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Musik

Viel zu entdecken auf dem Reeperbahnfestival

Hamburg Schummrige Kriminaltheater, gemütliche Cocktailbars, verschwitzte Großraum-Clubs - die Locations des Reeperbahnfestivals in Hamburg waren in diesem Jahr mindestens genauso vielfältig wie die Bands, die sich im Minutentakt die Klinke in die Hand gaben.

Drei Tage lang (25.09.-27.09.) feierte die Hansestadt die Indie-Gruppen von morgen, die großen Namen von heute und ein bisschen auch sich selbst. Über 15 000 Besucher sorgten für eine ausgelassene Stimmung, das waren 3000 mehr als im Vorjahr.

Auf neun verschiedenen Bühnen wechselten sich innerhalb von drei Abenden über 140 Bands ab. Darunter neben Local Heroes wie Tomte und Gisbert zu Knyphausen auch internationale Top-Acts wie Nada Surf, Sugarplum Fairy und die Lemonheads. In erster Linie gab das Festival seinen Besuchern jedoch die Möglichkeit, noch unbekannte Bands zu entdecken. Frei nach seinem Motto: «New International Music».

Bereits am Donnerstag, dem ersten Festivaltag, stellte finn. alias Patrick Zimmer sein gerade erst erschienenes Album «The Best Low-Priced Heartbreakers You Can Own» vor. Die schaurige Bühne des Imperial Theaters bildete die perfekte Kulisse für den 31-Jährigen, der in seinem dunkelblauen Cape und den Kniebundhosen selbst wie aus einem Theaterstück entsprungen wirkte. Unterstützt wurde er von fünf weiteren Musikern, die Zimmers Singer-Songwriter-Kammerpop mit Geige, Pauke, Kontrabass und Posaune untermalten.

Peter Licht hatte am Freitag mit schlechtem Sound zu kämpfen. Die sonst eher elektrolastige Musik des Kölners wurde auf dem Festival mit Klavier, Akustikgitarre, Schlagzeug und Bass umgesetzt. Etwas ungewohnt gerade in der Version seines wohl größten Hits «Sonnendeck», in der der Sänger sich anfangs nur mit der Gitarre begleitete. Doch spätestens bei den schnelleren Songs hatte Peter Licht das Publikum auf seine Seite gezogen. Das «Lied vom Ende des Kapitalismus» sang schließlich ein Großteil der Zuschauer mit.

Ein weiteres Highlight des Festivals bildete der Auftritt von Get Well Soon. Das Musikprojekt rund um Konstantin Gropper überzeugte vor allem durch seine gelungene Mischung aus epischem Bombast und leisen Klängen gepaart mit mitreißenden Melodien. Über drei Jahre hatte Gropper fast im Alleingang an den Songs seines Debüts «Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon» gewerkelt. Auf der Bühne holte sich der Musiker mit der tiefen Stimme allerdings Unterstützung von fünf weiteren Musikern, die die Klangteppiche à la Sigur Rós eindrucksvoll entfalteten.

Vielen Festivalbesuchern dürften auch Portugal. The Man ein Begriff sein. Die Band aus Alaska bewegt sich zwischen Progressive Rock und Postrock, lässt sich aber nur schwer auf eine bestimmte Musikrichtung festlegen. Das zeigten sie auch am Freitag auf dem Reeperbahnfestival: Zwischen die frickeligen, bis ins letzte Detail ausgearbeiteten Rocksongs hatte sich auch ein leichter verdauliches Stück mit starkem Reggae-Einfluss geschlichen.

Etwas deplaziert auf dem Festival wirkten die Jungspunde von Sugarplum Fairy. Wirklich neu ist der Retrorock der Band nicht. Die fünf Schweden, die vor allem ein junges Publikum in die Große Freiheit 36 zogen, spielten ihr Set mit Songs der drei Alben «The Wild One», «First Round, First Minute» und «Young & Armed» stilecht in schwarzen Röhrenjeans und dunklen Lederjacken. Die großen Brüder von Mando Diao lassen grüßen.

Eine besonders schweißtreibende Show gab es am frühen Samstagabend im Molotow zu sehen. Der melodische Hardcore von Talk Radio Talk aus dem Hamburger Umland ließ den Zuschauern keine Verschnaufpause. Die Bewegung auf der Bühne und die Spielfreude der fünf Musiker war sofort im vollen Raum zu spüren. Wer da noch seine Füße still halten konnte, hatte selber Schuld.

Den wohl skurrilsten Auftritt des Abends legten die Bondage Fairies im Kaiserkeller ab. Ein Gitarrist, ein Bassist und Atari-Geräusche vom Band. Bis hierhin noch nicht unbedingt außergewöhnlich. Doch Markenzeichen der Schweden sind ihre Helme, die mit Gasmasken, blinkenden Lampen und Mensch-Ärger-Dich-Nicht-Figuren verziert sind. Wer jetzt gerade zu den Elektrobeats singt, war nie wirklich erkennbar.

Nada Surf sorgten schließlich für einen würdigen Abschluss des Festivals. Das New Yorker Trio konzentrierte sich darauf, neben den ruhigeren Songs ihres neuesten Albums «Lucky» eine gute Mischung aus über 12 Jahren Bandgeschichte zu liefern. Poprock vom Feinsten, guter Sound im D-Club und dreistimmig gesungene Melodien entließen das Publikum zufrieden in die Nacht mit dem Fazit: Reeperbahnfestival 2009 - gerne wieder!

www.reeperbahnfestival.com

dpa-infocom