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Lifestyle

Dinner als Blind Date: Essen im Dunkel-Restaurant

Fulda Das Auge isst mit? Denkste: Die Dinner-Gäste sehen rein gar nichts.

Beim «Genießen im Dunkeln» müssen sie sich zunächst auf ihren Tastsinn und dann auf den Geschmacksinn verlassen.

Derzeit können sich Freunde lukullischer Genüsse in Fulda auf ein Blind Date der etwas anderen Art einlassen: Essen in völliger Finsternis. Die experimentierfreudige Bio-Lebensmittel-Kette tegut, die auch gern ihrer Premium-Wurst zur harmonischeren Reifung klassische Musik angedeihen lässt, bietet dieses erhellende Geschmackserlebnis noch bis Anfang November an.

Tegut hat zwar auch eine Catering-Sparte, verdient sein Geld aber normalerweise nicht im Restaurant-Betrieb. Seit wenigen Jahren macht das Unternehmen jedes Jahr für ein paar Wochen eine Ausnahme. «Wir wollen mit solchen Events das Bewusstsein für Ernährung formen», erklärt eine Firmen-Sprecherin. Zwar gilt tegut bei Bio-Lebensmitteln als Trendsetter. Die Idee des Essens im Dunklen haben die Osthessen jedoch nicht exklusiv kreiert. In einigen deutschen Großstädten gibt es bereits seit geraumer Zeit das Prinzip «Ich ess' was, was du nicht siehst». Serviert werden die Speisen dort von blinden Kellnern. So zum Beispiel in der «unsicht-Bar» in Köln, Berlin und Hamburg oder auch im Dialogmuseum in Frankfurt am Main.

Die Sparte der Erlebnis-Gastronomie differenziert sich immer weiter aus. Wer es bei Speisen exotisch mag, für den gibt es Blüten oder Insekten. Was auf den Teller kommt, wird auch immer häufiger spektakulär in Szene gesetzt. So gibt es Mittelalter- oder Ritter-Dinner, bei denen es rustikal zugeht. Im Gefängnis-Restaurant «Bollesje» in Rüdesheim am Rhein heißt es für die Gäste: Tauchen Sie ab in die Welt der Gangster. Jeder Gast bekommt dafür ein gestreiftes Sträflingsmützchen mit Knast-Nummer, das zur kargen Mahlzeit - Sauerkraut, Wurst und trocken Brot - aufzusetzen ist.

Ganze Bühnen-Stücke erwarten die Gäste beim sogenannten Genuss-Theater. Ein kleines Schauspiel-Ensemble unterhält die Hungrigen bei bundesweiten Tourneen mit einem Krimi-, Broadway-, Western-, Mafia- oder Märchen-Dinner. In Schloss Romrod (Vogelsbergkreis) steht am 27. November erstmals ein schauriges Dracula-Dinner zum Anbeißen auf dem Programm.

«Man muss heutzutage über den Tellerrand hinausschauen, Ideen entwickeln und einen Erlebniswert schaffen», sagt der Präsident des hessischen Hotel- und Gaststättenverbandes, Reinhard Schreek. Das sei mittlerweile überlebenswichtig geworden. Das äußert sich in immer verrückteren Formen der Erlebnis-Gastronomie.

Ein absolut nicht alltägliches Erlebnis ist auch das «Genießen im Dunkeln» in Fulda. Die Gäste werden von Kellnern durch eine Schleuse aus Vorhängen an ihren Platz in der Finsternis geführt. Die Service-Kräfte tragen dabei Nachtsichtgeräte. Für den Gast wird dann das Vier-Gänge-Bio-Menü zur Herausforderung. Haben sich die Gäste behutsam tastend auf dem Teller zurechtgefunden, essen die meisten mit den Fingern - das ist einfacher als mit Messer und Gabel. «Deswegen dürfen wir nicht zu heiß servieren. Sonst verbrennt man sich die Finger», erklärt Koch Stefan Walch, der die Gäste beim Essen auch spielerisch fordern möchte.

So bekommen die Experimental-Esser zum Beispiel viele Kleinigkeiten auf den Teller kredenzt. Etwas am Spieß, in verschiedenen Formen oder in Gläschen arrangiert. «Aufpassen muss man auch beim Würzen. Schon Nuancen werden viel feinfühliger wahrgenommen», sagt Walch. «Der Geschmackssinn von Nicht-Sehenden ist einfach viel stärker ausgeprägt.»

Dialog Museum: www.dialogmuseum.de

Essen im Dunkeln: www.essen-im-dunkeln. de

unsicht-Bar: www.unsicht-bar.de

Tegut: www.tegut.com

Genuss-Theater: www.galadinner.de

Gefängnis-Restaurant: www.bollesje.de Von Jörn Perske, dpa

dpa-infocom