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Der Alltag bei der TelefonSeelsorge

Wiesbaden/Mainz Wer bei Marianne Schneider (Name geändert) anruft, ist verzweifelt.

Die 48-Jährige arbeitet seit vier Jahren ehrenamtlich für die TelefonSeelsorge Mainz-Wiesbaden, Beratungsstelle der beiden christlichen Kirchen in Deutschland.

Viele Anrufer sorgen sich um ihren Arbeitsplatz, müssen die Trennung von einem geliebten Menschen verarbeiten oder haben einfach seit Tagen mit niemandem mehr gesprochen, erzählt sie.

Der gebührenfreie Notruf in Mainz ist rund um die Uhr besetzt. 94 ehrenamtliche und sechs hauptamtliche Mitarbeiter wechseln sich ab. Marianne Schneider arbeitet pro Monat acht bis zehn Stunden bei der TelefonSeelsorge, manchmal auch nachts.

«Viele denken, jemand ruft erst an , wenn er kurz davor ist, von einer Brücke zu springen», sagt die Ehrenamtliche. Solche Extremsituationen kämen aber nur selten vor. Häufig meldeten sich Menschen mit psychischen Problemen wie Angststörungen oder Depressionen. Etwa 65 Anrufe gehen bei der örtlichen TelefonSeelsorge täglich ein, sagt Pfarrer Jochen Kreyscher, einer der Hauptamtlichen. In etwa zwei Dritteln der Fälle riefen Frauen an.

Mainz-Wiesbaden ist nur eine von mehr als hundert Beratungsstellen der TelefonSeelsorge in Deutschland. Viele Ärzte verschrieben ihren Patienten bei psychischen Beschwerden einfach Antidepressiva, meint Kreyscher. Davon hält er nicht viel: «Die meisten brauchen etwas ganz anderes: Halt, Gespräche, jemand, der ihnen zuhört.» Die Ehrenamtlichen würden sorgfältig ausgewählt, betont der 47-Jährige. Erst nach einer einjährigen Ausbildung dürften die neuen Mitarbeiter mit dem Telefondienst beginnen.

Die häufigsten Themen der Anrufer seien Partnerschaft, Familie und Sexualität, sagt Kreyscher. Auffällig sei zudem der gestiegene Druck am Arbeitsplatz und die zunehmende Vereinsamung vieler Menschen. Oft habe ein Anrufer gleich mehrere miteinander verzahnte Probleme. «Hier müssen wir helfen, das Knäuel zu entwirren und Lebensfäden zu erkennen», erklärt der Pfarrer.

Eine Standardantwort bekommt bei Marianne Schneider niemand: «Es gibt nicht ein Problem x und dafür dann die Lösung y», erklärt sie entschieden. Außerdem gehe es mehr ums Zuhören als darum, Ratschläge zu geben. Schließlich sei sie trotz der einjährigen Ausbildung keine Therapeutin. Anfangs hätten sie die Probleme der Anrufer manchmal belastet, erinnert sich Schneider. Das ist heute anders: «Mit der Zeit lernt man, das, was zum Gegenüber gehört, auch dort zu belassen.»

Ein Ehrenamt wie ihres sei sehr anspruchsvoll und passe nicht zu jedem. «Man muss es mögen, sich einzufühlen», sagt Schneider. Durch ihre Arbeit habe sie auch etwas für sich selbst mitgenommen. «Ich schaue jetzt viel differenzierter hin, nicht nur bei anderen Menschen, sondern auch bei mir selbst.» Die TelefonSeelsorge empfindet sie als eine «Schule in Menschlichkeit».

Oft könne sie spüren, wie entlastend das Gespräch für einen Anrufer sei. Manchmal wünsche sie sich jedoch mehr Mittel, als ihr zur Verfügung stünden. In schwierigen Fällen schlage sie eine persönliche Beratung bei den hauptamtlichen Mitarbeitern vor. Diese sei, ebenso wie die Telefonate, anonym und könne unbegrenzt genutzt werden. «Es gab einmal einen Mann, der war nach 18 Sitzungen scheinbar keinen Schritt weiter», erinnert sich Kreyscher. «Aber dann, in der neunzehnten Sitzung, ist der Knoten geplatzt.»

Die Mitarbeiter der TelefonSeelsorge haben viele verschiedene Funktionen. «Wir sind mal Klagemauer oder Beichtstuhl, mal Sterbebegleiter, mal Frauenversteher und mal Heilende», zählt Kreyscher auf. Nur eines seien sie nicht: Die Retter der Welt.

Die TelefonSeelsorge ist unter folgenden Nummern kostenlos erreichbar: 0800 1110 111 und 0800 1110 222

Informationen über die TelefonSeelsorge: www.telefonseelsorge.de Von Christine Cornelius, dpa

dpa-infocom


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