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Estland auf Hanseatisch: Traditionen in Tallinn

Tallinn Von weitem erinnert der Klotz an einen Inka-Tempel. Oder an einen Bunker.

In jedem Fall wirkt er fehlplatziert - hier, nahe des Kreuzfahrthafens von Tallinn.

Von den Schiffen steigen gerade Passagiere, um sich den Tag in der estnischen Hauptstadt zu vertreiben. Den stufig ansteigenden Betonklotz ignorieren sie. Das Kulturzentrum aus Sowjetzeiten bleibt sich selbst überlassen. Von seinem Dach aus kann man die Wellen der Ostsee anrollen sehen und bis zur Altstadt blicken. Eigentlich ist es ein perfekter Ort - und tatsächlich hat Tallinn mit seinem Hafengebiet große Pläne. Bis die Realität sind, zieht es Besucher aber allein in die Altstadt.

Von «der» Altstadt kann man in Tallinn eigentlich nicht sprechen. Vielmehr gibt es zwei Altstädte, die Ober- und die Unterstadt, eingerahmt von einer Stadtmauer. «Ober- und Unterstadt unterscheiden sich wie Tag und Nacht», sagt die Stadtführerin Ülle Tamm. Vom 13. Jahrhundert an war die Oberstadt Regierungssitz. Hier lebten die Bischöfe und die Ritter des Deutschen Ordens. «Von dort wurde das ganze Land beherrscht - mit Ausnahme der Unterstadt.» Denn dort hatten sich die freien Händler niedergelassen, Mitglieder der Hanse.

Besucher aus Deutschland stoßen in Ober- wie Unterstadt auf überraschend viel Vertrautes. Die Speicherhäuser in den Straßen Pik und Lai könnten auch in Lübeck stehen. Auffällig ist hier vor allem das rot-grün-gold verzierte Portal der Schwarzhäupter - der Organisation lediger Kaufleute.

Ganz verschwunden sind die mittelalterlichen Ständeorganisationen nicht: In der Katharinen-Gilde haben sich Künstler der Stadt zusammengeschlossen. Ihre Arbeiten bekommen Besucher in der Katharinenpassage zu Gesicht. Auf der einen Straßenseite liegen die Werkstätten der Künstler, auf der anderen das Katharinenkloster. Die Statik der Häuser sichern Querverstrebungen aus dem für Tallinn so charakteristischen Kalkstein.

Obwohl Tallinn viele Herren hatte - Dänen und Schweden, Russen, Deutsche und Sowjets - blieb die Altstadt weitgehend intakt. Die gewundenen Gassen laden zu ausgiebigen Spaziergängen ein. Den Mittelpunkt der Stadt bildet das 1404 erbaute Rathaus.

Auf dem Domberg ist es vor allem die Domkirche, die von deutscher Vergangenheit erzählt. Altarraum und Seitenwände sind über und über mit hölzernen Wappen der Ritter behängt. Die Edlen und Wohlhabenden konnten sich in der Kirche eine Grabstätte kaufen. Nur wenige Schritte von der Domkirche entfernt liegt die frühere «Domschule zu Reval» - Reval war der deutsche Name für die estnische Stadt.

Von den Aussichtsplattformen haben Besucher einen weiten Blick über die Stadt - und sehen das neue Tallinn wachsen. Hinter der Altstadt ragen Büro- und Hoteltürme in den Himmel. Ehrgeizige Pläne gibt es für das Hafengelände - was nicht zuletzt daran liegt, dass Schiffe für Tallinn schon jetzt eine große Bedeutung haben.

Bislang steigen die Passagiere der Kreuzfahrtschiffe an einem unwirtlichen Ort aus - Brachen, verfallene Industriegebäude und Betonklötze wie das Kulturzentrum säumen den Hafen. Das soll anders werden, wenn Tallinn 2011 Europäische Kulturhauptstadt ist. In den einstigen Fabrikgebäuden sollen dann Kreative einziehen, sagt Stefan Schmidtke von den Organisatoren der Kulturhauptstadt.

Informationen: Baltikum Tourismus Zentrale, Katharinenstraße 19-20, 10711 Berlin, Telefon: 030/89 00 90 91

Baltikum Tourismus Zentrale: www.baltikuminfo.de Von Carina Frey, dpa

dpa-infocom