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Spanien: Hektik im «Dorf, in dem nie etwas passiert»

Madrid In Miravete de la Sierra geht es gemächlich zu.

«Hier vergeht die Zeit noch nicht einmal, wenn man die Uhr vorstellt», scherzt Cristóbal Sangüesa. «Es gibt keine Autos, keine Ampeln, eigentlich gibt es hier gar nichts.».

Der 86-Jährige ist einer der gerade mal zwölf Einwohner dieses winzigen Bergdorfes nahe Teruel im Osten Spaniens. Am meisten sei dort um 11.00 Uhr morgens los, fährt er fort. «Dann gehen wir alle Brot kaufen.» Abwechslung kann noch das öffentliche Telefon im Ort bringen: Es geht dran, wer gerade in der Nähe ist.

Abseits jeglicher Touristenpfade gelegen, war Miravete bislang ein weißer Fleck auf der Landkarte. «Schau und hau ab», ließe sich der Name übersetzen. Wie viele Ortschaften in der spanischen Provinz hat das Dorf stark unter der Entvölkerung gelitten: Die Jungen zogen auf der Suche nach Arbeit in die Städte, die Alten blieben zurück. Selbst der Bürgermeister lebt im 150 Kilometer entfernten Saragossa. Keiner der Einwohner Miravetes ist jünger als 70.

Doch nun ist der eigentlich idyllisch gelegene Ort mit seinen Natursteinhäusern praktisch über Nacht berühmt geworden - und Cristóbal und seine Nachbarn mit ihm. Zu verdanken haben sie dies einer originellen Werbekampagne, die unter dem Titel «Das Dorf, in dem nie etwas passiert» im Internet und einigen Pay-TV-Sendern läuft. Sie wurde von dem argentinischen Publizisten Pablo Alzugaray konzipiert. Er hatte den Auftrag erhalten, die Reichweite dieser Sender für etwaige Werbekunden zu testen. «Daraus wurde dann ein Kommunikationsexperiment», sagt der 39-Jährige. Es galt herauszufinden, ob es möglich ist, einen völlig unbekannten Ort mit relativ geringem Aufwand bekanntzumachen.

Das Experiment, an dem sich die Einwohner begeistert beteiligten, ist gelungen. Die Internetseite Miravetes hat in einem Monat mehr als 300 000 Besuche erhalten, fast ebenso viele Einträge finden sich nun, wenn man den Ort in der Suchmaschine Google eingibt. Das Dorf war in Spanien plötzlich in aller Munde, wurde zur Schlagzeile im Fernsehen und in der Presse. Aber es kamen nicht nur Heerscharen von Journalisten und Kamera-Teams, sondern auch Touristen. «Unsere Herberge ist inzwischen wieder geöffnet», freut sich Bürgermeister José Listo.

Cristóbal Sangüesa, der im Internet durch das Dorf führt, und die anderen elf Einwohner sind ihre Langeweile los. Derweil zumindest. Selbst Autogramme geben sie nun. Und sie hoffen, dass die Kampagne dazu beiträgt, Geld für die dringend nötige Restaurierung der schmucken Dorfkirche zusammenzubekommen. Auf der Internetseite können für zehn Euro das Stück Dachziegel für das Gotteshaus aus dem 16. Jahrhundert gekauft werden. Erhältlich sind auch Puppen von Providencia, Juan, Timoteo, Ascención, Félix, Carmen, Angel, Palmira, Bernardo, Josefa, Faustina und Cristóbal - für je 180 Euro. «Sollten nun aber busweise japanische Touristen kommen, das wäre uns doch ein bisschen zu viel», sagen die Einwohner.

Die Internetseite von Miravete de la Sierra (Spanisch): www.elpuebloenelquenuncapasanada.com Von Jörg Vogelsänger, dpa

dpa-infocom