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Charles - Ein Leben in der Prinzenrolle

Prinz Charles ist seit mehr als 55 Jahren britischer Thronfolger. Seit seine Mutter, Königin Elizabeth II., im Jahr 1952 die Regentschaft übernahm, ist ihr ältester Sohn die Nummer eins in der Nachfolge. Ob er aber überhaupt jemals den Thron besteigen wird? Heute feiert er seinen 60. Geburtstag.

London - Bei einem Rundgang im Windsor-Palast sieht man ein Foto von einem Baby, das in die Kamera starrt. "Ein Leben im Dienst für das Königreich beginnt", notierte 1948 der Fotograf, der die erste offizielle Aufnahme des kleinen Charles Mountbatten-Windsor machen durfte. Er dient der Queen, ohne die Gewissheit zu haben, jemals ihre "Staatskrone" mit 2868 Diamanten auf sein Haupt gesetzt zu bekommen. Charles ist die ewige Nummer zwei, der Prinz mit der längsten Wartezeit in der Geschichte der britischen Monarchie. Er sei gar nicht scharf auf den "Chefposten", lässt der Thronanwärter verkünden, weil die Beförderung das Ableben seiner "verehrten Mutter" erfordere.

Zum heutigen 60. Geburtstag ihres ergrauten Sprösslings wird sich die 82-jährige Königin vermutlich wie immer in Topform präsentieren. Doch das soll nicht die Stimmung auf der Party des Prinzen von Wales trüben, der sich ein Ständchen von Rock-Oldie Rod Stewart (63) gewünscht hat. Genau gesagt hat der Hof zwei Feier-Termine im Protokoll: Gestern schon versammelte Elizabeth II. rund 170 Gäste zu einem Jubiläumsbankett. Morgen erwarten Charles und Camilla 80 Verwandte und Freunde zum Festessen in ihrer Residenz Highgrove.

Es sei unmoralisch, zwei Feten zu feiern, während alle "die Gürtel enger schnallen müssen", nörgelt die "Daily Mail". Doch Charles hat sich noch nie viel um Kritik geschert. Die Briten kennen ihren Prinzen als exzentrischen Sturkopf. Seine Mitarbeiter nennen ihn einen "Dissidenten", der keine Dogmen anerkenne. Auf jeden Fall ist Charles jedoch ein Öko-Pionier, der sein Land verändert hat. Noch vor 15 Jahren wurde der "Anwärter" für seine umweltgerecht produzierten Möhren als Spinner belächelt. Doch heute setzt die ökologische Landwirtschaft auf der Insel jährlich eine Milliarde Euro um.

Die Geschichte von Charles, sein Leben in der Prinzenrolle, wird aber vordergründig immer die Geschichte von erfüllter und unerfüllter Leidenschaft sein. Ende der 70er-Jahre lernte er Lady Diana Spencer kennen, die er 1982 heiratete. Viel Gefühl war wohl nicht im Spiel: Angeblich soll der Prinz damals schon seine Camilla verehrt haben.

Erst mehr als 20 Jahre später - die "Prinzessin der Herzen" war längst tot - durfte er die Frau heiraten, bei der sich Charles bei einem berühmten Sex-Telefonat gewünscht hat, ein "Tampon" zu sein. Seit ihrer Vermählung 2005 sind die Briten mit Camilla versöhnt - und mit Charles, den viele im Ehedrama um Diana als hartherzig empfunden hatten. Auch die Tatsache, dass der Prinz alleine seine Söhne William und Harry großziehen musste, machte ihn sympathischer in den Augen mancher Kritiker. Heute erkennen viele an, dass der Thronanwärter für das Königshaus und sein Land viel geleistet hat.

Als Prinz von Wales muss Charles die Queen bei Empfängen vertreten. Er reist oft ins Ausland, um die britischen Kontakte zu Teilen des früheren Imperiums zu pflegen. Er leitet 21 Wohltätigkeitsorganisationen und eine Stiftung, die jungen Menschen hilft. Neben diesen Verpflichtungen betreut Charles als Schirmherr oder Präsident nicht weniger als 360 politische und wissenschaftliche Organisationen.

Trotz des Termindrucks hat es der älteste Sohn der Königin geschafft, sich Freiräume für seine Hobbys zu erkämpfen: das Gärtnern in Highgrove und die "Natur"-Farm, die Lebensmittel unter dem Markennamen "Duchy Originals" produziert. "Wir starteten mit drei Feldern, und bis 1994 hatten wir alles auf den organischen Ackerbau umgestellt", erzählt ein Angestellter des Prinzen im 140 Hektar großen Öko-Paradies. "Die Nachfrage nach unseren Produkten, die allesamt ohne Dünger hergestellt werden, ist riesig", versichert der Farm-Manager. Die Erlöse aus "Duchy"-Marmelade und -Suppe gehen an wohltätige Zwecke. Das Kontroverse am "organischen Geschäft" des reichen Thronfolgers ist, dass er sich die Biofarm von europäischen Steuerzahlern teilfinanzieren lässt: So soll Charles 2004 etwa 300 000 Euro an EU-Agrarsubventionen bezogen haben.

Er hat in Highgrove Strom aus erneuerbaren Energien eingeführt und seinen Aston Martin auf Biodiesel umgestellt. In Großbritannien kritisieren dennoch viele den "klimaneutralen" Prinzen dafür, dass er in die USA fliegt, um einen Umweltpreis entgegenzunehmen. Ein anderes Mal hätte Charles auf einer Dienstreise einen Charterflieger nehmen können, doch er ließ sich "aus Umweltgründen" eine Luxusyacht bezahlen. Das fanden viele Briten nicht witzig. Er eckt gern an - mit dem Ruf nach einem McDonald's-Verbot oder durch seine feindselige Haltung zur Gentechnik, die er ein "misslungenes Experiment mit der ganzen Menschheit" nennt.

Der Prinz ist in der Vergangenheit oft in Fettnäpfchen getreten. So bezeichnete er chinesische Politiker als "schreckliche Wachsfiguren". Charles kann angeblich Journalisten nicht ausstehen. Sie zahlen es ihm heim, indem sie seine Marotten verspotten: Er soll zu Blumen sprechen und sich die Zahnpasta von einem Hofdiener auf die Bürste drücken lassen. Außerdem köpfe Charles täglich bis zu sieben Frühstückseier. Warum? Angeblich, weil er nur ideal gekochte Eier anerkennen mag.

Von unserem Londoner Korrespondenten Alexei Makartsev

RZO