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Nicht ausspucken - Zaubersaft Speichel hält gesund

Berlin Wem die Spucke wegbleibt, der bekommt nicht nur einen trockenen Mund.

Ein ausbalanciertes System der Immunabwehr in seinem Mundraum gerät aus dem Gleichgewicht.

Das kann Karies, Parodontose und schlimmstenfalls sogar Erkrankungen im ganzen Körper zur Folge haben. «Speichel hält die Mikrobiologie im Mund im Gleichgewicht und hat eine wichtige Wächterfunktion», betont Prof. Gerhard Meyer von der Universität Greifswald zum Tag der Zahngesundheit (25. September). Aber erst Stück für Stück kommt die Forschung hinter die vielfältigen Eigenschaften des Zaubersaftes Speichel, der nicht nur Zähne remineralisiert, sondern auch Wunden heilt, Krankheiten aufzeigt und Mörder überführt.

«Dabei wussten offenbar schon die Steinzeitmenschen, dass es gut ist, den Speichelfluss anzuregen», berichtet der Zahnmediziner. So zeigen Skelettfunde, dass Menschen schon vor rund 23 000 Jahren kleine Kieselsteine lutschten - als eine Art prähistorisches Bonbon oder auch um die Verdauung anzuregen. Rund 100 Millionen Bakterien leben in jedem Milliliter menschlicher Spucke. Etwa 600 Arten sind bislang identifiziert. Viele davon haben schützende Funktionen, einige aber auch schädigende. «Wenn diese Speichelbakterien nun eine Höhle finden, etwa in Zahnfleischtaschen, wo sie nicht mehr belüftet und weggespült werden, können sie nicht nur den Knochen zerstören, sondern über die Blutbahnen auch in den Körper gelangen», sagt Meyer.

Fakt ist zudem, dass heutzutage immer mehr Menschen die Spucke wegbleibt: Etwa ein Viertel aller Deutschen, Tendenz steigend, leidet zumindest zeitweise unter Mundtrockenheit, die durch Medikamenteneinnahme, Diabetes oder Bestrahlungen ausgelöst wird. Hier gilt es, so Meyer, mit zuckerfreien Kaugummis oder notfalls Medikamenten, den Speichelfluss wieder in Gang zu bringen.

Sind die Parodontose- und Karies-Keime nämlich einmal im Körper, können schlimmstenfalls Herzinfarkte, Blutgerinnungsstörungen oder Entzündungen des Herzmuskels die Folge sein. «Die Kardiologen haben die Mundhöhle als Hochrisikogebiet entdeckt», berichtet Meyer. Im Tierversuch sind Zusammenhänge zwischen Parodontose-Keimen und Herz-Kreislauf-Leiden bis hin zu Herzinfarkt und Schlaganfall bereits belegt. Auch bei Frühgeburten und niedrigem Geburtsgewicht besteht ein Zusammenhang mit Zahnfleischerkrankungen der Mutter. «Hier wissen wir aber noch nicht, ob das eine das andere auslöst, oder beides möglicherweise nur Indikator für eine Hormonveränderung in der Schwangerschaft ist», sagt der Arzt. Sorgfältige Mundpflege sei deshalb in der Schwangerschaft umso wichtiger.

Anerkannt sind mittlerweile die Fähigkeiten des Speichels als kriminologisches Hilfsmittel. Ebenso wie aus Haaren oder Hautschuppen sind aus einem Kaugummi untrügliche DNA-Spuren zu entnehmen, die eine Identifizierung des Kaugummi-Kauers möglich macht - sei der nun der Mörder oder der zu bestimmende Vater. Da im Speichel auch zahlreiche Eiweiße zu finden sind, steht er im Fokus der Diagnostika-Industrie: Denn wie viel einfacher wäre es, künftig Aids, Diabetes oder eine Schwangerschaft durch einen simplen, verlässlichen Spucketest festzustellen. Bislang gibt es jedoch noch Probleme damit, da die Speichelmenge und damit die Konzentration der Eiweiße schwankt.

In den USA arbeiten Forscher mit Hochdruck daran mit Hilfe bestimmter Botenmoleküle - sogenannter Messenger-RNA, die die Informationen der Gene in Proteine umsetzen - Mund- oder Brustkrebs per Speichelprobe zu identifizieren. Früherkennung und Nachsorge könnten so vereinfacht werden. Dazu entsteht in den USA derzeit mit Zehn-Millionen-Dollar-Unterstützung (sieben Millionen Euro) der National Institutes of Health eine riesige «Spucke-Datenbank», in der sämtliche Speichel-Proteine katalogisiert werden sollen.

Einen ganz simplen wohltuenden Effekt hat der Zaubersaft aber bereits jetzt - wie niederländische Forscher aus Amsterdam erst im Juli bestätigten, beschleunigt das im Speichel enthaltene Protein Histatin die Wundheilung. Das alte Hausmittel, auf die Schürfwunde am Knie einfach draufzuspucken, funktioniert also wirklich. «Aber es muss die eigene Spucke sein!», betont Meyer.

Tag der Zahngesundheit: www.tag-der-zahngesundheit.de Von Andrea Barthélémy, dpa

dpa-infocom


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