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Musik

Blood Red Shoes und 1984 in Hamburg

Hamburg Franzosen und Briten können sich angeblich nicht gut leiden: Das ist ein Vorurteil, das seit vielen Jahrhunderten schon durch den Raum wabert. Ganz anders sieht es da bei den Blood Red Shoes und der Newcomerband 1984 aus.

Mit ihren düsteren Gitarrensounds à la Joy Division lockten die drei Franzosen das britische Duo auf einem Festival aus dem Backstage-Bereich und begeisterten diese dermaßen, dass Blood-Red-Shoes-Drummer Steven Ansell und Sängerin Laura-Mary Carter beschlossen, 1984 vom Fleck weg für ihre bevorstehende Tournee zu verpflichten. Liebe auf den ersten Blick könnte man meinen.

Über das Ergebnis dieser fruchtbaren Zusammenarbeit konnte sich das Hamburger Publikum im Knust (6.11.) seine eigene Meinung bilden. Keine Frage, dass das Event schon im Vorfeld ausverkauft war. 1984 beeindruckten vor allem durch die visuelle Darstellung ihrer Musik. Im Bühnenhintergrund flackerte ein in schwarz-grau-weiß gehaltener Film über eine riesige Leinwand. Neben dem Bandlogo, einem Torso mit Zebrakopf und den Bandmitgliedern Etienne Nicolini, Bruno Pelgatti und Thomas Figenwald, waren immer wieder Szenen verhängnisvoller Dystopien zu sehen: Menschen im Gleichschritt, unfähig aus ihrer Konformität auszubrechen. Ganz in der Tradition ihres Bandnamens, der an den britischen Literaturklassiker von George Orwell angelehnt ist.

Keine Frage, dass auch die Texte von 1984 nicht von einer fröhlichen Vision der Gegenwart dominiert werden. Die drei Straßburger Jungs singen vor allem von ihrer eigenen Generation, die von den Freiheiten und ihren eigenen Möglichkeiten alles zu tun, gefangen ist. Die musikalische Ausdrucksform hat die Band im New Wave gefunden, immer mal wieder verziert durch Rockabilly- oder Country-Elemente. Ihr Set, das neben Songs wie «The Missing Voice», «L'Homme Aux Os», «The Wait», «Skandiska» und der Single «Cache-Cache» von ihrem gerade erst in Deutschland erschienenen Album «Open Jail» auch aus neuen Songs wie «Territory» besteht, wurde von den Hanseaten begeistert aufgenommen.

Besonders laut wurde es jedoch , als Sänger Nicolini einen Wettbewerb mit anderen Konzertstädten ausrief. Mit einer Filmkamera in der Hand forderte er in gebrochenem Deutsch: «Wir filmen das Publikum bei allen unseren Shows. Wer am lautesten und längsten schreit, bekommt einen Preis. Welchen, das wissen wir auch noch nicht.» Die Lautstärke, die in den kommenden Minuten erreicht wurde, konnte auch von dem Hauptact, den Blood Red Shoes, später nicht wieder getoppt werden.

Die Band aus der Küstenstadt Brighton ließ dann auch einige Zeit auf sich warten. Denn zuerst musste eine altmodische Wohnzimmerlampe, die partout nicht leuchten wollte und anscheinend ein wichtiges Utensil für die Bühnenshow der Blood Red Shoes darstellte, wieder auf Vordermann gebracht werden. Nach langer Umbauphase stürmte das lang erwartete Duo schließlich die Bühne. Nach einem Gastspiel im April im Molotow und auf dem Reeperbahnfestival, war der Auftritt in der Hansestadt nun schon das dritte Hamburg-Konzert des Duos in diesem Jahr.

Ihr ausgedehntes Touren könnte dann auch einer der Gründe sein, warum Carter und Ansell an diesem Abend ein wenig ausgelaugt und müde wirkten. Die schüchterne Gitarristin ließ sich gerade einmal zu einem «Dankeschön» hinreißen, während der sonst so gesprächige Drummer sich zwischen den Songs immerhin kurz an das Publikum wendete. Der guten Stimmung tat dies jedenfalls keinen Abbruch. Die Songs des Debütalbums «Box of Secrets» wie «Doesn't Matter Much», «Try Harder», «Say Something Say Anything», «It's Getting Boring By The Sea», «Forgive Nothing», «This Is Not For You», «You Bring Me Down» und «I Wish I Was Someone Better» wurden frenetisch gefeiert und ließen keine Wünsche offen. Die Gitarrenläufe waren bissig wie eh und je, das Schlagzeug rotzfrech gespielt wie auch auf der Platte. Selbst die drei neuen Stücke passten sich nahtlos in die Tradition des Debüts ein.

Die Stimmung kippte jedoch, als nach elf Songs alles vorbei sein sollte. Eigentlich kein Problem, wenn die Erwartungshaltung der Fans auf eine Zugabe nicht noch dadurch geschürt worden wäre, dass das Licht minutenlang nicht eingeschaltet wurde. Das Hamburger Publikum wollte mehr - und wurde enttäuscht. Schließlich ertönte dann doch die Musik vom Band. Die Blood Red Shoes hatten wohl keine Lust auf eine Zugabe. Nicht gerade die feine englische Art.

www.myspace.com/band1984

www.bloodredshoes.co.uk

dpa-infocom