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Kulinarisches Thüringen: Wurst und Klöße sind Kult

Holzhausen/Erfurt Auf den Feldern längs der Straße nach Holzhausen werden Rüben und Roggen angebaut.

Aber kaum ist der Ort zwischen Weimar und Erfurt erreicht, dreht sich alles nur noch um die Wurst.

Am Ortseingang wurde ihr ein Denkmal gesetzt: Dort ruht eine riesige Rostbratwurst in einem überdimensionalen Brötchen. Der Kult um die Wurst hat in Holzhausen Tradition. Und so passt es, dass Deutschlands erstes Bratwurstmuseum hier seinen Sitz hat.

«Bratwurst ist für uns mehr als ein Lebensmittel - es ist unser leckerstes Kulturgut», sagt Thomas Mäuer vom Verein «Freunde der Thüringer Bratwurst». Nun wird überall in Thüringen gern Bratwurst gegessen. Seine kulturhistorische Berechtigung, Sitz des «1. deutschen Bratwurstmuseums» zu sein, bezieht Holzhausen aber aus den Zeilen eines Propstes in einem nahen Kloster: Der notierte 1404 die Groschen, die für den Kauf von Därmen für Bratwurst nötig waren - die erste urkundliche Erwähnung der Thüringer Spezialität.

Es gibt Leute, die behaupten, eine gute Thüringer Rostbratwurst brauche keinen Senf. Und es gibt andere, die meinen, guter Thüringer Senf brauche keine Rostbratwurst. Zu den Vertretern der zweiten Fraktion gehört Friedrich Morgenroth, Spross einer Müller-Dynastie in Kleinhettstedt, nicht weit von Ilmenau.

Was die Bratwurstfreunde können, kann er schon lange. Und so hat er die Mühle, in der seine Vorfahren seit 1732 für die Bauern der Umgebung gemahlen haben, zu einem Museum ausgebaut. Heute sieht das Mahlwerk nur noch Senfkörner. Um die 30 Tonnen Senf entstehen in der Senfmühle pro Jahr. Und mittlerweile sind mehr als 20 Sorten Standard: mit Zwiebeln oder Bärlauch, Tomate-Olive oder Knoblauch.

Morgenroths Experimentierfreude kennt kaum Grenzen: «Wir haben auf Wunsch auch schon mal Kaktussenf probiert», erzählt er. Industriesenf sei mit Blick aufs Aroma mit den Kreationen aus Kleinhettstedt nicht zu vergleichen, behauptet Morgenroth. Gemahlen werde bei ihm viel langsamer. Dadurch erhitzten sich die ätherischen Öle im Senf nicht und blieben erhalten - und damit auch die natürliche Schärfe.

Kulinarik und Kultur lassen sich mühelos verbinden. Das war auch in früheren Jahrhunderten nicht anders: Veit Bach zum Beispiel war ein Könner beim Brotbacken genau wie beim Lautenspiel. Um das Jahr 1600 kam er aus Ungarn ins thüringische Wechmar. Die Ortschaft gilt heute als Wiege der Bach-Familie. Dort ist nicht nur das Bach-Stammhaus zu besichtigen, sondern auch die Veit-Bach-Obermühle, in der der Ururgroßvater von Johann Sebastian Bach als Müller und Bäcker wirkte. Im Backofen der 1585 gebauten Mühle wird wieder Brot gebacken - die Küche ist eingerichtet wie in der frühen Neuzeit.

Mit Wurst, Senf und Brot erschöpfen sich Thüringens kulinarische Spezialitäten aber nicht: Unbedingt Erwähnung verdienen die Klöße, denen in Heichelheim nördlich von Weimar ein Museum gewidmet ist. In der Landeshauptstadt Erfurt zeigt sich dagegen, dass die Thüringer auch den süßen Seiten des Lebens etwas abzugewinnen wissen. Alex Kühn hat einen Beruf daraus gemacht. Er ist Chocolatier bei der Goldhelm Schokoladenmanufaktur und sprüht vor Ideen. Er experimentiert mit tasmanischem Bergpfeffer genauso wie mit Paprika, Wacholder, Ingwer und Chili. Am Anfang sei er nicht sicher gewesen, ob so etwas in Erfurt eine Chance hat, sagt Kühn. Aber dann haben sich die Thüringer doch überzeugen lassen, dass Bratwurst und Klöße nicht alles sind.

Informationen: Tourist Information Thüringen, Willy-Brandt-Platz 1, 99084 Erfurt, Telefon: 0361/374 20

Touristeninformationen im Internet: www.thueringen-tourismus.de Von Andreas Heimann, dpa

dpa-infocom