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Mainz 05

"Alle mussten sich neu beweisen"

Mainz Nach elf Spieltagen ist der FSV Mainz 05 in der Zweiten Fußball-Bundesliga mit stattlichen 24 Punkten Tabellenführer. Über diese hervorragende Zwischenbilanz in der Ära nach der Kultfigur Jürgen Klopp sprach die MRZ mit dem langjährigen Stammtorhüter und Kapitän Dimo Wache.

Dimo Wache steht beim FSV Mainz 05 im 13. Jahr unter Vertrag. Wenn einer Entwicklungen am Bruchweg beurteilen kann, dann der Torhüter, der vor vier Tagen seinen 35. Geburtstag gefeiert hat.

Herr Wache, Sie haben am Bruchweg die Spieler- und Trainerjahre von Jürgen Klopp komplett aktiv mitbegleitet. Mit welchen Erwartungen sind Sie in die Saison mit dem neuen Trainer Jörn Andersen gestartet?

Das war für alle Beteiligten eine ungewohnte, eine ganz neue Situation. Ich persönlich bin die Sache so angegangen, dass in einem Neuanfang immer auch eine Chance steckt. Und ich denke, wir alle haben diese Chance erkannt und bis jetzt auch sehr gut genutzt.

Wo haben Sie anfänglich mögliche Schwierigkeiten erkannt in diesem Prozess der Neuorientierung?

Eigentlich nur in einem Punkt. Wenn wir am Anfang nicht so gut gespielt und nicht diesen Erfolg gehabt hätten, dann hätten die Skeptiker im Umfeld, die gesagt haben, das kann ja mit Jörn Andersen gar nicht gutgehen, sich bestätigt gefühlt. Und dann hätte es schwierig werden können. Aber das haben wir eindrucksvoll widerlegt.

Haben Sie das Gefühl, dass die Erwartungshaltung nach diesem Topstart in Mainz nun ins Unermessliche steigt und vielleicht auch zu einer Belastung werden kann?

Keiner konnte für diesen Zeitpunkt mit dieser Punktzahl und mit Platz eins rechnen vor der Saison. Nach den ersten Erfolgen, das haben wir schon gemerkt, ist die Erwartungshaltung in Mainz sofort enorm gestiegen. Ich weiß nicht, ob man den Trainern und der Mannschaft damit einen Gefallen tut. Wir selbst haben die Messlatte so hoch gelegt. Wenn dann beim Stand von 0:0 gegen den MSV Duisburg, immerhin ein Mitkonkurrent im Kampf um unser Ziel, im Stadion Unruhe aufkommt, dann hilft uns das nicht während des Spiels. Gegen den MSV hat uns auch das Quäntchen Glück gefehlt, das wir in Ahlen dann hatten. Das sollte man einfach bedenken, es gehört immer auch ein wenig Glück dazu in schweren Spielen.

Hat Jörn Andersen tatsächlich mit seinen Ansätzen auch eine neue Dynamik in die Mannschaft gebracht?

Jörn Andersen hat am ersten Tag ganz klar gesagt, worauf er Wert legt. Bei ihm steht Disziplin ganz weit oben. Das haben alle verinnerlicht, und das war auch wichtig. Insgesamt war der neue Trainer für alle Beteiligten ein riesengroßer Ansporn, jeder von uns musste sich ganz neu beweisen. Und damit kam natürlich auch wieder mehr Zug in die Sache. Das ist wie bei einer neuen Beziehung. In den sieben Jahren mit Kloppo, das muss man ja gar nicht wegdiskutieren, hatte sich hier viel eingeschliffen und da war natürlich auch einiges eingefahren. Jetzt mussten wir uns ganz neu einstellen. Das haben alle gemacht. Und das sieht man dann auch an der Tabelle.

Ist der Trainer auch auf die Mannschaft zugegangen? Wir haben den Eindruck, dass er im Gegensatz zu den ersten Tagen mit Einzelkritik in der Öffentlichkeit sparsamer geworden ist...

Im Sommer-Trainingslager hat Jörn Andersen mit jedem Spieler ein Einzelgespräch geführt. Da hat er klar gesagt, dass er Kritik von Spielern in der Öffentlichkeit nicht duldet. Umgekehrt musste sich der Trainer natürlich auch erst mal an bestimmte Gepflogenheiten hier in Mainz gewöhnen und anpassen. Da ist er auf uns zugegangen, das kann man so sagen.

Wie klappt es zwischen Kapitän und Trainer?

Die Kommunikation läuft sehr gut. Ich bin als Kapitän in viele Dinge involviert. Der Trainer bespricht sich mit mir, auch wenn er die Entscheidungen alleine trifft. Andersen weiß, dass ich schon paar Tage in Mainz bin, dass ich hier schon drei, vier Spiele gemacht habe. Er hat sich auch vor Ahlen meine Meinung angehört. Ich weiß nicht, ob ich einen 18-Jährigen in die Abwehr gestellt hätte, aber der Trainer hat es gemacht, der Junge hat das sehr gut hinbekommen, wir haben 2:0 gewonnen. Alles richtig gemacht.

Kommen wir zur Torhüterdiskussion, die zum Saisonstart tobte. Wie sehr haben Sie sich vom Trainer unterstützt gefühlt in dieser nicht ganz einfachen Situation?

Jörn Andersen hat mir immer wieder gesagt, ich soll mich nicht verrückt machen lassen, ich soll mich einfach nur auf das Wesentliche konzentrieren, er wisse genau, was ich kann. Mein erster Ansprechpartner aber ist in diesen Situationen Stephan Kuhnert, auch Jürgen Kramny hat mich in dieser Zeit sehr stark unterstützt und mir geholfen.

Sie sind jetzt seit drei Spielen ohne Gegentor. Ist das eine Bestätigung für Sie?

Wir haben in 13 Pflichtspielen siebenmal zu Null gespielt, das sind mehr als 50 Prozent. Das ist in erster Linie eine Bestätigung für meine Arbeit. Ich habe nicht aufgesteckt, bin nicht weggelaufen, sondern ich habe immer weitergemacht. Wenn man ein Jahr verletzt war, dann muss man sich neu gewöhnen an den Job im Tor, man muss wieder Selbstvertrauen aufbauen, aber man hat keine Zeit dafür. Jetzt ist mein Rhythmus wieder da. Manuel Neuer war in Schalke drei Monate verletzt, nach seinem Comeback hat er sich erst mal vier Stück selbst reingeworfen.

Wie steht es um den Teamgeist mit diesen vielen gestandenen Profis, die zueinander in Konkurrenz stehen?

Das hat man gesehen in Ahlen. Markus Feulner hat diesmal nicht in der Startelf gestanden, und darüber war er sicher nicht begeistert. Aber er hat nicht gemault und gejammert. Er kam rein, hat die nötige Aggressivität gezeigt und mit seinen beiden Torvorbereitungen das Spiel entschieden. Der Teamgeist ist schon bei uns angelegt, und wenn man Punkte holt, dann fällt das noch leichter. Wir haben 27 Spieler, die Ansprüche erheben. Bis jetzt habe ich nichts Negatives gemerkt. Das läuft. Das hat auch mit dem Charakter unserer Spieler zu tun, der stimmt einfach. Das macht uns stark.

Wo sehen Sie mögliche Fallstricke nach diesem überzeugenden Saisonstart?

Wenn wir glauben sollten, nach 24 Punkten aus elf Spielen wäre schon irgendetwas passiert, dann wäre das ein Fallstrick. Wir sind jetzt die Gejagten in der Liga, jeder will sich damit brüsten, uns geschlagen zu haben. Wir müssen, egal gegen wen, in jedem Spiel hundert Prozent einsetzen. Wir haben Qualität. Die Kunst ist es aber, die immer wieder auf den Platz zu bringen. Wir müssen diesen Level halten, um uns dann auch noch steigern zu können. Wir werden auch am Sonntag Ingolstadt nur dann schlagen, wenn wir unsere Vorgaben konsequent und hoch konzentriert umsetzen. (Das Gespräch führte Reinhard Rehberg)

RZO


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