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HDTV: Superglotzen und falsche Hoffnungen

Berlin Sie sind groß, sie sind schlank und sie liefern ein tolles Bild: Flachbildfernseher mit Diagonalen von mehr als einem Meter sind auf der Elektronikmesse IFA in Berlin (vom 29. August bis 3. September) die unumstrittenen Stars.

In diesem Jahr werden in Deutschland nach Schätzungen des Messemitausrichters gfu rund 4,8 Millionen HD-taugliche Fernseher verkauft. In den Haushalten dürften damit bis Ende 2008 rund 11,2 Millionen HD-Fernseher stehen. Was den Verbrauchern aber weder auf der Messe noch im Handel erzählt wird, ist, dass sie die gestochen scharfen Bilder kaum über das Fernsehen bekommen werden.

Das Gros der HD-Fernseher-Besitzer empfängt ausschließlich den herkömmlichen PAL-Standard und nimmt damit ein suboptimales Bild in Kauf - zwangsläufig, denn das Angebot an Sendungen, die hochauflösend im neuen HDTV-Format übertragen werden, ist dünn. Frei empfangbar sind in Deutschland Anixe über Satellit und Kabel sowie Arte über Satellit. Vorreiter in Sachen HDTV ist der Bezahlsender Premiere - für das HD-Angebot werden allerdings 20 Euro fällig, zusammen mit anderen Paketen 10 Euro.

ARD und ZDF beginnen mit der dauerhaften Ausstrahlung von HDTV erst im Februar 2010 - zum Start der Olympischen Winterspiele in Vancouver. Der Wechsel vom Senden in niedriger Auflösung bis zur ausschließlichen Ausstrahlung in HD werde jedoch Stück für Stück von statten gehen, sagte ZDF-Produktionsdirektor Andreas Bereczky am Freitag auf der IFA. Demnach werden die Öffentlich-Rechtlichen von den Winterspielen an HDTV zwar über Satellit anbieten können. «Der Kabelmarkt wird jedoch ein großes Problem», sagte Bereczky.

Das hat unter anderem mit den zur Verfügung stehenden Kanälen zu tun - es sei nicht in allen Kabelnetzen ausreichend Platz vorhanden. Daher besteht bei ARD und ZDF zumindest der Wunsch, das analoge Fernsehen nach Einführung von HDTV möglichst schnell einstellen zu können, wodurch auch Gelder für die HDTV-Produktion frei würden.

Bei der Verbreitung von HDTV liegt Deutschland hinter mehreren anderen europäischen Ländern wie Frankreich und Großbritannien zurück. Das führt in Einzelfällen dazu, dass innovative HDTV-fähige Geräte hierzulande gar nicht erst auf den Markt kommen. Panasonic zum Beispiel präsentiert auf der IFA mit dem DMR-BW500 seinen ersten Blu-ray-HD-Rekorder für den europäischen Markt. Doch vorerst wird das Gerät nur in Frankreich erhältlich sein. Frankreich sei das einzige europäische Land, das ein entsprechend umfangreiches Angebot an frei empfangbaren HDTV-Sendungen besitzt, so die Begründung.

Darüber, dass der Weg zu einem nennenswertem HDTV-Angebot in Deutschland noch weit ist, ärgert sich der Handel - ein breiteres, vor allem kostenloses Programmangebot in HDTV könnte den Absatz entsprechender Fernseher und Settop-Boxen steigern. Die Konsumenten kaufen immer größere Fernseh-Bildschirme und investieren in HD-taugliche Flachbild-Geräte, heißt es beim Bundesverband Technik des Einzelhandels (BVT). Die heute angebotene Signalqualität reiche bei weitem nicht aus.

Über den Handel wiederum ärgern sich Verbraucherschützer: Der Käufer bekomme vom Händler nicht gesagt, dass er mit seinem herkömmlichen TV-Empfang ein viel schlechteres Bild als im Geschäft empfangen wird, so Matthias Arkenstette von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf.

Was viele Kunden ebenfalls nicht wissen: Die neuen Fernseher können zwar HDTV-Bilder darstellen. Doch um die HDTV-Signale empfangen zu können, benötigen sie einen speziellen Receiver, über den auch die neuen Modelle meist nicht verfügen. Deshalb muss meist eine Settop-Box angeschafft werden. Dennoch wachse der Druck der Konsumenten auch auf die Öffentlich-Rechtlichen, HDTV anzubieten, so Bereczky: «In den Wohnzimmern gibt es derzeit eine Revolution.» Von Sven Appel, dpa

dpa-infocom


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