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Loriot wird 85 Jahre alt

Berlin - Der Ernst des Lebens ist heiter wie die Kunst - von Loriot.

Denn Komik hat für ihn mit Irrtum im Alltag zu tun - oder mit grotesken Missverständnissen.

Womit Loriot so etwas wie ein «Karl Valentin des Cartoons und des deutschen Fernsehens» geworden ist - jedenfalls «Deutschlands komischste Figur». Der am Starnberger See und in Berlin lebende Preuße Vicco von Bülow, der an diesem Mittwoch 85 Jahre alt wird, wollte beweisen, dass die Deutschen wie alle anderen Nationen auch Humor haben - und ist damit prompt einer der populärsten Deutschen geworden. Im vergangenen Jahr landete Loriot in der ZDF-Sendung «Unsere Besten - Komiker & Co» auf dem ersten Platz.

Der am 12. November 1923 in Brandenburg an der Havel geborene Vicco von Bülow ist von Hause aus ein pedantischer Bildungsbürger und Spross einer Offiziersfamilie, der sich über seine eigene Gesellschaftsschicht lustig machen kann - auch nicht gerade eine typisch deutsche Eigenschaft. Dabei hat der «emeritierte preußische Spaßadler» allerdings auch gerne alles unter Kontrolle - so gleicht sich das wieder aus. Loriot hat legendäre Männer-Frauen-Dialoge geschrieben und den vielleicht bekanntesten Rentner und Lottomillionär der Fernsehgeschichte geschaffen - Erwin Lindemann (alias Heinz Meier), der seit 66 Jahren Rentner ist und mit seiner Tochter und dem Papst in Wuppertal eine Herrenboutique eröffnen will. Auch der Streit um das hartgekochte Frühstücksei mit dem Schlusssatz «Morgen bringe ich sie um!» ist TV-Kult geworden. Von «Wum und Wendelin» und Weihnachten bei Hoppenstedts ganz zu schweigen.

In die Fernsehgeschichte ist längst auch das sagenhafte Badewannen-Duell um eine Gummi-Ente mit den beiden knollennasigen Akademikern Dr. Kloebner und Müller-Lüdenscheid eingegangen. Und Sprüche aus Loriot-Sketchen wie «Hildegard, warum sagen Sie denn nichts?» oder «Wo laufen sie denn?», «Früher war mehr Lametta» und das knappe und doch alles umfassende «Ach was!?» sind längst zu geflügelten Worten in der deutschen Umgangssprache geworden. Aber auch für Kleinsparer hatte Loriot immer und vielleicht wieder ganz aktuelle Finanztipps parat: «Ein 97-jähriger Angestellter kann mit 53 Kindern eine Steuerersparnis von 386 000 DM jährlich erzielen.»

Trotz aller Popularität hat es Bernhard Victor Christoph Carl von Bülow, der seinen Künstlernamen Loriot nach der französischen Bezeichnung für das Wappentier der Bülows (den Pirol) wählte, wie viele andere namhafte Humoristen auch immer gewurmt, dass die Deutschen Komiker und Humoristen auf ihrer Werteskala doch ziemlich weit unten ansiedeln. «Der Tragöde ist ganz oben.»

Dabei ist doch der Schritt vom einen zum andern oft nur klitzeklein, wie Loriot meint. Die «Fallhöhe» macht's. Er zeige doch nur allzumenschliche Dinge, die jedem passieren können und einen großen Wiedererkennungswert haben. Aber «im Ernsten noch komisch zu sein», wie er es formuliert, ist halt nicht jedem gegeben.

Und: «Es wird in keinen meiner Filme irgendwo gelacht, nirgendwo. Lachen sollen die Zuschauer», wie Loriot in einem Gespräch mit der Wochenzeitung «Die Zeit» jetzt betonte. Über das Lachen bei heutigen Comedians - das Wort kommt dem «Grandseigneur des Unfugs» oder «Grafen der Heiterkeit» nur schwer über die Lippen - äußert sich Loriot in gewohnter Vornehmheit, wenn er, wie es in dem Interview heißt, «nach den richtigen Worten sucht beim Beschreiben des Phänomens Mario Barth». Andere Kollegen wie Günther Jauch etwa ärgert es bis heute, dass in einer Internet-Suchmaschine die Kombination «Loriot/Sex» 2240 Treffer erziele, «450 mehr als bei der Kombination Jauch und Sex», wie Jauch einmal augenzwinkernd bemerkte.

Loriot hat eigenem Bekunden zufolge keine Ideen, wenn er an die Arbeit geht. «Ideen braucht man nur, wenn man nichts erlebt.» Vicco von Bülow hat ein Leben lang genug erlebt und nur genau beobachtet - die große Geste und das kleine Missgeschick, die kleinen und die großen Missverständnisse und die Sprachlosigkeit, den hohen Anspruch und die raue Wirklichkeit mit den Tücken des Alltags, die Menschen an den Rand des Nervenzusammenbruchs führen. Das kann mit den kleinsten Anlässen beginnen - beim schiefen Bild im Wartezimmer, das man doch nur zurechtrücken wollte und dabei ein Trümmerfeld hinterlässt oder bei den Kosakenzipfeln im Restaurant, die als Zankapfel eine langjährige Freundschaft zweier Ehepaare in die Katastrophe führen. Und überhaupt: «Männer und Frauen passen eigentlich nicht zusammen.»

Dabei besitzt Loriot immer noch genügend Selbstironie, auch nicht gerade eine typisch deutsche oder gar preußische Eigenschaft. Das bewies er schon anlässlich früherer runder Geburtstage, wenn er sich den dazugehörigen Sketch gleich selber schrieb - natürlich mit seiner unvergesslichen langjährigen und inzwischen gestorbenen Fernsehpartnerin Evelyn Hamann oder mit Erwin Lindemann alias Heinz Meier, ein brillanter Schauspieler, der oft im Schatten des «großen Meisters» steht. Hamann stellt im Fernsehstudio die alles entscheidende Frage an den Jubilar: «Wer ist Loriot? Viele Masken, viele Gesichter. Bisher kannten wir ihn nur als den Herrn, der etwas steif auf dem Sofa sitzt, gelegentlich freundlich lächelnd und im Ganzen etwas kühl wirkend.»

In Wahrheit feiert Loriot nicht gerne , erst recht keine runden Geburtstage («Das macht nur Umstände»), die er im übrigen auch gerne mit einer seiner berühmten philosophischen Fragestellungen zu beenden pflegt: «Und was nun?» Dafür kommt er nun zum 85. Geburtstag ins Museum, wo im Berliner Film- und Fernsehmuseum am Potsdamer Platz seit dem 6. November die bisher umfassendste Loriot-Ausstellung zu sehen ist. Dem Besucher bleibt es überlassen, ob er dabei den «wahren Loriot» entdeckt, der produktiv wie nur wenige als Zeichner, Texter, Schauspieler, Autor, Festredner, Fernseh-, Kino- und Opernregisseur, Bayreuth-Pilger und sogar Dirigent (vor den Berliner Philharmonikern) tätig war. Auch wenn er meint, es sei ihm in über 80 Jahren «nicht gelungen, mich dauerhaft einer Tätigkeit zu verschreiben, die man allgemein hin als Beruf bezeichnet - die berufliche Frage ist nie ganz gelöst worden».

Selbst als Filmregisseur hat es Loriot zu Lorbeeren und Ruhm gebracht. Sein Kinodebüt «Ödipussi», zum Teil im Berliner Wohnviertel seiner Kindheit in Berlin-Wilmersdorf gedreht und in dem der 56- jährige Möbelverkäufer von seiner Mutter immer «Pussi» gerufen wird, war 1988 ein Riesenerfolg, übrigens am selben Abend in Ost- und West-Berlin in der damals noch geteilten Stadt uraufgeführt. Danach drehte er noch «Pappa ante portas». Sein «opus magnum» liegt inzwischen auch längst als opulente DVD-Kassette mit den «gesammelten Werken aus Film und Fernsehen» vor.

Nach so viel «Dienst am Humor der Bundesrepublik» hat sich Loriot längst zurückgezogen, blickt sinnierend auf den Starnberger See oder spaziert um den Berliner Savignyplatz, wo man den alten Herrn mit Emil, seinem achten Mops («Ein Leben ohne Möpse ist möglich, aber sinnlos»), auf der Parkbank sitzen sehen kann. Auf die «Zeit»-Frage, ob er das Gefühl verspüre, «dass man gehen soll, wenn es am schönsten ist», antwortet Vicco von Bülow in preußisch knapper Manier: «Ja.» (Die ARD zeigt am 13. November um 22.45 Uhr die Porträt-Collage «Bernhard Victor Christoph Carl von Bülow, genannt Loriot»)

dpa-infocom



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