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Ötzi trug Trekkingschuh - Sissis Schuhe drückten

Herne Ötzi kam bei seiner Alpenüberquerung ohne sie nicht aus, für römische Legionäre waren sie Pflicht und Kaiserin Sissi wollte lieber Alte als Neue: Es geht um Schuhe, um 400 Paar aus aller Welt und allen Epochen.

Das Archäologiemuseum in Herne zeigt zum Start der Wanderausstellung «schuhtick - von kalten und heißen Sohlen» (6. Dezember bis 5 Juli 2009) alles rund um die Geschichte der Fußbekleidung.

Sissi hasste ihre Schuhe, weil sie drückten. Als Kaiserin musste sie aber jeden Tag ein nagelneues Paar anziehen. «Alles drängen half nicht», meint Andrea Müller. Am Hofe galten Zwänge. Außerdem freuten sich schon die nachrangigen Damen auf die zügig ausrangierten Treter.

Die Österreicherin hätte wohl lieber die gewickelten Bergschuhe des längst verstorbenen Steinzeitmenschen Ötzi getragen. «Innen Hirschleder, in der Mitte Stroh und außen Bärenfell, das konnte man schon als Wanderschuh ansehen», sagt Ausstellungs-Projektleiterin Andrea Müller.

Rund 3000 Jahre nach Ötzi war die Erfindung des Ur-Trekkingschuhs wohl wieder verblasst. Ein römischer Legionär ließ sich von seiner Mutter Socken nach Britannien schicken, weil er in seinen Militärsandalen fror. Festgehalten ist sein Wunsch in einer Botschaft, einer Wachstafel, die er an seine Mutter geschickt hatte.

Hatten die Römer wenig Mitleid mit kalten Legionärsfüßen, so hatte sie dafür schon einen Sinn für Links und Rechts bei der Schuhbekleidung. Aber auch dieser Fortschritt verblasste im Laufe der Jahrhunderte. Im Mittelalter verschwanden unterschiedlich geformte Schuhe wieder von der Bildfläche. Dafür stolzierte der französische Adel auf hohen Hacken daher. Je höher der Schuh, desto wichtiger sein Träger. Das gemeine Volk lief dagegen in flachen Tretern, allein schon um darin arbeiten zu können. Den hohen Hacken der hohen Herrschaften bereitete die französische Revolution ein jähes Ende: «Mit der Guillotine fiel auch der Absatz», sagt Museumschef Josef Mühlenbrock.

Ob Marie Antoinette in den Vorgängern heutiger High Heels zum Schafott stöckelte, ist ungewiss. Sie dürfte ihre Statussymbole in der Haft verloren haben, glauben die Experten. Ein Paar Schuhe, das angeblich von der «schillernden» Gattin Ludwig des XVI. stammen sollte, entpuppte sich bereits im Vorfeld der Ausstellung als falsch zugeordnet. Eine wissenschaftliche Analyse datiert die Schuhe auf das Jahr 1830, ein paar Jahrzehnte nachdem die Königin den Kopf verlor. Ohnehin waren es flache Hausschuhe, so etwas wie Espandrilles.

Die einfachen Pantinen sind wie auch die Hochhacker immer wieder modern geworden. Flip-Flops waren über Jahrtausende gefragt. Die ältesten Sandalen der Ausstellungen stammen vom Bodensee. Auf das Jahrhundert 2900 bis 2800 vor Christus haben die Forscher ein Paar Bastsandalen aus einer Pfahlbausiedlung der Sipplinge datiert. Sie sind die ältesten Originalexponate der Ausstellung. Ansonsten zeugen Höhlenzeichnungen von noch älteren Fußschützern.

Besucher haben das sinnige Vergnügen , nach der Schlappen-Schau von Bischöfen, Sportlern, Madonna und Marylin Monroe oder dem gestiefelten Kater, Schuhe der Vergangenheit auf dem Laufsteg selbst auszuprobieren. Allerdings sind die Herren-Pumps, Trippen (Überschuhe) oder Legionärssandalen Nachbauten der Originale.

Bis zum Start am Nikolaustag (6.12.) können Menschen mit besonderen Schuhgeschichten und besonderen Schuhen beim «schuhtick» selbst mitmischen. Tolle Geschichten können online unter «chuhtick-ausstellung.de» eingestellt werden. Vielleicht findet auch ein besonderer Schuh einen Platz in den begehbaren Schuhkartons der Ausstellung.

Nach dem Start in Herne zieht die Ausstellung ins Bremer Überseemuseum (18. September 2009 bis 28. März 2010), mit dem die Herner in Sachen Schuh-Tick kooperieren. Die weiteren Stationen sind Mannheim, Bonn und voraussichtlich Bozen, Halle (Sachsen-Anhalt) und Ratingen.

Schuhgeschichten: www.lwl-landesmuseum-herne.de/Schuhtick Von Wolfgang Dahlmann, dpa

dpa-infocom