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Spaß und Ernst: 25 Jahre Spielforschungsstelle

Dortmund Die fünf Würfel zeigen eine hohe Augenzahl an. Glück für Rainer Korte: Er darf jetzt eine der Spielfiguren auf seine Seite rücken.

Der 64-Jährige vertreibt sich mit dem Brettspiel keineswegs seine Mittagspause, sondern er arbeitet.

Korte ist Professor an der Fachhochschule Dortmund und leitet die «Arbeitsstelle für Spielforschung und Freizeitberatung», wo seit 25 Jahren Spiele bewertet werden. Das Ziel ist es, den Verbrauchern nichtkommerzielle Informationen über die neuesten Spiele zu bieten. Diese Spielerezensionen sollen bis Jahresende auch kostenlos im Internet abrufbar sein.

Was sich nach Freizeitvergnügen anhört, entpuppt sich als harte Arbeit. Etwa 250 Spiele kämen jedes Jahr neu auf den Markt, von denen aber mehr als 90 Prozent nicht überlebten, so Rainer Korte. Kinder, Familien und Senioren, sie alle spielen in ihrer Freizeit gerne und für sie sind die Spieltests der Forschungsstelle gedacht. «Der Kunde, der im Laden ein Spiel kaufen möchte, steht oft etwas hilflos vor dem Regal», sagt der Professor.

Daher wurden an der Fachhochschule im Laufe der Jahre Bewertungskriterien entwickelt, die helfen sollen, die Vielzahl an Spielen zu durchschauen. Spannungsbogen, logischer Aufbau, Qualität des Spielmaterials, die Spielregeln und die Spielidee sind die Kriterien, nach denen beurteilt wird. Und so schickt Korte seine Studenten los: In Kindergärten, Jugendeinrichtungen und Seniorenheimen würfeln sie, teilen Karten aus und testen die Spiele auf Alltagstauglichkeit. «Aber im Vordergrund steht immer der kommunikative Aspekt», sagt Korte. Soziales Verhalten solle so trainiert werden. «Im Spiel lernt man, mit Aggression und Frustration umzugehen», erklärt der Erziehungswissenschaftler.

Dagegen stehen die immer beliebter werdenden Computerspiele im Ruf, Aggressionen zu verursachen. Lars Thoms, Sozialpädagoge in der Spielforschungsstelle, kann dies aber nicht bestätigen. «Zwar haben vor allem die sogenannten Kriegsspiele eine Tendenz, Aggressivität zu fördern, aber dann muss schon vorher in der Sozialisation des Spielers etwas nicht stimmen», sagt der Pädagoge.

Seit Anfang dieses Jahres bewertet er in der Forschungsstelle auch Computerspiele. So gerne er selbst auch am Computer spielt, sieht er diese Spiele auch kritisch: «Die Kommunikation fehlt. Auch wenn ich chatte, weiß ich nicht, ob der andere sich wirklich ärgert.» Außerdem sei durch die Flut an Bildern und Informationen kaum noch Freiraum für Kreativität gegeben.

Und genau das solle doch beim Spielen gefördert werden, sagt Rainer Korte. Er kann Computerspielen gar nichts abgewinnen und spielt am liebsten Schach. Allerdings nur, wenn er einen geeigneten Partner findet. «Wenn der eine Spieler seine Überlegenheit ausnutzt und der andere immer verliert, ist das äußerst unbefriedigend», berichtet er aus eigener Erfahrung. Viele hätten so schon die Freude an Gesellschaftsspielen verloren. Das findet der Professor dann sehr bedauerlich, denn schließlich sei das Spielen «das Gegenwicht zum Ernst des Lebens».

Arbeitsstelle für Spielforschung und Freizeitberatung: www.soziales.fh-dortmund.de/asf Von Kerstin Lottritz, dpa

dpa-infocom