zwölf vergleichbare Schulen, übrig blieben drei. Deren sozialer Auftrag ist geblieben. Doch die Basis hat sich verändert. «Heute haben wir es mit zerbrochenen Familien zu tun, mit Migration, mit der Berufstätigkeit beider Eltern, weil sonst das Geld nicht reicht.»

Theoretisch soll eine Gesamtschule jeweils ein Drittel Haupt-, Real- und Gymnasiumschüler haben. «Diese Mischung hat von Anfang an nicht gestimmt», sagt Diehl. Inzwischen nähert sich die Anzahl der Gymnasiasten aber dem Drittel. Hintergrund ist unter anderem, dass Baden-Württemberg 2004 das Abitur nach acht Jahren Gymnasium eingeführt hat. Lediglich an der IGMH in Mannheim ist es wegen der dreijährigen Orientierungsstufe noch nach neun Jahren möglich. Einer der Gründe, so Diehl, warum mehr Eltern ihre Kinder bei ihm das Abitur machen lassen wollen. Etwa 400 Anmeldungen gibt es für seine Schule, annehmen kann er jährlich nur etwas mehr als die Hälfte.

Rund 1600 Kinder besuchen die Schule. Sie werden von 160 Lehrern in 65 Klassen unterrichtet. Die Zahlen klingen nach Massenbetrieb. Doch dieses System bietet mehr Nähe als das übliche dreigliedrige System: In den Klassenstufen 5 bis 7 sind die drei Regelschulen Hauptschule, Realschule und Gymnasium organisatorisch eng miteinander verbunden. Erst allmählich wird der Verbund immer mehr aufgelöst durch Kurse mit unterschiedlichem Leistungsniveau.

Hinzu kommt der soziale Rahmen: Insbesondere in den ersten Jahren besteht ein enger Kontakt zum zweiköpfigen Klassenlehrer-Team. Diese Lehrer unterrichten die Schüler montags als erste, freitags als letzte Lehrer vor dem Wochenende. Etwa 20 Stunden verbringen sie wöchentlich mit ihren Schülern. «Da sind ganz andere Beobachtungen und Bindungen möglich als im normalen Lehrbetrieb», sagt der Lehrer für Deutsch und Sport. Hinzu kommt die Zeit in den 60 bis 80 Arbeitsgemeinschaften.

Vehement widerspricht der 57-Jährige Einschätzungen von Baden-Württembergs Kultusminister Helmut Rau (CDU), der integrierte Gesamtschulen auf der «Verliererstraße» sieht. «Etwa 50 Prozent der Schüler haben in den drei Jahren der Orientierung einen solchen Schub, dass sie das Gymnasium schaffen, ohne dass man ihnen dies in der Grundschule zugetraut hat», berichtet der 57-Jährige. «Ich weiß nicht, warum er das nicht zur Kenntnis nehmen will.»

Die aktuelle Bildungsdiskussion in Baden-Württemberg hat erneut gezeigt, wie dünn das Eis ist. «In Baden-Württemberg scheut man den Begriff Gesamtschule», sagt der Direktor. Im Schulgesetz ist denn auch von «Schulen besonderer Art» die Rede. Bereits im benachbarten Rheinland-Pfalz hat die Schulform ein anderes Ansehen. Und im Stadtstaat Hamburg besuchten 2004/05 laut statistischem Landesamt 17,6 Prozent der Schüler eine Gesamtschule. In Nordrhein-Westfalen, Hessen oder dem Saarland lag der Anteil noch bei 9 bis 10 Prozent.

«Der ständige Kampf um die Existenz hat uns zusammengeschweißt», nennt Diehl eine positive Folge. Vorzeitige Pensionierungen seien kein Thema. «Wir hatten in den vergangenen 30 Jahren niemanden, der wegwollte, weil es ihm nicht mehr gefallen hat.» Eine der früheren Schülerinnen kehrte dieses Jahr zurück - als Studienassessorin für Mathe und Chemie. Und auf kürzlich sechs ausgeschriebene Stelle gab es seinen Angaben zufolge mehr als 100 Bewerber.

Die Mannheimer Kommunalpolitik samt ihres Oberbürgermeisters Peter Kurz (SPD) steht deutlich hinter der Einrichtung - das zeigen auch die laufenden Bauarbeiten. Für rund 30 Millionen Euro soll bis 2010 aus dem 70er-Jahre-Klotz ein modernes und ökonomisches Gebäude entstehen. «Bis dahin wird es schwierig», sagt Diehl und zeigt auf das Containerdorf für 35 Klassen. «Aber das neue Gebäude wird toll.»

Integrierte Gesamtschule Mannheim-Herzogenried: www.igmh.de Von Marion van der Kraats, dpa

dpa-infocom


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