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Gipfel der Dichtkunst: Rilkes Spuren in der Schweiz

Sils Maria/Raron Der Lyriker Rainer Maria Rilke reiste rastlos umher. Für seine letzten sieben Lebensjahre wurde die Schweiz seine Wahlheimat.

Vom Ersten Weltkrieg geschockt, ging er 1919 auf eine Lesereise in das Alpenland und blieb viel länger als gedacht.

Seine Spuren lassen sich heute gleich in mehreren Kantonen verfolgen. Am Anfang seiner Schweizer Jahre war Rilke vor allem in Graubünden, in Sils Maria zum Beispiel, einem ursprünglichen Bergort nahe Sankt Moritz. Seit langem zieht er Künstler und Literaten magisch an. «Rilke ist hier immer ein Thema», versichert Kathrin Gerber von der Biblioteca Engiadinaisa. Im Lesesaal der gut bestückten Bibliothek mit unverbautem Blick auf den Silser See stehen viele Rilkebände im Regal. «Rilke stand im Briefkontakt mit Anita Forrer, der Stifterin der Bibliothek», erklärt die Bibliothekarin und zeigt auf eine ausgestellte handgeschriebene Widmung Rilkes.

Glücklich war Rilke im Bergdorf Soglio auf 1050 Metern über dem Meeresspiegel im Bergell, einem Graubündner Tal nahe der Grenze zu Italien. Zwei Monate wohnte er im «Palazzo Salis». Der Herrensitz aus dem 17. Jahrhundert des Adelsgeschlechts von Salis wird schon seit 1876 als Gasthaus genutzt. «Ich bin der Verführung dieses Hauses ganz und gar erlegen», notierte Rilke. Sein Zimmer sieht fast noch genauso aus wie damals.

Der Dichter spazierte hier durch den größten zusammenhängenden Esskastanienwald Europas. Er dinierte im großen Speisesaal unter einem Gewölbe mit Deckenmalereien. Er war entzückt vom barocken Garten des Palazzos mit den beiden riesigen Sequoia-Mammutbäumen. «Das ist mein Garten», heißt es bei ihm.

Mitten im Wallis im Haupttal der Rhône, in Muzot, ging Rilkes Traum vom Wohnen in einem Haus für sich allein in Erfüllung. Ein wohlhabender Mäzen erwarb einen Wohnturm aus dem Mittelalter, etwa 30 Gehminuten von Sierre entfernt, um ihn dem Dichter zur Verfügung zu stellen. Fünf Jahre lebte er dort ab 1921 in bewusster Einsamkeit, literarisch höchst produktiv.

Heute ist das einst einsam in den Weinbergen gelegene Refugium von Muzot von Häusern umgeben und offiziell nicht zu besichtigen. Doch der Garten mit den Weinstöcken und den Rosen, die in Rilkes Gedichten immer wieder auftauchen, wirkt unverändert. Wie sein Arbeitszimmer aussah, können Besucher auf Fotografien im Rilke-Museum in Sierre sehen. «Rilke arbeitete gerne im Stehen am Schreibpult», erklärt der Museumsleiter Curdin Ebneter und zeigt auf eine ausgestellte Kopie des Möbelstücks.

Doch seine Zeit in Muzot war von schwerer Krankheit überschattet. Immer wieder musste er in ein Sanatorium nach Val-Mont am Genfer See. Erst spät erkannten die Ärzte, dass er an einer seltenen Form der Leukämie erkrankt war. Rilke starb am 29. Dezember 1926. In seinem Testament wünschte er sich, «auf dem hochgelegenen Kirchhof neben der alten Kirche zu Rarogne zur Erde gebracht zu sein». Sein Grab in Raron, wie der Ort auf Deutsch heißt, ist längst ein Touristenmagnet.

Efeu und Rosen umranken das einfache Holzkreuz mit den Initialen «R.M.R.». Auf der Steintafel ist Rilkes selbstverfasster Grabspruch eingemeißelt, der die Besucher so fasziniert und doch soviel Rätsel aufgibt: «Rose, oh reiner Widerspruch,/ Lust, /Niemandes Schlaf zu sein /unter soviel/Lidern».

Informationen: Schweiz Tourismus, Postfach 16 07 54, 60070 Frankfurt; kostenloses Telefon: 00800/10 02 00 30, E-Mail: info@myswitzerland.com.

Schweizer Fremdenverkehrsamt: www.MySwitzerland.com Von Daniela David, dpa

dpa-infocom