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Das letzte Schloss des Kaisers: Haus Doorn

Doorn Was Haus Doorn angeht, muss man zugeben: Doch, der Kaiser hatte Geschmack.

Das Schloss in der niederländischen Provinz Utrecht liegt in einem weitläufigen Park.

Eine Brücke führt über den Graben voller Seerosen zu einer Freitreppe am Haupteingang. Und auch die Einrichtung ist vom Feinsten. Mehr als 20 Jahre hat Wilhelm II. hier gewohnt, nach seiner Flucht ins Exil 1918. Heute ist Haus Doorn ein bemerkenswertes Museum, das an das letzte Kapitel im Leben des letzten deutschen Kaisers erinnert.

Dessen Geburtstag jährt sich am 27. Januar zum 150. Mal und bereits am 9. November zum 90. Mal der Tag, an dem in Deutschland die Republik ausgerufen und der Thronverzicht des Kaisers proklamiert wurde. Viele Deutsche wissen gar nicht, dass Wilhelm II. mehr als ein Viertel seines Lebens in Doorn verbracht hat. Im August 1919 kaufte er «Huis Doorn» für 500 000 Gulden und ließ es mit Zentralheizung und neuen Badezimmern, neuen Fußböden und Kaminen ausstatten. Licht- und Telefonleitungen wurden modernisiert, der Park erhielt eine Beleuchtung - Exil ist nur noch halb so schlimm, wenn man nicht sparen muss.

Noch heute wirkt Haus Doorn behaglich und gleichzeitig eindrucksvoll. Besucher betreten das Gelände durch das Torgebäude, das der Ex-Kaiser im Stil der holländischen Renaissance bauen ließ: mit Türmchen, Treppengiebeln, Holzfensterläden und Sprossenfenstern. Auf dem Weg durch den Park steht eine Marmorbüste des Ex-Kaisers, gewohnt gescheitelt und mit seinem komischen Zwirbelbart. Die Besichtigung des Gebäudes, in dem Wilhelm II. bis zu seinem Tod 1941 lebte, ist nur im Rahmen von Führungen möglich, die es auch in deutscher Sprache gibt.

Die Räume sind zum Teil noch exakt so eingerichtet wie zu seinen Zeiten. Gemälde, Teppiche, kostbares Mobiliar und Geschirr der Königlich Preußischen Porzellan-Manufaktur wurden aus dem Stadtschloss in Berlin, aus Schloss Bellevue und aus dem Neuen Palais in Potsdam angeliefert. Insgesamt wurden 59 Eisenbahnwaggons gefüllt.

Schon in der Eingangshalle gibt es einiges davon zu sehen: Porträts des «Großen Kurfürsten» etwa und seiner holländischen Gattin Luise Henriette. Der größte Raum des Hauses ist der Speisesaal. Auf der festlich gedeckten Tafel stehen Teller, Gläser und Karaffen, Salzstreuer und zwei Rokoko-Kandelaber. Sogar das Silberbesteck liegt bereit. Gobelins, Meißener Porzellan und Marmor gibt es auch in anderen Räumen noch zu sehen und im Rauchsalon auch die wertvolle Sammlung von Schnupftabakdosen aus dem Besitz Friedrich des Großen, den Wilhelm so bewunderte - nicht nur für diese Exponate.

Wilhelms ganz private Seite wird in Doorn nicht ausgespart: Die Bibliothek und das Arbeitszimmer, in dem er täglich Zeitung und die Post las, sind ebenso zu besichtigen wie die Schlafräume oder das Badezimmer mit Waschtisch und Geschirr sowie das blau und gold glasierte und in einem Schrank verborgene Toilettenbecken.

Im Keller war die Küche untergebracht. Noch immer stehen die Schränke voller Tassen, Teller und Kannen, die Regale voller Töpfe, Pfannen und Gläser mit Eingemachten. Der Ofen sieht aus, als sollte er gleich befeuert werden. Das alles wirkt, als könnte der Kaiser jeden Tag wieder einziehen - dabei ist er schon mehr als sechs Jahrzehnte tot. Begraben liegt er im Mausoleum im Schlossgarten.

Informationen: Huis Dorn, Langbroekerweg 10, NL-3941 Doorn; Telefon von Deutschland: 0031/343/42 10 20.

Informationen zum Museum Haus Doorn: www.huisdoorn.nl Von Andreas Heimann, dpa

dpa-infocom