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Zwanziger: Bernhard Vogel machte es der Partei nicht leicht

Rheinland-Pfalz Den heutigen DFB-Präsident Theo Zwanziger wollte Bernhard Vogel zum Kultusminister ernennen – als Nachfolger von Georg Gölter, der Generalsekretär werden sollte.

Zwanziger winkte aber ab, als Hans-Otto Wilhelm seine Kandidatur ankündigte. Auch er sah er die Generalsekretärslösung nur als "halbe Sache" an, um die Distanz zwischen Basis und Führung zu verkleinern.

Im Gespräch mit unserer Zeitung stellt Zwanziger rückblickend sofort fest: Die 91er CDU-Niederlage bei der Landtagswahl sei nicht allein mit 1988 zu erklären. Denn die Umfragen waren noch Anfang 1991 "exzellent". Als aber Kanzler Helmut Kohl den Solidarbeitrag ankündigte und als "Umfaller" galt, "gingen die Werte für die CDU bundesweit in den Keller. Ohne diesen Gegenwind hätte die CDU mit der FDP weiterregieren können, ist Zwanziger überzeugt. Er empfindet es deshalb "als ungerecht, dass der Verlust der Regierungsmehrheit allein Hans-Otto Wilhelm in die Schuhe geschoben wird."

Er hatte zunächst auch gedacht, dass ein Generalsekretär für Vogel-CDU zum "Befreiungsschlag" werden könnte. Dabei unterschätze er die Stimmung im auf Krawall gebürsteten Norden: Vogels Geste "kam hier nicht gut an, weil Vogel mit Gölter auch gleich eine regionale Entscheidung getroffen hatte und der Norden fürchtete, die Nachfolgeregelung werde gleich mitgetroffen". Als sich Wilhelm für die Kandidatur entschied, sagte sich Zwanziger: "Was soll eine Generalsekretärslösung, wenn es einen jungen Mann mit Perspektive gibt und gegen ihn kein anderer kandidiert? Für mich stand fest: Bei dieser Ausgangslage soll er zu einem Zeitpunkt, den Ministerpräsident Vogel festlegt, auch sein Nachfolger werden. Aber dieses Einvernehmen war einfach nicht herzustellen. Ich weiß dies sehr genau, weil ich auch mehrere Gespräche mit dem Ministerpräsidenten geführt habe. Er hat regelrecht blockiert. Er wollte die Kampfabstimmung dann auch." Vogel habe es der CDU "nicht leicht gemacht".

Zwanziger hat die Lehre gezogen , dass Führungsfragen nur einvernehmlich zu lösen sind. "Parteitage, so demokratisch sie auch sind, überfordern das Volk." Die Erfahrungen von 1988 haben für ihn beim DFB "eine große Rolle gespielt". Er hätte eine Kampfkandidatur gegen Gerhard Meyer-Vorfelder vermutlich gewonnen. Aber er hatte den Tag danach im Auge, der "ein ganz schwieriger geworden wäre". Aus Zwanzigers Sicht gibt es denn auch nur einen Punkt, an dem er Wilhelm kritisieren "kann und muss: "Der Tag danach war nicht ausreichend vorbereitet und nicht in allen Facetten durchleuchtet worden." Wilhelm scheute den Durchmarsch als Wortbruch: Carl-Ludwig Wagner, der als Vogel-Mann galt, wurde Ministerpräsident. Für Zwanziger ist es "enttäuschend", dass Wilhelms "saubere, menschlich und charakterlich anständige Haltung" schlecht ankam. Daraus "müsste man ja den Schluss ziehen: Manchmal ist es besser, zu lügen. Dann kommst du weiter."

Der Parteitag von 1988 hatte die Partei gespalten. Seitdem bilden sich immer wieder neue Lager. Zwanziger erklärt dies auch mit Ungeduld. "Nach einer Wahlniederlage ist alles in Unordnung. 1991 war die Partei nicht nur menschlich und inhaltlich, sondern auch regional tief zerrissen." Mit der Wahl eines neuen Vorsitzenden werde die Aufarbeitung des "Betriebsunfalls" wieder verdrängt. Mit Johannes Gerster war die CDU dicht davor, wieder Regierungsverantwortung zu übernehmen, meint Zwanziger. Aber dann habe sich die CDU nicht gefragt, wie sich die Lage stabilisieren lässt. "Es wurde gleich wieder nach einem neuen Spitzenkandidaten gerufen." (Ursula Samary)

RZO